Steuertipp

Wann der heimische Arbeitsplatz als Arbeitszimmer gilt

Sofern es möglich ist, arbeitet Deutschland während der Corona-Pandemie aus dem Home Office. Grundsätzlich sind allerdings Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung nicht abzugsfähig.

09.08.2020

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Arbeitnehmer sollten sich die Abkommandierung ins Home Office vom Chef bescheinigen lassen.

Sofern es möglich ist, arbeitet Deutschland während der Corona-Pandemie aus dem Home Office. Grundsätzlich sind allerdings Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer sowie die Kosten der Ausstattung nicht abzugsfähig. Dies gilt lediglich nur dann nicht, wenn für die betriebliche oder berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Arbeitnehmer sollten sich daher die Abkommandierung ins Home Office vom Chef bescheinigen lassen. Unternehmer wiederum sollten dokumentieren, dass der Arbeitsplatz im Betrieb nicht genutzt werden kann. In diesen Fällen können Aufwendungen bis zu 1.250 Euro für das Home Office in Ansatz gebracht werden. Ist das Arbeitszimmer der Mittelpunkt der gesamten betrieblichen und beruflichen Betätigung, können die Aufwendungen sogar unbegrenzt steuermindernd abgezogen werden.

Zeitweise Umwidmung möglich

Grundvoraussetzung ist jedoch, dass tatsächlich ein häusliches Arbeitszimmer im Sinne des Gesetzgebers vorhanden ist. Laut geltender Rechtsprechung ist darunter ein Raum zu verstehen, der ausschließlich oder nahezu ausschließlich für betriebliche oder berufliche Zwecke genutzt wird. Der Große Senat des Bundesfinanzhofs hat in seiner Entscheidung vom 27. Juli 2015 (Az.: GrS 1/14) lediglich eine private Mitbenutzung von weniger als zehn Prozent als akzeptabel angesehen.

Wer also sein Home Office im Gästezimmer, Hobbyraum, in einem Durchgangszimmer oder in einem auf andere Weise mitgenutzten Raum (Stichwort Arbeitsecke) aufgeschlagen hat, kann keine Kosten für das häusliche Arbeitszimmer absetzen. Um dennoch in den Genuss eines steuermindernden Abzugs zu kommen, muss der ansonsten privat (mit-)genutzte Raum (zeitweise) umgewidmet werden. Aus dem Gästezimmer kann also ein häusliches Arbeitszimmer entstehen, wenn Gästecouch und ähnliches Mobiliar herausgeräumt werden. Damit dies später noch nachvollzogen werden kann, empfiehlt sich eine Dokumentation mittels Foto.

Einzelunternehmer oder Mitunternehmer einer Personengesellschaft, die im Eigentum leben, müssen zusätzlich noch die Frage des Betriebsvermögens im Blick haben. Wird nämlich ein Raum überwiegend betrieblich genutzt, handelt es sich um ein notwendiges Betriebsvermögen. Das häusliche Arbeitszimmer ist dann steuerverstrickt.

Um Betriebsvermögen zu vermeiden, kann § 8 EStDV helfen. Danach brauchen eigenbetrieblich genutzte Grundstücksteile nicht als Betriebsvermögen behandelt zu werden, wenn ihr Wert nicht mehr als ein Fünftel des gemeinen Werts des gesamten Grundstücks und nicht mehr 20.500 Euro beträgt. Wird nur eine dieser Grenzen überschritten, liegt ein Betriebsvermögen vor.

Zusätzliche Krux daran: Auch beim Betriebsvermögen müssen die grundsätzlichen Abzugsvoraussetzungen beachtet werden. Dies bedeutet, dass aufgrund der überwiegenden betrieblichen Nutzung das Arbeitszimmer zum Betriebsvermögen gerechnet werden muss, mangels einer nahezu ausschließlichen betrieblichen Nutzung jedoch keinerlei Kosten steuermindernd berücksichtigt werden können. Sofern möglich, ist daher die Auswahl eines geeigneten Raums für das Arbeitszimmer von signifikanter steuerlicher Relevanz.

Steuerberater Christoph Iser ist Partner bei Dr. Husemann, Bellgardt & Partner mbB, Wirtschaftsprüfer und Steuer­berater in Düsseldorf. Der Autor zahl­reicher Fachpublikationen ist auf die Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen spezialisiert.

Schlagworte: Arbeitszimmer, Steuern

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