Großes Küchenkino

Virtual-Reality-Technik vergrößert die Ausstellungsfläche und emotionalisiert den Verkaufsprozess. Das senkt nicht nur die ­Betriebskosten, sondern begeistert zudem die Kunden.

Von Elke von Rekowski 22.11.2016

© V.I.S. Virtual Interior Systems

Der Kauf einer neuen Küche stellt Kunden und Anbieter vor große Herausforderungen. Zum einen ist die Auswahl an verschiedenen Küchen der unterschiedlichen Anbieter nahezu unübersichtlich. Zum anderen wollen die Kunden bereits beim Auswählen einen möglichst genauen Eindruck gewinnen, wie die betreffende Küche bei ihnen zu Hause aussieht. Doch selten treffen dabei die Arrangements auf der Ausstellungsfläche die tatsächlichen räumlichen Gegebenheiten des Kunden vor Ort.

Mit Virtual Reality steht mittelständischen Händlern eine Technologie zur Verfügung, die Eindrucksvolles für die Branche leisten kann. Um einem Interessenten einen möglichst genauen Eindruck von den ausgewählten Möbeln in seiner heimischen Küche zu verschaffen, wird heute in der Regel eine Konstruktionssoftware (CAD) verwendet. Nach den Wünschen des Kunden sowie den Abmessungen des dafür vorgesehenen Raumes wird ein Modell im Computer erstellt, das verschiedene Ansichten zeigt. Dabei ist die Darstellung auch perspektivisch angelegt, jedoch immer nur als verkleinertes Modell auf dem Bildschirm. Der Kunde kann seine geplante Küche nicht sinnlich „erfahren“, kann kein Gefühl für Proportionen und reale Funktionen entwickeln. Reicht die Länge der Arbeitsplatte? Sind Ofen und Kühlschrank gut zu erreichen? Ist genug Platz rund um den Esstisch vorgesehen?

Das alles sind Fragen, die mit einer möglichst realistischen Simulation besser beantwortet werden können. Genau das leistet die Virtual-Reality-Technologie (VR), die nicht zuletzt durch die Unterhaltungsindustrie in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt hat.

„Der Einsatz von Virtual Reality im Möbel- und Küchenhandel nimmt langsam, aber stetig zu“, sagt André F. Kunz, Geschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Möbel-, Küchen- und Einrichtungsfachhandels im Bundesverband Wohnen und Büro und des Vereins Fachschule des Möbelhandels. Mit derartigen Systemen kann dem Kunden bereits im Beratungsgespräch gezeigt werden, wie sein neues Möbel oder die neue Küche in seiner gewohnten häuslichen Umgebung aussehen werden. „Es entsteht beim Kunden somit ein völlig neues Erleben seiner zukünftigen Einrichtung“, so Kunz.

Raumgefühl in Originalgröße

Die Auswahl an VR-Systemen unterschiedlicher Hersteller wächst. Im Alltagseinsatz bewiesen hat sich etwa das System Carat 3D Cinema: Nach der Beratung und gemeinsamen Gestaltung am Bildschirm geht der Planer mit seinen Kunden in ein Küchenkino und ruft dort die individuell zusammengestellte Küche auf. Die Software setzt die Szene automatisch in 3-D um. Der Raum ist idealerweise abgedunkelt, rund vier mal 3,5 Meter groß und mit einer Großleinwand versehen. Ein 3-D-Projektor bildet die geplante Küche in Originalgröße auf der Leinwand ab.

Der Kunde steht mitten im Raum und betrachtet durch eine 3-D-Brille seine neue Küche. Mit einer speziellen Maus kann er sich durch die virtuelle Welt bewegen und die Küche aus verschiedenen Winkeln betrachten. Details erscheinen im richtigen Maßstab und vermitteln einen Eindruck von dem verfügbaren Platz und der Zugänglichkeit einzelner Komponenten. „Egal, ob kleines Küchenstudio, großer Küchenfachmarkt oder Möbelhaus: Die Küche, die beim Kunden zu Hause passt und die ihm persönlich gefällt, steht in keiner Ausstellung“, erläutert Michael Kirchhoff, Key-Account-Manager bei Carat. Für den Händler sei es eine große Hilfe, über VR seinem Kunden sehr realitätsnah das zu präsentieren, was am Ende geliefert wird.

„Dem Kunden liefert VR die absolute Sicherheit, die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Durch die Computertechnik ist es zudem möglich, unterschiedliche Gestaltungsvarianten praktisch ‚on the fly‘ zu präsentieren“, verspricht auch Dirk Schottelius, Geschäftsführer des Systemanbieters V.I.S. Virtual Interior Systems. Und das könne insbesondere bei teuren, hochwertigen Küchen den Unterschied zwischen Kaufabschluss und der Abschiedsformel „Wir schlafen noch mal drüber“ ausmachen, so Schottelius.

Emotionales Einkaufserlebnis

Durch den Einsatz von VR können Fachhändler Ausstellungsfläche sparen, wodurch Betriebskosten gesenkt werden. Außerdem lassen sich mit Unterstützung von VR-Systemen Verkaufsgespräche zielorientierter gestalten: Der Kunde benötigt weniger Abstraktionsvermögen, um Pläne zu interpretieren. Die geradezu plastische Darstellung der zukünftigen Küche erlaubt es dem Händler überdies, mit seinem Verkaufsgespräch die Fantasie anzuregen und auf dieser Basis Zusatzverkäufe zu generieren. Das umfassende Erlebnis und die Vorfreude auf die neue Küche überwiegen im Idealfall das rationale Spardenken des Kunden.

„Für den Handel bedeutet diese Technologie gegenüber der normalen 3-D-Raumplanung ein Beratungsplus und einen Wettbewerbsvorteil, was sich schnell bezahlt machen wird“, sagt André F. Kunz und ergänzt: „Die Kunden werden immer technikaffiner und können mit diesen Systemen optimal beraten werden.“


Das erste mobile 3-D-Küchenstudio der Welt
Im harten Wettbewerb der Küchenbranche heißt es mehr denn je, sich durch gute Konzepte von der Konkurrenz abzusetzen. Schöne, große Ausstellungen sind eine gute Möglichkeit, Wow-Effekte zu erzeugen, wenn auch eine sehr kostspielige. Untersuchungen zufolge sind Kunden meist nur bereit, rund eine halbe Stunde Fahrtzeit auf sich zu nehmen, um zu einem Anbieter zu gelangen. Diese räumliche Begrenzung überwinden helfen soll der sogenannte Virtual-Interior-Liner (V. I. L.). Das auf dem Chassis des Fiat Ducato 40H mit Breitspurrahmen basierende Fahrzeug ist mit einem virtuellen Küchenstudio bestückt, mit dem Händler zum Kunden nach Hause fahren können. Dank Raumbeduftung und Standklimaanlage werden auch längere Gespräche im Küchenbus nicht zur Belastung. Ein Lithium-Ionen-Akku-System sorgt dafür, dass für mindestens acht Stunden ein stabiles 230-Volt-Netz zur Verfügung steht, ohne dass der V. I. L. an einen Außenstromanschluss angeschlossen oder ein Generator zugeschaltet werden muss. Das vollautomatische Hubstützensystem positioniert das Fahrzeug stets in eine stabile horizontale Lage.

Schlagworte: Markt, Virtual Reality, VR, Küchenausstattung

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