Aufhebung des Eigenkapitalersatzrechts

Mit welchem Trick sich Anschaffungskosten trotzdem ansetzen lassen

Von Christoph Iser 29.07.2019

Dass Gesellschafter für die Bankdarlehen ihrer GmbH bürgen, geht nicht mehr so einfach.

Vor allem im Mittelstand ist es üblich, dass Gesellschafter für die Bankdarlehen ihrer GmbH bürgen. Gerät die Gesellschaft in Schieflage oder sogar in Insolvenz, ist das Geld zwar verloren. Doch konnte der Gesellschafter den Betrag bislang als nachträgliche Anschaffungskosten auf seine GmbH-Beteiligung verbuchen – und somit bei Verkauf oder Liquidation der GmbH steuermindernd verrechnen. Dies geht heute nicht mehr so einfach.

Mit der Aufhebung des sogenannten Eigenkapitalersatzrechts ist die gesetzliche Grundlage für die bisherige Rechtsprechung zur Berücksichtigung von Aufwendungen des Gesellschafters aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen als nachträgliche Anschaffungskosten entfallen. So urteilte der Bundesfinanzhof (BFH) mit Entscheidung vom

11. Juli 2017 (Az.: IX R 36/15): Aufwendungen des Gesellschafters aus seiner Inanspruchnahme als Bürge für Verbindlichkeiten der Gesellschaft führen nicht mehr zu nachträglichen Anschaffungskosten auf seine Beteiligung.

Immerhin hat der BFH eine Übergangsfrist eingeräumt: Die bisherigen Grundsätze zur Berücksichtigung von nachträglichen Anschaffungskosten aus eigenkapitalersetzenden Finanzierungshilfen sind nämlich weiter anzuwenden, wenn der Gesellschafter eine eigenkapitalersetzende Finanzierungshilfe bis zum Tag der Veröffentlichung dieses Urteils am 27. September 2017 geleistet hat oder wenn eine Finanzierungshilfe des Gesellschafters bis zu diesem Tag eigenkapitalersetzend geworden ist.

Kommt die Übergangsvorschrift nicht zum Zuge, können Betroffene den Ansatz der nachträglichen Anschaffungskosten im Fall der Fälle jedoch noch über einen Gestaltungskniff retten: Droht nämlich die Inanspruchnahme aus einer Bürgschaft zum Wohle der GmbH, kann der Gesellschafter eine Einzahlung in die Kapitalrücklage der GmbH vornehmen. Die so der Gesellschaft zugeführten Mittel können dann in einem weiteren Schritt zur Tilgung der Verbindlichkeiten genutzt werden, für die sich der Gesellschafter verbürgt hat.

Mit Blick auf den Mittelabfluss beim Gesellschafter kommt es im Falle der Bürgschaftsinanspruchnahme für den Gesellschafter wirtschaftlich zum gleichen Ergebnis. Lediglich die steuerliche Beurteilung ändert sich. Wäre es zur Bürgschaftsinanspruchnahme gekommen, hätte der Gesellschafter das Geld an die Bank zahlen müssen und könnte diesen Betrag steuerlich nicht geltend machen. Zahlt er hingegen den Betrag in die Kapitalrücklage zur Vermeidung der Bürgschaftsinanspruchnahme ein, hat der BFH mit Urteil vom 20. Juli 2018 (Az.: IX R 5/15) klargestellt, dass diese Einzahlung zu nachträglichen Anschaffungskosten auf die GmbH-Beteiligung führt. Diese sind dann bei Verkauf oder Insolvenz der GmbH steuermindernd einsetzbar.

Steuerberater Christoph Iser ist Partner der Dr. Husemann & Bellgardt Wirtschaftsprüfer Steuerberater LLP in Düsseldorf. Der Autor zahlreicher Fachpublikationen ist zudem Mitglied im Steuerausschuss des Steuerberaterverbands Düsseldorf und hat das Buch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Anschaffungskosten, Steuertipp, Eigenkapitalersatzrecht

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