Parkraumbewirtschaftung

Schrankenlose Flächennutzung

Parkplätze in Städten sind knapp. Der Einzelhandel könnte Teil der Lösung sein: Neue Konzepte zur Parkraumbewirtschaftung ermöglichen die kostenpflichtige Nutzung außerhalb der Öffnungszeiten – in Kombination mit Lademöglichkeiten für E-Autos ein Angebot mit Zukunftsperspektive.

Von Jens Gräber 18.05.2020

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PRM will eine bessere Nutzung des Parkraums ermöglichen.

Der Erlanger Parkraum-Management-Spezialist PRM GmbH etwa stellt den Händlern eine neue Einnahmequelle in Aussicht: Mit der App Parkster können Parkplätze gegen Bezahlung außerhalb der Öffnungszeiten gemietet werden, für eine Nacht oder für einen ganzen Monat. „Den Erlös teilen wir mit dem Händler“, sagt PRM-Geschäftsführer Norbert Kneuer. PRM schlage in der Regel 50 Cent pro Nacht und 10 Euro für einen Monat vor – in Innenstadtlagen könnten die Preise aber höher sein.

„Wir wollen eine bessere Nutzung des Parkraums ermöglichen, rund um die Uhr“, erklärt der Geschäftsführer. Davon profitierten sowohl Händler als auch Anwohner, die in Städten sonst oft Schwierigkeiten haben, einen Parkplatz für die Nacht zu finden. Angesichts des Ausbaus der E-Mobilität und der Tatsache, dass viele Händler Ladesäulen für Elektroautos entweder schon aufgestellt haben oder planen (siehe Grafik), sind ohnehin Konzepte gefragt, die den Zugang zu den Parkflächen rund um die Uhr ermöglichen. Letztlich ist das alles Kundenservice.

„Wir wollen Parkplätze zu Mobilitätsdrehscheiben machen“, sagt Kneuer. Um das möglichst unkompliziert zu realisieren, setzt PRM statt auf Kontrolleure oder Schranken als Parkzeit- oder Zugangskontrolle auf die automatisierte Erfassung der Autokennzeichen. Überzieht ein Nutzer die kostenlose Parkzeit, werden die Daten des Halters beim Kraftfahrt-Bundesamt abgefragt und er bekommt eine Rechnung.

Zu den Kosten für den Händler sei eine pauschale Aussage nicht möglich, da sie individuell ausgehandelt würden, so Kneuer. Jedenfalls reduziere das Konzept auch den Ärger zwischen Händler und Kunden, da Letztere nicht mehr einfach vergessen können, Parkschein oder -scheibe ins Fenster zu legen.

Anwohner nehmen Angebot gut an

Und wie sieht es mit dem Datenschutz aus? „Die Scanner müssen deutlich ausgeschildert sein, jeder Fahrer muss so rechtzeitig informiert sein, dass er im Zweifel noch mal umdrehen kann, bevor sein Auto erfasst wird“, erklärt Kneuer. Maximilian Schlereth, CEO der Peter Park System GmbH, die die Erfassungssoftware entwickelt hat, ergänzt: Sobald jemand innerhalb der kostenlosen Parkzeit das Gelände verlasse, werde das Kennzeichen gelöscht.

Verschiedene Parkraumbewirtschafter nutzten die Software, allein PRM setze sie bei 50 Kunden ein, so Schlereth. Fabian Fett, Betreiber eines Edeka-Marktes in Linz am Rhein, ist mit dem Konzept zufrieden. Das Parken außerhalb der Öffnungszeiten werde gut angenommen, in Linz auch von Touristen. Fett freut sich – nicht nur über die Einnahmen. „Leer stehende Parkplätze nutzen niemandem etwas“, sagt er.

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