Verdeckte Gewinnausschüttung

Qualifiziert ein Betriebsprüfer einen Geschäftsvorgang in eine verdeckte Gewinnausschüttung um, sind die steuerlichen Folgen in der Regel wenig erfreulich.

Von Christoph Iser 24.07.2018

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Bereits im Jahr 2007 hatte der Bundesfinanzhof (BFH) geurteilt, dass mit der Zahlung einer verdeckten Gewinn­ausschüttung in Form einer überhöhten Vergütung an eine dem Gesellschafter nahestehende Person – beispielsweise den Ehegatten – auch eine steuerpflichtige Schenkung getätigt wird (Az.: II R 28/06). Das Problematische an der damaligen Entscheidung war jedoch der Schenkungsweg, den die Richter erkennen wollten.

Sie verneinten nämlich eine Schenkung im Verhältnis des Gesellschafters an die nahestehende Person und unterstellten eine Zuwendung vonseiten der GmbH. Damit ist für die Schenkung das Verwandtschaftsverhältnis zwischen dem Gesellschafter und der ihm nahestehenden Person irrelevant. Die steuerlichen Folgen: Es greift die teure Steuerklasse III, und es kann zudem lediglich ein Freibetrag von 20.000 Euro berücksichtigt werden. Damit ist nun jedoch Schluss: In drei aktuellen Urteilen vom 13. September 2017 (Az.: II R 54/15, II R 32/16 und II R 42/16) hat der BFH seine Meinung geändert.

Höhere Freibeträge

Ab sofort gilt die verdeckte Gewinnausschüttung an eine dem Gesellschafter nahestehende Person nicht mehr als Zuwendung der GmbH an die nahestehende Person, sofern der Gesellschafter am Abschluss der Vereinbarung zwischen der GmbH und der nahestehenden Person mitgewirkt hat. Vielmehr soll dann der Gesellschafter selbst als Schenker gelten.

Eine steuerpflichtige Schenkung ist zwar immer noch gegeben, aber es greifen nun höhere Schenkungsteuerfreibeträge. Wird beispielsweise eine überhöhte Vergütung an den Ehegatten des Gesellschafters gezahlt, greift nicht nur die günstigere Steuerklasse I, sondern es steht auch ein persönlicher Freibetrag von 500.000 Euro zur Verfügung. Sollte es sich bei der nahestehenden Person um ein Kind des Gesellschafters handeln, beträgt der Freibetrag 400.000 Euro. Im Ergebnis sind die steuerlichen Belastungen deutlich geringer.

Damit aber noch nicht genug: Der BFH lässt diese Rechtsgrundsätze auch gelten, wenn mehrere Gesellschafter beteiligt sind, von denen zumindest einer bei der Vereinbarung zwischen der GmbH und der ihm nahestehenden Person mitgewirkt hat. Selbst wenn der Gesellschafter nicht direkt, sondern nur über eine Muttergesellschaft beteiligt ist, kann er folglich den hohen persönlichen Schenkungsteuerfreibetrag nutzen.


Christoph Iser ist selbstständiger Steuer­berater in Düsseldorf. Er hält für namhafte deutsche Unternehmen Seminare und Vorträge über das deutsche Steuerrecht. Neben zahlreichen Publikationen in Magazinen hat er das Fachbuch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-­Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Serie, Steuertipp, Gewinnausschüttung, Schenkungssteuer, Schenkung

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