Neuer Anschluss unter dieser Nummer

Die hierzulande weithin gewohnte ISDN-Technologie ist ein Auslaufmodell. In Zukunft wird ausschließlich über das Internet telefoniert. Viele geschäftliche Anwender sollten deshalb bald den Besuch eines Technikers einplanen.

Von Folker Lück 18.05.2016

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Die Deutsche Telekom als größter deutscher Netzbetreiber ist bereits seit Mitte des Jahres 2014 dabei, ihr Netz zu vereinheitlichen und Kunden in das neue Netz zu übertragen. Im Fachjargon heißt das „All-IP“, und die Privatkunden waren zuerst an der Reihe. Die gute Nachricht: Höhere laufende Kosten entstehen den meisten geschäftlichen Anwendern durch die Umstellung nicht.

Der Bonner Konzern hat sich zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2018 eine einheitliche Netzinfrastruktur zu verwenden und dadurch seine Betriebskosten zu reduzieren. Bislang betreibt die Telekom nämlich aufwendig zwei Netze parallel: ISDN und IP. Durch die modernere IP-Technologie (IP = Internet Protocol) können sowohl Telefongespräche als auch Daten über dieselbe Leitung bereitgestellt werden. Weil die IP-basierte Netzwerktechnik rund um den Erdball verwendet wird, ist deren Nutzung wesentlich kostengünstiger. Die Ersparnis wird überwiegend an die Kunden weitergegeben.

Auch wer bei anderen Netzbetreibern Kunde ist, wird auf mittlere Sicht mit dem Umstieg auf IP konfrontiert werden. Zwar versprechen einige Anbieter wie Colt oder Versatel ihren Kunden aktuell, dass in ihren Netzen ISDN auch noch nach 2018 nutzbar sein wird. Allerdings handelt es sich auch hier lediglich um eine Übergangszeit – langfristig werden auch diese Unternehmen auf IP setzen. Wer das neue Netz partout nicht haben will, erkauft sich mit dem Wechsel zu einem anderen Anbieter also bestenfalls eine etwas längere Übergangszeit.

Hohe Funktionalität

Die Telekom kontaktiert bereits seit einiger Zeit ihre Kunden mit Briefen und Werbeanrufen, um sie zum Umstieg zu bewegen. In der Vergangenheit wurde dabei gerade von Callcenter-Mitarbeitern die Kündigung der alten ISDN-Verträge wie eine Strafe angedroht, was so mancher treue Nutzer geradezu als Nötigung empfand. Um die Kunden bei der Stange zu halten, trommelt der Anbieter für die neue Technik: „Es entstehen niedrigere Kosten für Wartung und Installation dank Selbstadministration“, heißt es auf der Unternehmenshomepage. Die Sprachqualität soll besser sein als je zuvor, Dienste wie Voicemail (Anrufbeantworter), Videotelefonie, Instant Messaging und Fax seien einfacher nutzbar.

In Internetforen ist das Echo von bereits umgestellten Kunden eher gemischt: Manche schimpfen über plötzliche Gesprächsabbrüche und eine schlechte Gesprächsqualität. Andere Nutzer loben die sehr gute Akustik und freuen sich über neue Optionen. Welche Auswirkungen der technische Wandel auf den einzelnen Nutzer hat, hängt tatsächlich von vielen Faktoren ab. Wer einen einfachen Telefonanschluss nutzt, merkt unter Umständen gar nichts von dem Wechsel und kann sich indes darüber freuen, dass der neue Vertrag mit niedrigeren Monatskosten verbunden ist.

Kostengünstige Fritz-Box

Wer zusätzlich zum Telefon Hardware, wie beispielsweise einen WLAN-Router, einsetzt, befindet sich häufig auch auf der sicheren Seite: So ist die in vielen Kleinbetrieben eingesetzte Fritz-Box von AVM bereits seit einigen Jahren für den Einsatz am ISDN- und IP-Anschuss ausgelegt. Wer kein Uraltmodell besitzt, muss also keine „Funkstille“ fürchten. Eine neue Fritz-Box ist zudem relativ preiswert erhältlich. Das aktuelle Topmodell FritzBox 7490 – von der Stiftung Warentest mit der Note 1,6 zum Testsieger gekürt – kostet online oder im Fachhandel rund 200 Euro.

Wer für den Betrieb eine nicht allzu betagte Telefonanlage von Herstellern wie Alcatel, Avaya, Mitel (früher: Aastra), Agfeo, Auerswald oder Unify (früher: Siemens) nutzt, kann die Technik auch häufig uneingeschränkt weiter gebrauchen. Hintergrund: Die meisten Telefonanlagen sind seit Jahren hybrid ausgelegt, sodass sie mit ISDN- und IP-Anschlüssen funktionieren. Bei älteren Systemen kann oft ein sogenanntes Gateway zwischengeschaltet werden. In allen Fällen gilt jedoch: Wer keinen ausgewiesenen Telefontechniker im eigenen Unternehmen beschäftigt, sollte für die neue Konfiguration einen Experten beauftragen. Den Telefonanschluss vorsorglich zu kündigen, ist hingegen der falsche Weg.

Sonderkonditionen zur Umstellung

Christoph Ziegenmeyer, Sprecher des Telefonanlagenherstellers Mitel, erläutert: „Um die für das eigene Unternehmen beste und kostengünstigste Lösung zu erhalten, raten wir allen Unternehmen, sich im Rahmen der Umstellung auf IP von einem unabhängigen Systemhaus oder einem Fachhändler für Kommunikationsanlagen beraten zu lassen.“ Sollte kein fester Ansprechpartner für Telefonanlagen oder Kommunikationsserver bekannt sein, bieten Hersteller wie Mitel über ihre Webseiten eine Suchfunktion an, mit der sich durch Eingabe der Postleitzahl das nächstgelegene Systemhaus finden lässt. Wer die IP-Umstellung hingegen nutzen möchte, um sich neue Technik ins Haus zu holen, macht aktuell womöglich ein Schnäppchen: „Sollte eine neue Anlage erforderlich sein, bieten einige Hersteller bei der Umstellung von ISDN zu IP Sonderkonditionen an“, verrät Ziegenmeyer.

Andere Kommunikationsanbieter, wie beispielsweise Nfon, Sipgate oder QSC, raten hingegen, die Telefonanlage bei der Umstellung gleich ganz abzuschaffen: Als Alternative betrachten sie die von ihnen angebotenen Cloud-basierten Systeme. Für deren Nutzung benötigt man in der Regel lediglich IP-taugliche Telefone. Die Anschaffung von Anlagenhardware entfällt, weil die gesamte Technik über die Telefonleitung zur Verfügung gestellt wird. Auch ein langjähriger Wartungsvertrag muss nicht unterschrieben werden, da die virtuelle Anlage automatisch Updates erhält.

Anwender sehen die Cloudtechnik trotz dieser Pluspunkte noch skeptisch, weil sie die Abhängigkeit vom Telefonanbieter vergrößern kann. Einige Anwender haben auch Datenschutzbedenken: Während bei einem lokal installierten System beispielsweise die Telefondaten von Kunden oder Partnern auch nur lokal auf dem System vorhanden sind, landen die Daten bei einer Cloudlösung unter Umständen im Rechenzentrum des jeweiligen Anbieters.

Wer vom Netzbetreiber wegen der Umstellung auf IP-Telefonie kontaktiert wird, sollte auch bedenken, dass die ISDN-Technik gerade bei geschäftlichen Anwendern nicht nur im Bereich der reinen Sprachtelefonie zum Einsatz kommt. Martin Bürstenbinder, Geschäftsführer des VAF – Bundesverband Telekommunikation, rät Anwendern deshalb, sich auch folgende Frage zu stellen: „Was ist mit anderen Geräten, die das Telefonnetz nutzen, wie etwa EC-Kartenleser, Brandmeldeanlagen, Alarmanlagen oder dem Aufzugnotruf?“ Tatsächlich verwenden auch solche Systeme häufig den ISDN-Anschluss.

Wer nicht genau weiß, ob Kartenlesegerät oder Aufzug auch auf dem ISDN-Anschluss aufsetzen, sollte keinesfalls bis zum Umstellungstermin abwarten, sondern möglichst frühzeitig einen Experten vom Systemhaus oder einen Fachhändler zurate ziehen. Guido Otterbein, Geschäftsführer des Systemhauses SEC-COM, gibt überdies zu bedenken: „Unserer Erfahrung nach sind Telefonie und Fax für die meisten Betriebe absolut geschäftskritisch.“ Den Berater vom Systemhaus erst dann zu kontaktieren, wenn die Technik versagt, kann unter Umständen tagelange Ausfallzeiten mit sich bringen. Das sollten geschäftliche Anwender unbedingt vermeiden.

Schlagworte: Kommunikation, Modernisierung, Strategie, Telefonanlagen

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