Schwungvoller Karrierestart

Ausbilder sind gefordert. Denn die raren Nachwuchskräfte sind anspruchsvoll. Über die Azubi-Recruiting-Trends 2018.

Von Ruth Lemmer 02.10.2018

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H-Milch ins Kühlregal gepackt. Jeanshosen ordentlich gestapelt, aber nicht nach Größen sortiert. Farbpatronen trotz Aufforderung nicht nachbestellt. So manchem Chef geht der Hut hoch, wenn der Auszubildende weder zuhört noch mitdenkt. Aber der Ausbilder sollte freundlich-sachlich den Fehler benennen. Immer wieder. Denn nicht alle jungen Leute nehmen die Lernkurve gleich gekonnt. Aber alle wollen respektvoll behandelt werden. Sonst sind sie schnell weg. Das sagt der Nachwuchs in der Studie „Azubi-Recruiting Trends 2018“.

Die Zahlen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) sprechen eine klare Sprache: In den Hauptausbildungsberufen des deutschen Einzelhandels steigt die Zahl der Vertragsauflösungen durch Azubis. Mit rund 8.200 Auflösungen und einer Quote von rund 25 Prozent liegen die Kaufmänner und -frauen im Einzelhandel bei den jüngsten Veröffentlichungen im Durchschnitt. Unter den Verkäufern und Verkäuferinnen wurden fast 10.000 gelöste Verträge gezählt, die Quote beträgt dort rund 35 Prozent. Ob die jungen Menschen den Beruf im Einzelhandel ganz an den Nagel hängten oder lediglich Arbeitgeber und Geschäft wechselten, erfasst das BIBB nicht.

Manchmal passt es einfach nicht. Aber oft genug könnten Ausbilder die Situation retten, wenn sie die jungen Menschen ernst nehmen. Auszubildende suchen Sicherheit bei den Erwachsenen, von denen sie lernen sollen und wollen – auch für die Abschlussprüfung. Sie wünschen sich geregelte Freizeit, ÖPNV-Anschluss und sie wollen stolz sein auf ihren Beruf. Doch da hakt es: Das Image eines Verkäufers ordnen knapp 80 Prozent der Befragten als „eher gering“ oder gar als „gering“ ein. Genau dagegen können Ausbilder angehen: mit spannenden Aufgaben. Azubis steuern einen Tag im Monat den Laden oder stemmen eine Produktaktion im Web. Und die leidigen Berichtshefte lassen sich auch auf Online führen – das erleichtert die Kontrolle und schafft Zeit, über die Lernerlebnisse zu reden. Denn Zuwendung führt in der Regel zu besseren Ergebnissen als Strenge.


„Initiative zulassen“

Drei Fragen an Christoph Beck: Der Professor an der Hochschule Koblenz begleitet die Studie „Azubi-Recruiting Trends“ seit 2016 wissenschaftlich.

Was wünschen sich Auszubildende am dringendsten von ihren Ausbildern?
Auszubildende wünschen sich von Ihren Ausbildern eine kompetente Einweisung, die Möglichkeit, jederzeit Fragen zu stellen, sowie Initiative und Engagement zeigen zu dürfen.

Wie können Einzelhändler an ihrem Image als Ausbilder polieren?
Zunächst einmal sollte die Branche deutlich machen, dass die Berufsbilder im Handel mehr umfassen als an der Scanner-Kassen zu sitzen oder Regale einzuräumen und eine Ausbildung der Beginn und nicht das Ende des Berufslebens darstellt. Konkret heißt dies, über die Perspektiven und Möglichkeiten in einer hoch dynamischen Branche aufzuklären. Und wenn man dann noch die Mitarbeiter gut behandelt und bezahlt, dann klappt es auch mit einer Imageverbesserung.

Wie fit sind Auszubildende, die mit dem Smartphone aufgewachsen sind, im Umgang mit digitaler Technik?
Überwiegend sind sie gegenüber der Digitalisierung sehr aufgeschlossen und verfügen über gute Anwenderkenntnisse – aber viel mehr auch nicht. Sie sind zumeist in der Lage eine Vielzahl von Informationen zu priorisieren und zu selektieren, können virtuos auf unterschiedlichen Plattformen und mit verschiedenen Apps kommunizieren, besitzen aber selten Programmierkenntnisse und haben kaum Erfahrung mit dem Transfer größerer Datenmengen.

Schlagworte: Serie, Studie, Recruiting Trends, Personalpraxis, Auszubildende

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