Die Qual der Wahl

Die schiere Masse macht es Betreibern von Onlineshops ­nicht leicht, sich einen Überblick über die geeigneten Softwareanbieter zu verschaffen. Vor allem geht es darum, herauszufinden, ­welches Webshopsystem am besten zum eigenen Profil passt.

Von 17.01.2017

© Miguel Navarro/ Getty

Oxid eSales, Demandware, Gambio oder Shopify – wer in die Softwarewelt von Onlineshops eintritt, stößt auf viele verschiedene Softwareanbieter, und gerade für Neueinsteiger kann es zeitraubend sein, sich einen Überblick über das jeweilige Funktionsangebot und mögliche Vor- und Nachteile zu verschaffen. Es geht schließlich um die Frage, welches Shopsystem am besten zum eigenen Geschäft passt. Und die Antwort darauf kann mitunter sehr komplex ausfallen.

Die gute Nachricht: Legt man Betriebsart, Individualisierungsgrad und Kostenfaktor zugrunde, lassen sich die Anbieter grundsätzlich in drei grobe Kategorien einteilen. Das bietet zumindest eine erste Orientierung. Weiter lassen sich je nach Software Schwerpunkte hinsichtlich der Funktionsmöglichkeiten festmachen. Während ein Produkt etwa eine bessere Konfiguration für Multishops vorhält, findet man bei anderen bereits eine gute Lösung zum Aufbau eines Shops für den B2B-Commerce vor.

Je näher allerdings die tatsächliche Entscheidung für ein konkretes Produkt rückt, desto individueller wird auch die Entscheidung ausfallen: abhängig vom eigenen Geschäftsmodell, von der Größe und der Art des eigenen Produktkatalogs und Kundenstammes sowie dem zur Verfügung stehenden Budget. „Man sollte dabei vor allem schauen, wie individuell man ein System an seine Bedürfnisse anpassen kann und welcher Aufwand dahintersteht“, sagt Sven Grimminger, geschäftsführender Gesellschafter der E-Commerce-Beratung ShopStrategen. Viele Funktionen ließen sich zwar über Erweiterungen dazukaufen oder eigenständig hinzuprogrammieren. „Allerdings ist das immer ein zusätzlicher Kosten- und Zeitfaktor.“

Gerade für E-Commerce-Einsteiger und solche mit kleinem Handelsvolumen eignen sich häufig Software-as-a-Service-Angebote wie Shopify oder ePages. Für sie sprechen vor allem die geringen Einstiegshürden hinsichtlich der Kosten und des technischem Aufwandes, wobei Betrieb und die Weiterentwicklung komplett an den Serviceanbieter ausgelagert werden. Mit solchen Systemen können Händler eigenständig loslegen und ihren ersten eigenen Onlineshop auf die Beine stellen. „Allerdings ist der Individualisierungsgrad zu anderen Shopsystemen hier oft am stärksten beschränkt. Schwierig ist es beispielsweise, neue Märkte und Zahlarten selbst zu integrieren, wenn sie nicht vom System unterstützt werden“, weiß Grimminger.

Auf Standardschnittstellen achten
Sobald das E-Commerce-Geschäft ernsthafter betrieben werden soll, rät E-Commerce-Experte Oliver Kraft zu Standardsoftwareanbietern wie Oxid eSales, Shopware oder Gambio. In diesem Fall würden sich die Unternehmen normalerweise auch eine Agentur dazuholen, die bei der Auswahl des richtigen Anbieters und dem Aufbau des Onlineshops hilft, erklärt der Gründer und Geschäftsführer des auf E-Commerce-Lösungen spezialisierten Dienstleisters Sologics. Gehobene Onlinehändler mit zweistelligen Millionenumsätzen im Jahr wählten häufig Lösungen wie Hybris, Demandware oder Intershop – wobei die Entwicklungskosten schnell im siebenstelligen Bereich liegen können.

„Die Standardsysteme stehen in ihrem Funktionsumfang sehr dicht beieinander. Andere Kriterien sind daher, wie sich mit einem System im Administrationsbackend arbeiten lässt oder welche Anbindungsmöglichkeiten ein System schon mitbringt, die zur vorhandenen Unternehmens-EDV passen“, erklärt Kraft. Das spielt zum Beispiel bei der Anbindung des Shopsystems an das eigene Warenwirtschafts- oder Logistiksystem eine Rolle. Solche Anbindungen neu zu programmieren und anzupassen, koste viel Zeit und Geld, so der Experte. „Dabei bieten die Shopsysteme zum Teil schon Standardschnittstellen zu bestimmten Unternehmenssystemen an.“

Unterschiede gibt es auch hinsichtlich der vorprogrammierten Funktionen. Wer primär nach Marketing-Tools sucht, wird am ehesten bei Shopware fündig. Kein anderer Anbieter mache es Shopbetreibern so einfach, inspirierende und emotional aufgeladene Einkaufswelten aufzubauen, sagt Kraft. „Oxid eSales hingegen ist besonders stark im B2B-Geschäft und hält hier bereits eine Reihe von Standardfunktionen bereit.“ Eine Vergleichsmöglichkeit bietet unter anderem die Seite www.ecomparo.de. Dort lassen sich die Anbieter beispielsweise nach Features und Funktionen, Verwaltungssystem oder Einschränkungen filtern.

Einbindung von Video- und Chatfunktionen
Eine neue Entwicklung der vergangenen Jahre sind sogenannte E-Commerce-Frameworks. Sie sind flexibler als Standardshopsysteme, weil jede Funktion und jedes Feature einem Baustein entspricht, den man beliebig dazubuchen kann. Daher eignen sie sich besonders für sehr individuelle E-Commerce-Projekte wie Abomodelle oder komplexe Shops.

Über Eigenprogrammierungen können Händler auch später noch einen besonderen Mehrwert gegenüber ihren Wettbewerbern schaffen. Möglich ist etwa die Einbindung von Video- und Chatfunktionen, um den Kunden besser und direkter beraten zu können. Umfangreiche Filterfunktionen bis hin zu geführten Produktkonfiguratoren helfen auch bei technisch komplexen Produkten, schnell die richtige Auswahl zu treffen. Grimminger: „Dabei kann man von der Faustregel ausgehen: Je individueller das Geschäftsmodell, desto flexibler muss in der Regel das Shopsystem sein und desto weniger reichen Standardlösungen aus.“

Schlagworte: Software, Unternehmen, Webshop

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