Personal

Achtungserfolg

Leistung muss sich lohnen. Darum trägt die Überweisung am Monats­ende auf jeden Fall zur Motivation bei. Eine ­weichere ­Währung, aber nicht minder an­spornend, ist die Aufmerk­samkeit, die ein Vorgesetzter seinem Mitarbeiter schenkt.

Von Ruth Lemmer 10.09.2019

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Für gute Vorgesetzte gilt: Würdigung der Mitarbeiter nicht vergessen.

Schon ewig hält sich in deutschen Unternehmen die Faustregel: „Nicht geschimpft ist genug gelobt.“ Dabei lässt sich mittels offener Anerkennung guter Leistungen zu noch besseren motivieren. Dabei sollte sich der Lobende an die Regeln halten, die er aus der eigenen Schulzeit kennt: Das Lob muss nah am Ereignis und nachvollziehbar sein. Ob der Azubi die Getränkedosen exakt zu einer Pyramide stapelt oder die Verkäuferin den wütenden Kunden in Kauflaune versetzt, beides sind keine Situationen, auf die erst im Quartalsgespräch einzugehen wäre. Der Chef muss sofort reagieren.

Dabei kommt die Ichform gut an, ein laxes „die Firma dankt“ bewirkt hingegen nicht viel. Denn – und das belegen Studien zur Mitarbeiterzufriedenheit: Der unmittelbare Vorgesetzte ist Treiber des Mitarbeiterengagements. Emotionen spielen eine große Rolle; denn auf dieser Ebene entfaltet Lob seine Wirkung, falls es ehrlich und ohne Einschränkung daherkommt. Nivelliert wird hingegen eine positive Beurteilung, die mit einer negativen Wertung einhergeht – etwa das Lob für die gute Berufsschulnote mit der Klage über mangelnde Pünktlichkeit. Besser ist es, Lob und Kritik zu trennen und jeweils unmittelbar zu äußern. Das macht den Chef glaubwürdig – und der Mitarbeiter erfährt, woran er ist.

Geschickte Teamleiter lassen ihre lobenden Worte nicht im Vorbeigehen fallen. Sie verpacken sie in ein Gespräch, das Interesse signalisiert. Wird ein Fehler an der Kassensoftware behoben, bietet sich die Frage an, wie der Mitarbeiter die Lösung gefunden hat. Sortiert ein Verkäufer aus eigenem Antrieb die Ware in den Regalen so um, dass Kunden sich leichter zurechtfinden, kann der Chef den Dank mit der Anregung verbinden, weiterhin so aufmerksam zu sein. Solche Gespräche sollten Vorgesetzte unter vier Augen führen. Denn ein Lob vor versammelter Mannschaft kann Missgunst fördern. Nicht der Lobhudelei zu verfallen, aber die Würdigung auch nicht zu vergessen: Um diese Balance hinzubekommen, bedarf es einiger Übung. Doch die Anstrengung zahlt sich aus.

„Den Menschen sehen“

 

Karin Döring, freiberufliche Beraterin mit Schwerpunkt professionelles Ausbildungsmanagement in Obererbach, über die Kunst des richtigen Lobens

 

Auszubildende sind im Handel sehr gesucht. Hilft es, sie zu umschmeicheln?

Ein Sprichwort sagt: „Wer dir schmeichelt, hat dich entweder betrogen oder hofft, es zu tun.“ Deshalb müssen ganz andere Kriterien gelten: Wichtig ist vor allem, ein positives Menschenbild zu pflegen sowie eine ehrliche und zugleich sozialverträgliche Rückmeldekultur zu etablieren.

Wie bringe ich mein Lob richtig an?

Ein Lob erfüllt seine Bestimmung, nämlich die Lern- oder Arbeitsfortschritte zu würdigen, wenn es individuell, zeitnah sowie ehrlich geäußert wird und zudem verdient ist. Lob kommt von oben, vom Meister, Ausbilder oder dem berufserfahrenen Kollegen. Es wird akzeptiert, wenn der Beurteilende mehr Kompetenzen hat. Konstruktive Feedbackgespräche enthalten Lob und Kritik, trennen aber beides klar voneinander ab.

Welche Fehler machen Lobende häufig?

Wer zu oft oder zu überschwänglich für Selbstverständlichkeiten lobt, dessen Lob verliert seinen Wert. Azubis merken es auch, wenn man sie aus Zeitmangel oder Unwillen weggelobt, anstatt ihnen Anregungen zu geben. Jugend­liche merken es, wenn Vorgesetzte Lob lediglich als Mittel zur Konditionierung einsetzen. Am Ende geht es immer darum, den Menschen zu sehen und zu honorieren: also nicht zu bewerten, wie ein Azubi ist, sondern wer er ist.

Schlagworte: Personal, Personalpraxis

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