Versteuerung erst bei Auszahlung

Ein Zeitwertkonto ist ein Arbeitskonto, auf das Angestellte Arbeitsentgelt oder Arbeitszeit „einzahlen“ können, um mit dem aufgebauten Wertguthaben später eine bezahlte Freistellung von der Arbeit zu finanzieren.

Von 28.02.2018

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Leider ist nicht immer klar, wann die Besteuerung stattzufinden hat. Zum Zeitpunkt der Gutschrift auf dem Zeitwertkonto oder erst bei der späteren Auszahlung während der Freistellung? Ausweislich des BMF-Schreibens vom 17. Juni 2009 lautet der Grundsatz: Erst die Auszahlung des Guthabens löst die Besteuerung aus. Ausgerechnet bei Geschäftsführern soll dieser Grundsatz jedoch nicht gelten. Hier soll bereits die Gutschrift auf dem Zeitwertkonto zum Zufluss von zu versteuerndem Arbeitslohn führen. Strittig ist allerdings, ob das richtig sein kann.

Luft für finanzverwaltung wird dünner
Schon 2016 hatte das FG Köln (Az.: 1 K 1191/12) dies verneint. Danach führen die Einzahlungen auf dem Zeitwertkonto nicht zum Zufluss von Arbeitslohn, wenn die Beträge in die von der Gesellschaft abgeschlossene Rückdeckungsversicherung eingezahlt werden und der Geschäftsführer bis zur Freistellungsphase keinen Anspruch auf Auszahlung hat. Der BFH (Az.: VI R 17/16) muss daher nun klären, ob bereits die Gutschrift künftig fällig werdenden Arbeitslohns auf dem Zeitwertkonto zum Zufluss von Arbeitslohn beim angestellten Organ einer Körperschaft führt.

Die Luft für die Finanzverwaltung wird jedoch dünner, denn mittlerweile hat der BFH in dieser Sache schon das zweite Verfahren (Az.: VI R 39/17) vorliegen. Auch in diesem Streitfall hatte sich die erste Instanz in Gestalt des Finanzgerichts Baden-Württemberg (Az.: 12 K 1044/15) gegen den Fiskus gestellt. Auch hier lautete das Urteil, dass die Gutschrift auf dem Zeitwertkonto auch beim Geschäftsführer nicht vorzeitig zu versteuern ist: Erst die Auszahlung von dem Zeitwertkonto führt zum steuerpflichtigen Arbeitslohn.

Die Richter gehen sogar noch einen Schritt weiter: Denn ihrem Urteil nach ist auch die Übertragung eines Guthabens bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses auf einen neuen Arbeitgeber nicht steuerbar. Selbst wenn das Zeitwertkonto verzinst wird, sind die nach Ablauf des Ausgleichszeitraums ausgezahlten Zinsen keine Einkünfte aus Kapitalvermögen, sondern durch das Dienstverhältnis veranlasste Einkünfte aus nicht selbstständiger Arbeit, die erst zum Zeitpunkt der Auszahlung und nicht schon im Moment der Gutschrift auf dem Konto zu versteuern sind.

Geschäftsführer, bei denen das Finanzamt schon die Gutschrift auf ihrem Zeitwertkonto versteuern möchte, sollten daher Einspruch einlegen und auf die positive Rechtsprechung sowie die anhängigen Verfahren verweisen.


Christoph Iser ist selbstständiger Steuer­berater in Düsseldorf. Er hält für namhafte deutsche Unternehmen Seminare und Vorträge über das deutsche Steuerrecht. Neben zahlreichen Publikationen in Magazinen hat er das Fachbuch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-­Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Steuertipp, Christoph Iser, Geschäftsführer, Zeitwertkonten

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