Geldwerten Vorteil mindern

Zahlreiche Arbeitnehmer erhalten in Deutschland neben dem Barlohn auch zu versteuernde Sachbezüge. Nicht selten ist dies ein Firmenwagen, den der Arbeitnehmer auch für private Zwecke nutzen darf.

Von Christoph Iser 22.08.2017

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Obwohl es sich dabei um ein beliebtes Modell handelt, waren bisher auch Nachteile damit verbunden. So konnte beispielsweise der Mitarbeiter privat getragene Kraftstoffkosten, trotz Versteuerung eines geldwerten Vorteils für die Privatnutzung des Fahrzeugs, nicht steuerlich berücksichtigen. Auf der anderen Seite kann es nicht Sache des Arbeitgebers sein, dass er für seinen Mitarbeiter hohe Kraftstoffkosten übernimmt, wenn dieser den Firmenwagen für private Urlaubsreisen nutzt.

Gegen den Widerstand der Finanzverwaltung hat der Bundesfinanzhof (BFH) in zwei aktuellen Urteilen die steuerliche Berücksichtigung von durch den Arbeitnehmer getragenen Kraftstoffkosten ermöglicht: Unter dem Aktenzeichen VI R 2/15 stellt der BFH klar, dass die Übernahme von Kraftstoffkosten den Wert des geldwerten Vorteils bei Anwendung der Einprozentregelung vermindert. Ebenso kommt es zu einer Minderung des geldwerten Vorteils, wenn dieser mittels Fahrtenbuchmethode (Az.: VI R 49/14) errechnet wird.

Im Ergebnis muss der Arbeitgeber nicht mehr über die Maßen belastet werden, nur weil der Arbeitnehmer den Firmenwagen auch zur Europarundreise mit der Familie oder für anderweitige kilometerträchtige Privataktivitäten nutzt. Dabei führen die Entscheidungen sogar zu einer Win-win-Situation. Der Mitarbeiter trägt nun zwar (einen Teil) seiner privat veranlassten Kfz-Kosten, kann diese Belastung aber abmildern, weil die dadurch bedingte Minderung des geldwerten Vorteils auch die Lohnsteuer und die Sozialversicherung senkt. In Form des Arbeitgebersozialversicherungsanteils spart der Chef (neben den privaten Kfz-Kosten des Arbeitnehmers) insoweit auch an seinem Obolus zur Sozialversicherung.

Alles in allem ist die Minderung des geldwerten Vorteils nicht auf die Übernahme von Kraftstoffkosten oder anderen individuellen Kfz-Kosten begrenzt. Auch pauschale Zuzahlungen für die Privatnutzung – vollkommen unabhängig davon, ob ein bestimmter Betrag je Privatkilometer oder ein monatlich gleichbleibender Betrag gezahlt wird – mindern den geldwerten Vorteil aus der Kfz-Überlassung.

Last, not least ist auch eine Zuzahlung des Mitarbeiters zu den Anschaffungskosten des Fahrzeugs denkbar. Auch diese würde zu einer Minderung des geldwerten Vorteils im Zahlungsjahr führen. Ist die Zuzahlung höher als der geldwerte Vorteil in diesem Jahr, kann der Restbetrag sogar noch in Folgejahren mindernd angesetzt werden.

Unter dem Strich sind mit der neuen Rechtsprechung zahlreiche steuerliche Möglichkeiten gegeben, die finanzielle Belastung, die ein Firmenwagen mit sich bringt, den der Mitarbeiter über weite Strecken privat nutzt, auch auf diesen zu übertragen.


Christoph Iser ist selbstständiger Steuerberater in Düsseldorf. Er hält für namhafte deutsche Unternehmen Seminare und Vorträge über das deutsche Steuerrecht. Neben zahlreichen Publikationen in Magazinen hat er das Fachbuch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-­Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Geldwerter Vorteil, Steuertipp, Firmenwagen

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