Steuertipp

Aktive Rechnungsabgrenzung vereinfacht

Eine Rechnungsabgrenzung dient dazu, zeitliche Differenzen zwischen Zahlungen und tatsächlichen Aufwänden oder Erträgen zu berücksichtigen.

Von Christoph Iser 08.10.2019

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Der Steuerpflichtige muss einen aktiven Rechnungsabgrenzungsposten bilden.

Werden also Zahlungen in der einen Periode geleistet, während die zugehörigen Aufwände oder Erträge in einer anderen Periode anfallen, müssen Unternehmer eine Rechnungsabgrenzung vornehmen. Dies erfolgt gemeinhin über spezielle Posten in der Bilanz, die sogenannten „Rechnungsabgrenzungsposten“.

Schon mit Urteil vom 19.1.1978 (Az.: IV R 153/72) hat der Bundesfinanzhof (BFH) in dieser gesetzlichen Regelung ein Aktivierungsgebot für Rechnungsabgrenzungsposten gesehen. Der Steuerpflichtige hat also insoweit kein Wahlrecht: Er muss einen aktiven Rechnungsabgrenzungsposten bilden.

In der Praxis ist damit für den Unternehmer häufig ein erheblicher Aufwand hinsichtlich der Abgrenzungsberechnungen für die einzelnen Positionen verbunden. Damit er nicht für jeden Kleinstbetrag einen aktiven Rechnungsabgrenzungsposten bilden muss, dürfen auf Basis des Grundsatzes der Wesentlichkeit unwesentliche Elemente bei der Bilanzierung und der Bewertung unberücksichtigt bleiben.

Dies hat der BFH bereits in einer Entscheidung vom 18.3.2010 (Az.: X R 20/9) bestätigt. Danach darf auf die Bildung von Rechnungsabgrenzungsposten verzichtet werden, wenn die abzugrenzenden Beträge von lediglich untergeordneter Bedeutung sind. Erfreulicherweise hat der BFH auch definiert, wann dies der Fall ist: Er verweist auf die Regelung zu geringwertigen Wirtschaftsgütern (GWG) und gibt vor, dass in Fällen, in denen der Wert des einzelnen Abgrenzungspostens 410 Euro (damalige GWG-Grenze) nicht übersteigt, auf eine Abgrenzung verzichtet werden kann.

In diesem Sinne hat auch das Finanzgericht Baden-Württemberg mit Urteil vom 2.3.2018 (Az.: 5 K 548/17) entschieden. Das Besondere an dieser Entscheidung: Obwohl im Streitjahr 2010 die GWG- Grenze bei 410 Euro lag, führen die Richter aus, dass immer dann ein Fall von geringer Bedeutung vorliegt, wenn die jeweils geltende Bemessungsgrenze für geringwertige Wirtschaftsgüter nicht überschritten wird. Da mittlerweile die GWG-Grenze auf 800 Euro erhöht wurde, kann folglich bis zu dieser Summe je Position auf eine aktive Rechnungsabgrenzung verzichtet werden.

Wohl gemerkt: „kann“. Wer beispielsweise aus steuerlichen Überlegungen (Stichwort: Gewinnverschiebungen) eine Rechnungsabgrenzung auch unterhalb der GWG-Grenze von 800 Euro durchführen möchte, ist weiterhin dazu berechtigt. Besonderes Schmankerl: Der BFH hat den Revisionsantrag (Az.: X R 14/18) des Finanzamtes als unzulässig verworfen. Steuerpflichtige sollten daher uneingeschränkt von dem Urteil profitieren können.

Steuerberater Christoph Iser ist Partner der Dr. Husemann & Bellgardt Wirtschaftsprüfer –­ Steuerberater LLP in Düsseldorf. Der Autor zahlreicher Fachpublikationen ist zudem Mitglied im Steuerausschuss des Steuerberaterverbands Düsseldorf und hat das Buch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-Poeschel) veröffentlicht.

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