Vorlieben fördern

Jeder arbeitet besser, wenn seine Aufgaben den eigenen Neigungen und Talenten entsprechen. Diese Alltagsweisheit im Team umzusetzen, steigert das Engagement von Mitarbeitern.

Von Ruth Lemmer 15.02.2019

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Jedes Mitglied eines Teams angemessen zu fördern, ist eine Herausforderung.

Ein Bewegungsjunkie, der stundenlang an der Kasse sitzen muss, wird früher oder später unruhig – und das spüren im schlechtesten Fall auch seine Kunden. Dagegen kann ein Tüftler sich gut in der Planung verwirklichen, gleich, ob im Küchenstudio oder im Elektronikshop. Kontaktscheue Menschen wiederum werden im Telefonverkauf kaum reüssieren.
Um sie richtig und effektiv einzusetzen, ist es also notwendig, nicht nur die Qualifikationen und Qualitäten seiner Mitarbeiter zu kennen, sondern auch ihre persönlichen Eigenarten und Vorlieben. Im Sportgeschäft gehört die Wasserratte in die Abteilung mit den Schwimmwaren und der Jogger in jene mit den Laufprodukten. Auch, welche Fremdsprache Beschäftigte sprechen, sollten Chef und Kollegen wissen, um den Kunden zum passenden Ansprechpartner zu leiten.
Je mehr die Vorgesetzten über die Neigungen und Talente ihrer Mitarbeiter wissen, desto runder läuft das Geschäft. Angestellte, die weniger dürfen als sie können, steigen innerlich aus. Auch wer sich ständig überfordert fühlt, leistet weniger. Reibungsverluste senken Umsatz und Gewinn. Zu analysieren, welcher Verkäufer, Büromitarbeiter oder Lagerist welche Aufgaben gerne erfüllt, ist kein Hexenwerk. Gespräche helfen.
Spielräume eröffnen
Führen heißt Interesse zeigen – am Gesamterfolg wie am Erfolg des Einzelnen. Der eine engagiert sich besonders, wenn er Entscheidungsspielräume hat. Der andere fühlt sich sicher, wenn der Teamleiter ihm kleine Aufgabenpakete übergibt. Weil die Arbeit getan werden muss, kann der Chef morgens dem Mitarbeiter mit der Vorliebe für die eigene Zeiteinteilung sagen, heute stehen drei Dinge auf dem Plan: Waren bestellen, Regale auffüllen, Aktionen plakatieren. Er wird schon die richtige Reihenfolge finden. Dem Unselbstständigen gibt der Teamleiter die Arbeitsschritte vor.
Wer jetzt stöhnt, sollte sich diesen emotionalen Ausbruch gönnen, dann aber doch einsehen, dass individuelles Führen die beste Basis für den erfolgreichen Mitarbeitereinsatz ist. Und: Angestellte, die wissen, dass ihre Wünsche, wenn möglich, beachtet werden, engagieren sich auch, wenn sie bisweilen Aufgaben erledigen müssen, die sie eigentlich zum Naserümpfen finden.

„Kunst der Individualisierung“

Wie können Führungskräfte dafür sorgen, dass Mitarbeiter gerne gute Leistung bringen?
Führen heißt sehen, fragen und zuhören. Was brauchst du von mir als Chef, um gut und erfolgreich arbeiten zu können? So kann ein Führungsgespräch starten. Chefs müssen sich klarmachen, dass Mitarbeiter in Sachen Führung kluge Berater sind, die am besten wissen, welche Art von Führung sie benötigen, um ihren Job gut zu machen.

 

Das mag bei neuen Mitarbeitern wirken. Aber wie reagieren langjährige Beschäftigte, die bisher nur Ansagen gewohnt waren?
Ich kann jeden Tag mit einem neuen weißen Blatt beginnen. Es muss kein Überfall werden. Der Führende kann ankündigen, dass er am nächsten Tag oder nächste Woche mit seinen Mitarbeitern über ihre Erwartungen sprechen möchte. Die Gespräche müssen dann aber auch Folgen haben. Was möglich ist, wird umgesetzt. Geht etwas nicht, gilt es zu begründen, warum es nicht machbar ist.

 

Und wenn Mitarbeiter signalisieren, dass der Chef der Bremser ist?
Die Mitarbeiter müssen spüren, dass ihre Hinweise nicht gegen sie verwandt werden. Die Erwartungen sind unterschiedlich, aber Aufmerksamkeit erlebt jeder erst einmal grundsätzlich als positiv. Und da in Zukunft das Ergebnis zählt und nicht mehr der Ablauf, ist der jeweilige Aufgabenkatalog daran zu messen. Führung ist die Kunst der Individualisierung und die Fähigkeit, bei Mitarbeitern Bestleistung zu fördern.

Schlagworte: Mitarbeitermotivation, Mitarbeiter, Personal

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