Kassensicherung

Das müssen Händler wissen

Der Countdown läuft und viele Händler stehen vor einer Herausforderung namens Kassensicherungsverordnung, kurz KassenSichV. Irrtümer bezüglich der neuen Rechtsprechung sorgen bei Einzelhändlern für Unsicherheit.

Von Tim Seithe 02.10.2019

© Robert Kneschke/Adobe Stock

Kassensicherung? Eine neue Verordnung bringt einige Veränderungen für die Händler.

Im Mittelpunkt der Diskussionen: Das Signieren, speichern und Archivieren mittels Technischer Sicherheitseinrichtung per Hardware oder Cloud-Lösung. Tim Seithe, CEO von Tillhub, weiß, worauf es ab Januar ankommt. Er klärt im Gastbeitrag über die größten Irrtümer rund um die KassenSichV auf:

1. Die Fiskalisierung beginnt jetzt!

Falsch, denn der deutsche Handel ist Nachzügler. Die Fiskalisierung hat weltweit schon längst begonnen, nur hierzulande hat man sich Zeit gelassen. Spätestens seit 2015 wurde das Unterfangen „Fiskalisierung“ mit einer Verschärfung der ordnungsgemäßen Buchführung angegangen. Der Kern davon ist die Einzelaufzeichnungspflicht, das bedeutet, dass alle Geschäftsvorgänge und Umsatzdaten einzeln aufgeführt und einheitlich gespeichert werden müssen. Konkretisiert wurde das durch den Beschluss der KassenSichV (2017), die die präzise Aufbewahrung aller Umsatzdaten und die Einführung einer technischen Sicherheitseinrichtung (TSE), verlangt und Anfang 2020 in Kraft tritt.

2. KassenSichV dient „nur“ der Transparenz

Zwar ist die Transparenz einer der Gründe hinsichtlich der Einführung der KassenSichV, der Hauptgrund ist aber offensichtlich das Thema Umsatzsteuerbetrug. Jedes Jahr gehen dem Staat aufgrund von bewusst manipulierten Kassensystemen Milliarden von Euro verloren, so das Bundesamt für Finanzen. Die neue Rechtsprechung hat folglich auch eine Überwachungsfunktion.

3. Alle Händler brauchen ab Januar neue Kassensysteme

Abgesehen von einer kurzen Übergangsfrist, müssen spätestens nach dem 31.12.2022 alle Händler ein Kassensystem mit TSE-Anbindung besitzen. Diese Ausnahme greift aber nur, wenn die bisherige Registrierkasse nach dem 25.11.2010 angeschafft wurde und damals den Anforderungen des Finanzamtes von 2010 entsprochen hat. Ansonsten muss ab dem 01.01.2020 ein neues Kassensystem angeschafft oder umgerüstet werden.

4. Nicht alle Händler benötigen eine Kasse mit TSE-Anbindung

Jahrmarkt-Aussteller und Kiosk-Betreiber wähnen sich in Sicherheit und hoffen beim Einsatz einer technischen Sicherheitseinrichtung außen vor zu sein – falsch gedacht. Jeder Händler, vom Tante-Emma-Laden bis hin zur Einzelhandelskette, muss an jedem POS in der Lage sein, alle Geschäftsvorfälle eindeutig signieren zu können – und damit überall eine TSE verwenden.

5. Der Staat übernimmt die Kosten für die TSE

Eine staatliche Subventionierung ist nicht vorgesehen, Händler und Software-Anbieter stehen vor hohen Mehrkosten in der Umrüstung mit einer TSE. Neben einer neuen Hardware müssen auch die Kassensysteme aktualisiert werden, was für hohen Aufwand bei allen Beteiligten sorgt. Eine kostengünstige Alternative ist die Umsetzung einer TSE via Cloud. Über eine Schnittstelle zum Internet liegt es lediglich an den Software-Anbietern hier die Rahmenbedingungen zu liefern, um Geschäftsvorfälle eindeutig und nachvollziehbar zu signieren sowie zu archivieren.

6. Nicht alle Kassen müssen beim Finanzamt gemeldet werden

Auch hier ein Irrglaube: Ab dem 01.01.2020 müssen alle Kassen beim Finanzamt gemeldet werden. Das betrifft zudem alle Point-of-Sales-Systeme (POS) eines Geschäfts, also auch Zweit- und Drittkassen. Sollten hier Fahrlässigkeiten auffallen, ist das ein Straftatbestand.

7. Steuerprüfer müssen sich ankündigen

Seit 2018 steht der Beschluss bereits: unangekündigte Prüfungen der ordnungsgemäßen Buchführung sind erlaubt! Jederzeit steht es Steuerprüfern offen eine Kassennachschau vorzunehmen. Im Zuge der KassenSichV könnte das künftig bedeuten, dass sie ein Ladengeschäft besuchen, das Kundenaufkommen beobachten, stichprobenartig Waren einkaufen und einen Auszug der Buchführung anfordern. In Österreich nutzen Steuerprüfer zum Beispiel eine App und können anhand eines Kaufes und dem aufgedruckten QR-Code fehlerhafte Abrechnung identifizieren.       

Tillhub ist eine All-in-One-iPad-Kassenlösung für Dienstleister und Einzelhändler. Das Kassensystem ermöglicht es via App, Mitarbeiter und Kunden zu organisieren, den Verkauf in Echtzeit zu analysieren und Berichte für das Finanzamt zu erstellen.

Schlagworte: Kasse, Kassensystem, Recht

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