Spielwaren: Alles für den Nachwuchs

Der Spielwarenhändler MyToys erlebt einen rasanten Wachstumskurs. Die frühzeitige Entwicklung einer eigenen Multichannel-Strategie und ein intensiver Kundendialog zahlen sich aus.

Von Martin Jahrfeld 03.05.2016

Mutter sein war gestern. Frauen, die sich im 21. Jahrhundert zu Kind und Familie berufen fühlen, müssen sich schon entscheiden, ob sie ihren Nachwuchs als „Hidden Potential Mom“, „Restart-Mutter“ oder doch eher als „Best-Friend-Mom“ auf das Leben vorbereiten wollen. Die hiesige Trend- und Lifestyleforschung hat mittlerweile ein beeindruckendes Arsenal an Etikettierungen entwickelt, um die unterschiedlichen Lebensgewohnheiten, Konsummuster und Erziehungskonzepte von Müttern zu erfassen: Von der „Tiger Mom“ asiatischen Typs, die ihre Kinder eisern auf Erfolg und Leistung trimmt, über die „Helicoptermutter“ mit ausgeprägtem Kontroll- und Überwachungsbedürfnis bis zur „Multihandling-Mutter“, die im rauen Alltag perfekt zwischen Kinderzimmer, Beruf und Partner changiert, sind viele Rollen möglich.


„Innerhalb unserer Marketingstrategie hat sich ein klarer Fokus auf unsere überwiegend weibliche Zielgruppe als zentraler Erfolgsfaktor erwiesen.“ Oliver Lederle, MyToys-Geschäftsführer und Gründer der Handelsmarke


In der Chefetage des Berliner Spielzeughändlers MyToys liest man solche Analysen sehr genau. Die exakte Kenntnis des Kundensegments ist für den Erfolg des Unternehmens unverzichtbar. Denn die Entscheidung über den Kauf von Spielzeug für die Kleinen und Kleinsten ist in Deutschland nach wie vor eine Angelegenheit von Müttern sowie in geringerem Umfang auch von Tanten, Großtanten und Omas: „Innerhalb unserer Marketingstrategie hat sich ein klarer Fokus auf unsere überwiegend weibliche Zielgruppe als zentraler Erfolgsfaktor erwiesen. Vor allem legen wir Wert auf einen partnerschaftlichen Dialog auf Augenhöhe“, erläutert MyToys-Geschäftsführer Oliver Lederle, der die Handelsmarke 1999 gegründet hat. Der Wachstumskurs, den MyToys seitdem genommen hat, ist beeindruckend. Seit dem Jahr 2000 im Mehrheitsbesitz der Otto Group, hat sich der Spielzeughändler zu einem der dynamischsten Online-Anbieter des Konzerns entwickelt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erwirtschaftete er nach einem 20-prozentigen Umsatzwachstum erstmals mehr als 500 Millionen Euro. „Der Umsatzschritt über die halbe Milliarde zeigt, dass sich das Unternehmen auf der Überholspur befindet. Unsere Überzeugung von der Zugkraft des Geschäftsmodells hat sich einmal mehr bestätigt“, freut sich Rainer Hillebrand, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der Otto Group.

Hybride Kundschaft

Vor allem der frühe und konsequente Ausbau einer eigenen Multichannel-Strategie seit 2006 dürfte der Marke in den vergangenen Jahren einen erheblichen Wettbewerbsvorteil beschert haben. In 14 stationären Filialen sowie über den Onlineshop MyToys.de verkauft der Händler im Kerngeschäft mittlerweile außer Spielzeug auch Babyausstattung, Kinderkleidung, Sportartikel, Kinderschuhe und Schwangerschaftskleidung. „Unsere Kanäle ergänzen sich positiv und bedienen nicht nur bei den Spielwaren, sondern auch bei unseren weiteren Angeboten für Mütter und junge Familien optimal den hybriden Kunden, der sowohl online als auch stationär einkauft“, glaubt Lederle. Für den Unternehmensgründer geht es mehr denn je darum, auf den permanenten Wandel im Kundenmarkt schnell zu reagieren: „Je nach Situation sucht der Kunde Inspiration, Kauferlebnis, große Auswahl, günstige Preise, schnelle Lieferung, sofortige Mitnahme und manches mehr. Wir als Händler stehen vor der Herausforderung, Kunden, ihr Verhalten und ihre Präferenzen zu kennen, um diese so stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort und auf dem richtigen Gerät mit attraktiven Angeboten zu bedienen.“

Angesichts der ebenso sprunghaften wie vielschichtigen Bedürfnisse der Kundschaft hat das Unternehmen sein Sortiment inzwischen deutlich erweitert: Seit Ende 2013 können Kunden auf der MyToys-Seite nicht nur Waren rund um das Thema Kind, sondern über die Onlinemarken Mirapodo und Ambellis auch Schuhe und Damenmode einkaufen. Schließlich sollen Mütter auch mal an sich selbst denken können. Bestell- und Zahlvorgang werden über einen gemeinsamen Warenkorb und ein gemeinsames Kundenkonto abgewickelt. Der Geschäftsführer sieht sich mit diesem breit gefächerten Angebot auf dem richtigen Weg: „Unser zentrales Ziel für 2016 ist es, genau dort weiterzumachen, wo wir 2015 aufgehört haben. Deshalb legen wir den Fokus unserer Geschäftsstrategie weiterhin konsequent auf die kauffreudige Zielgruppe der Mütter und jungen Familien“, sagt Lederle, der im Onlinegeschäft weiterhin große Dynamik erwartet. Allein im vergangenen Weihnachtsgeschäft sei diese Sparte um rund 20 Prozent und das stationäre Geschäft um 15 Prozent gewachsen, ein nach Ansicht der Geschäftsführung „großartiges Ergebnis“.

Abgrenzung gegenüber Amazon

Getragen wird diese Entwicklung nicht zuletzt von einem stabilen Gesamtmarkt. Spielwaren für die Jüngeren und Jüngsten sind deutschen Eltern lieb und teuer. Auch aufgrund stetiger Produktinnovationen und einer Digitalisierung im Kinderzimmer ist der Markt in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen (siehe Grafik). Für die MyToys-Geschäftsführung geht es ungeachtet der günstigen Rahmenbedingungen jedoch auch darum, die Wettbewerber auf Distanz zu halten. Nicht nur bekannte Marken wie Toys“R“Us, sondern auch Newcomer wie Amazon wollen auf dem lukrativen Markt mitverdienen.

„Wir versuchen uns als Spezialist auf unserem Gebiet von Generalisten wie Amazon abzuheben, beispielsweise indem wir unseren Kunden zusätzlichen Service wie Ratgeberseiten oder Expertentipps bieten. Authentizität in der Ansprache sorgt für hohes Vertrauen in der Zielgruppe und größtmögliche Kundenbindung“, glaubt Lederle. Die Strategie scheint zu verfangen: MyToys wurde von den Kunden bereits zum dritten Mal in Folge zum familienfreundlichsten Unternehmen im Segment Spielwaren/Babybedarf gewählt.

Schlagworte: Multichannel, Spielwaren, Spielwarenbranche, MyToys, Spielwarenhandel

Kommentare

Ihr Kommentar