Das Steuerschnäppchen unter den privaten Kapitalanlagen

Steuerberater Christoph Iser erklärt, wie Xetra-Gold-Inhaberverschreibungen beim Steuersparen helfen können.

Von 06.03.2019

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Spartipp: Bei Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen ist ein steuerfreier Verkauf nach einem Jahr möglich.

Wenn Gewinne aus der unternehmerischen Tätigkeit nicht ausschließlich für den Lebensunterhalt verwendet werden müssen und im Unternehmen selbst auch aktuell kein Investitionsbedarf besteht, stellt sich regelmäßig die Frage, wie mit diesen Geldern umzugehen ist. Häufig bietet sich eine Geldanlage im Privatvermögen an, deren Erträge dann allerdings meist der Abgeltungsteuer unterworfen werden müssen.
Frei nach Asterix und Obelix gefragt: Müssen alle Gewinne aus privaten Kapitalanlagen der Abgeltungsteuer unterworfen werden? Nein, nicht alle. Denn schon mit Urteil vom 12. Mai 2015 (Az. VIII R 4/15) hat der Bundesfinanzhof (BFH) entschieden, dass der Gewinn, der bei der Einlösung einer Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibung entsteht, nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zählt. Am gleichen Tag stellten die obersten Finanzrichter der Republik klar, dass auch die Veräußerung einer entsprechenden Inhaberschuldverschreibung, die einen Anspruch gegen die Emittentin auf Lieferung physischen Goldes verbrieft und den aktuellen Goldpreis abbildet, ebenfalls nicht zu den Einkünften aus Kapitalvermögen zu rechnen ist.

Steuerfreier Verkauf nach einem Jahr möglich
Daraus ergibt sich die Frage, wo entsprechende Gewinne aus dem Handel mit Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen tatsächlich zu besteuern sind. Die Antwort lautet: bei den privaten Veräußerungsgeschäften. Der Clou an der Sache ist, dass Gewinne aus der Veräußerung der Xetra-Gold- Inhaberschuldverschreibung lediglich dann besteuert werden müssen, wenn der Verkauf innerhalb von einem Jahr nach der Anschaffung stattfindet. Wird hingegen später mit Gewinn verkauft, kann dieser steuerfrei eingestrichen werden.
Es verwundert daher nicht, dass diese Regelung dem Fiskus ein Dorn im Auge ist. Das gilt umso mehr, wenn sich der Anleger innerhalb der Jahresfrist das physische Gold auszahlen lässt. Auch hier musste der Fiskus jedoch eine Pleite einstecken, denn mit Urteil vom 6. Februar 2018 (Az. IX R 33/17) hat der BFH entschieden, dass die reine Einlösung einer Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibung, indem diese auf ein Sperrkonto übertragen und das Gold in Erfüllung des Sachleistungsanspruchs ausgeliefert wird, keine Veräußerung ist. Mangels Veräußerung kann insoweit auch kein privates Veräußerungsgeschäft gegeben sein und der Vorgang ist steuerlich unbeachtlich.
Bei steigenden Goldpreisen kann daher eine Investition in Xetra-Gold-Inhaberschuldverschreibungen aus steuerlicher Sicht lohnend sein. Aktuell sollte dabei jedoch noch darauf geachtet werden, dass die Inhaberschuldverschreibung ausschließlich einen Sachleistungsanspruch verbrieft. Unter dem Aktenzeichen VIII R 7/17 muss der BFH nämlich zunächst noch klären, ob die Tatsache, dass bei einer Schuldverschreibung zwischen der Geltendmachung des Rückzahlungsanspruches in Gold oder bar gewählt werden kann, nicht doch zu Einkünften aus Kapitalvermögen führt. Dies hätte zur Folge, dass auch jenseits der Jahresfrist eine Besteuerung stattfindet. Bei einem reinen Sachleistungsanspruch ist die steuerliche Wohlbehandlung jedoch gesichert.

Der Autor
Steuerberater Christoph Iser ist Partner der Dr. Husemann & Bellgardt Wirtschaftsprüfer – Steuerberater LLP in Düsseldorf. Der Autor zahlreicher Fachpublikationen ist auch Mitglied im Steuerausschuss des Steuerberaterverbands Düsseldorf und hat das Buch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Steuertipp

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