Abgeltungsteuer

Von Darlehen zwischen nahestehenden Personen profitieren

Vor allem mittelständische Händler, die als Einzelunternehmer oder im Rahmen einer Personengesellschaft tätig sind, können mittels Darlehensverträgen mit nahestehenden Personen einen Steuervorteil im Familienverbund erreichen. Grund dafür ist die Abgeltungsteuer.

Von Christoph Iser 13.03.2020

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Um den Steuervorteil zu verstehen, ist es hilfreich, beide Vertragsparteien gesondert zu betrachten.

Vor allem mittelständische Händler, die als Einzelunternehmer oder im Rahmen einer Personengesellschaft tätig sind, können mittels Darlehensverträgen mit nahestehenden Personen einen Steuervorteil im Familienverbund erreichen. Grund dafür ist die Abgeltungsteuer.

Um den Steuervorteil zu verstehen, ist es hilfreich, beide Vertragsparteien gesondert zu betrachten. Der Unternehmer, der ein entsprechendes Darlehen von einem Angehörigen aufnimmt, kann die dafür gezahlten Schuldzinsen regelmäßig als Betriebsausgaben absetzen. Voraussetzung dafür ist im Wesentlichen, dass die getroffenen Darlehensvereinbarungen einem Fremdvergleich standhalten, also dem entsprechen, was der Darlehensnehmer auch mit einem fremden Dritten vereinbart hätte. Ist diese Formalie jedoch erfüllt, gelingt auch der Betriebs-​ausgabenabzug. Die Folge: Die Schuldzinsen mindern das Steueraufkommen des Unternehmers oder Mitunternehmers in Höhe seines persönlichen Steuersatzes.

Die Zinseinnahmen auf der anderen Seite werden dabei regelmäßig mit dem 25-prozentigen Abgeltungsteuersatz besteuert. Sofern daher der persönliche Steuersatz des Unternehmers über besagten 25 Prozent liegt, entsteht insoweit im Familienverbund ein Steuervorteil. Zwar sieht das Einkommensteuergesetz vor, dass die Abgeltungsteuer nicht angewendet werden darf, wenn Gläubiger und Schuldner einander nahestehende Personen sind und die Schuldzinsen als Betriebsausgaben oder Werbungskosten abgezogen werden. Insoweit hat der Bundesfinanzhof (BFH) allerdings schon in zahlreichen Urteilen aus dem Jahre 2014 (zum Beispiel Az.: VIII R 9/13 und andere) klargestellt, dass die gesetzliche Regelung aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht greift, sofern Gläubiger und Schuldner frei entscheiden können und insoweit kein beherrschender Einfluss besteht.

In der überwiegenden Vielzahl der Fälle wird diese Voraussetzung gegeben sein, sodass der sogenannte Gesamtbelastungsvorteil aus der Differenz zwischen persönlichem Steuersatz des Unternehmers und dem Abgeltungssteuersatz eingestrichen werden kann. Mit Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 18. Januar 2016 hat auch die Finanzverwaltung die Auffassung der BFH-Entscheidung anerkannt.

Unter den genannten Voraussetzungen bieten sich daher in der Praxis entsprechende Darlehensgestaltungen an. Folgendes Beispiel verdeutlicht den positiven Effekt: Ein Ehepartner gewährt seinem Einzelunternehmer-Ehepartner ein Darlehen für sein Unternehmen und die Eheleute werden gemeinsam zu einem Steuersatz von 40 Prozent veranlagt. Auch im Falle einer solchen Zusammenveranlagung der Eheleute mindern die gezahlten Schuldzinsen beim Unternehmer-Ehegatten die Steuer um 40 Prozent, während der darlehensgebende Ehegatte die Zinsen nur mit 25 Prozent zu besteuern hat. Der Gesamtbelastungsvorteil von 15 Prozent kann eingestrichen werden. ●

Steuerberater Christoph Iser ist Partner bei Dr. Husemann, Bellgardt & Partner mbB, Wirtschaftsprüfer und Steuer­berater in Düsseldorf. Der Autor zahl­reicher Fachpublikationen ist auf die Beratung von kleinen und mittelständischen Unternehmen spezialisiert.

Schlagworte: Steuertipp

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