Fiskus erkennt Forderungsausfälle an

Wer bisher den Ausfall eines privaten Darlehens zu beklagen hatte, konnte diesen Verlust steuerlich nicht mindernd einsetzten. Ein solcher Verlust wurde vom Fiskus schlicht als „Privatvergnügen“ verbucht. Diese Einschätzung ändert sich jedoch gerade in der Rechtsprechung.

Von 16.10.2018

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Aufgrund des Urteils des Bundesfinanzhofs vom 24. Oktober 2017 (Az.: VIII R 13/15) führt nämlich der endgültige Ausfall einer Kapitalforderung nach Einführung der Abgeltungsteuer im Jahre 2009 zu einem steuerlich anzuerkennenden Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen.

Im Urteilsfall gewährte der Kläger einem Dritten ein verzinsliches Darlehen. Schließlich wurde über das Vermögen des Darlehensnehmers das Insolvenzverfahren eröffnet. Der Kläger meldete die noch offene Darlehensforderung zur Insolvenztabelle an und machte den Ausfall der Darlehensforderung als Verlust bei den Einkünften aus Kapitalvermögen geltend.

Wie in der Vergangenheit üblich, lehnten Finanzamt und Finanzgericht die Berücksichtigung des Verlustes ab. Der BFH argumentiert jedoch: Mit der Einführung der Abgeltungsteuer soll eine vollständige steuerrechtliche Erfassung aller Wertveränderungen im Zusammenhang mit Kapitalanlagen erreicht werden, daher wird die traditionelle Trennung von Vermögens- und Ertragsebene bei den Einkünften aus Kapitalvermögen aufgegeben.

Allerdings ist von einem Forderungsausfall erst dann auszugehen, wenn endgültig feststeht, dass keine weiteren Rückzahlungen mehr erfolgen werden. Die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen des Schuldners reicht dafür in der Regel nicht aus. Etwas anderes gilt, wenn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens mangels Masse abgelehnt wird oder aus anderen Gründen feststeht, dass keine Rückzahlung mehr zu erwarten ist.

Gültigkeit bei Forderungsverzicht offen
Inwieweit diese Grundsätze auch für einen Forderungsverzicht oder etwa den Verlust aus der Auflösung einer Kapitalgesellschaft gelten, hatte der BFH nicht zu entscheiden. Auch in diesem Bereich dürfte jedoch die mit der Abgeltungsteuer eingeführte Quellenbesteuerung die traditionelle Beurteilung von Verlusten beeinflussen.

Im Nachgang zu dieser höchstrichterlichen Rechtsprechung hat mittlerweile auch das Finanzgericht Münster mit Urteil vom 12. März 2018 (Az.: 2 K 3127/15 E) entschieden, dass der endgültige Ausfall einer Darlehensforderung eines GmbH-Gesellschafters an die GmbH auch zu einem Verlust bei den Einkünften aus Kapitaleinkünften führt. Betroffene sollten daher genau prüfen, ob ein erlittener Verlust nicht wenigstens noch steuermindernd einsetzbar ist.


Steuerberater Christoph Iser ist Partner der Dr. Husemann & Bellgardt Wirtschaftsprüfer – Steuerberater LLP in Düsseldorf. Der Autor zahlreicher Fachpublikationen ist auch Mitglied im Steuerausschuss des Steuerberaterverbands Düsseldorf und hat das Buch „Steuerrecht in Fragen und Antworten“ (Schäffer-Poeschel) veröffentlicht.

Schlagworte: Steuertipp, Serie, Forderungsausfälle

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