Digitale Vorbildung

Diesen Sommer ist der neue Ausbildungsberuf Kaufmann/-frau im E-Commerce gestartet. Welche digitalen Kompetenzen bringt der Nachwuchs im Einzelhandel bereits mit in die Ausbildung? Eine Auswertung der aktuellen Studie “Azubi-Recruiting Trends 2018″ erlaubt Einblicke.

12.11.2018

© Tyler Olson / Stock Adobe

Die Generation der Digital Natives ist mit dem Internet aufgewachsen und kann dementsprechend problemlos mit Kommunikationstools und Suchmaschinen umgehen. Über 92 Prozent nutzen bei Bedarf Suchmaschinen für Recherchen, 95 Prozent der Jugendlichen sind mit den gängigen Kommunikationstools vertraut und nutzen Chats, Mails und soziale Netzwerke mindestens gelegentlich. 68 Prozent der Befragten nutzen bereits häufig oder sehr häufig Angebote wie Onlinebanking und Onlineshopping.

Damit liegen die Befragten knapp über dem branchenübergreifenden Durchschnitt von 66 Prozent. Weitere 14 Prozent nutzen die Angebote gelegentlich. Überraschend ist, dass 15 Prozent des Handelsnachwuchses mindestens eine Programmiersprache beherrschen. Gerade mal sieben Prozent der Ausbildungsverantwortlichen der Branche traut den eigenen Auszubildenden das zu.

Das ist nicht der einzige Aspekt, bei dem die Selbstwahrnehmung von Azubi-Bewerbern und die Wahrnehmung der Ausbildungsverantwortlichen auseinanderliegen, so die Studienautoren. Von Januar bis März 2018 nahmen an der jährlich deutschlandweit von u-form Testsysteme durchgeführten doppelperspektivischen Befragung 4.303 Azubi-Bewerber sowie Auszubildende und 1.234 Ausbildungsverantwortliche teil. Professor Christoph Beck (Hochschule Koblenz) hat die Studie wissenschaftlich begleitet. Die Azubi-App Talent Hero von meinestadt.de ist Partner der Studie und hat für die Handelsbranche die Studienergebnisse von 111 Ausbildungsverantwortlichen und 241 Azubis ausgewertet.

Rund 80 Prozent der teilnehmenden Azubis geben an, zuverlässig die Vertrauenswürdigkeit von Onlinequellen einschätzen zu können. Von den Ausbildern traut nur ein Drittel das den Jugendlichen zu. Knapp 60 Prozent der Befragten kontrolliert nach eigenen Angaben regelmäßig die Sicherheitseinstellungen in sozialen Netzwerken und weiß genau, wer die eigenen Posts und Nachrichten lesen kann. Ein weiteres Viertel kümmert sich immerhin ab und zu um solche Dinge. Auch mit diesen Werten liegt der Azubi-Nachwuchs im Handel über dem Branchendurchschnitt. Nur 22 Prozent der Ausbildungsverantwortlichen glauben hingegen, dass Azubis im Handel regelmäßig ihre Sicherheitseinstellungen in sozialen Medien kontrollieren.

Großer Nachholbedarf
Die große Mehrheit der befragten Ausbildungsverantwortlichen zieht in einem Freitextfeld eine gemischte oder negative Bilanz hinsichtlich des Umgangs mit digitalen Technologien in ihrem Ausbildungsbetrieb. Hier fallen Begriffe wie „zurückhaltend“, „ausbaufähig“, „abwartend“ oder sogar „hinterher“, „analog“ und „Steinzeit“. Zwei Drittel der Azubis sehen die Lage hingegen weniger kritisch und beschreiben den Digitalisierungsgrad ihres Ausbildungsbetriebs mit „fortschrittlich“, „modern“ oder „bemüht“. Unter den kritischen Azubis finden sich dagegen ebenfalls deutliche Worte wie „rückständig“, „hinterweltlich“ oder „prähistorisch“.

Wenig überraschend ist, dass die junge Generation, die jetzt in die berufliche Ausbildung startet oder bereits gestartet ist, sich im alltäglichen Umgang mit dem Internet auskennt. Whatsappen, Tickets buchen oder mal eben etwas googeln sind gar kein Problem. Keine Frage: Der Azubi-Nachwuchs im Handel bringt ein vom Alltag geprägtes digitales Mindset mit. Doch kann er vermutlich auch noch mehr: Entgegen den Erwartungen sind sie verantwortungsbewusste Surfer und wissen genau, dass nicht jede Webseite eine seriöse Informationsquelle ist. Einige der Studienteilnehmer können sogar programmieren.

„Das sind gute Nachrichten für den Handel, denn hier schlummern bisher unbekannte Potenziale. Jetzt gilt es, diese durch gezielte Ansprache von Digitaltalenten mit Interesse am Handel zu finden, zu erkennen und in der Ausbildung gezielt zu fördern“, sagt Katja Haack, Head of TalentHero bei meinestadt.de.

Schlagworte: Ausbildung, Azubis, Kauffrau im E-Commerce, Kaufmann im E-Commerce, Recruiting, Studie

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