Personalpraxis

Vielfalt produktiv nutzen

Gelingt es, eine multikulturelle Verkaufsmannschaft ­zusammenzuschmieden, gewinnen der Chef und die Kunden. Wie sich aus der Diversität der Belegschaft Vorteile für das ganze Team ziehen lassen.

Von Ruth Lemmer 09.03.2020

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Von Diversität profitierern Belegschaft, Chef und Kunden.

Petra trippelt vor der Tür schon nervös von einem Fuß auf den anderen, als ihr italienischer Kollege Andrea fünf Minuten vor Geschäftsöffnung mit dem Ladenschlüssel angesaust kommt. Süleyman wiederum reagiert nervös, wenn Petra kontrolliert, ob er die Kartons im Regal auf Kante stapelt. Und der Inhaber des Schuhgeschäfts wundert sich, wieso schon 30 Minuten nach Arbeitsstart die Stimmung des Verkaufsteams im Keller ist.

Die kulturellen Eigenarten sind es, die hier Kraft und gute Laune kosten. Die deutsche Pünktlichkeit kollidiert mit südländischer Leichtfüßigkeit, der rigide Ordnungssinn mit entspanntem Laisser-faire-Denken. Und all dies vollzieht sich unausgesprochen.

Raum für Unterschiede lassen

Genau hier muss der Chef aktiv werden und die Irritationen ausräumen. In der wöchentlichen Besprechung kann er seine Beobachtungen beschreiben. Oder er fragt die Mitarbeiter im Zweiergespräch, was sie stört und gegen die Kollegen aufbringt – und führt diese Punkte dann offen und ruhig im Teamgespräch zusammen.

Das funktioniert am besten, wenn auch er selbst sich seiner kulturtypischen Eigenheiten bewusst ist. Die hierzulande übliche Regel- und Sachorientierung, die genaue Zeitplanung und die oft knappe, sehr direkte Kommunikation mögen begründbar sein, sie lassen aber zu wenig Raum für die kulturellen Besonderheiten anderer Nationalitäten.

So kann für eine frische Marketingaktion ein bisschen kreativer Mut durchaus positiv wirken. Mit den unterschiedlichen Herangehensweisen an Arbeit und Aufgaben, über die offen gesprochen und auch mal friedlich gemeinsam gelacht wird, gewinnt das Team insgesamt.

Dinge auszuprobieren, kostet viel weniger, als es einbringt. So spricht ein ungewöhnlicher Blickfang im Schaufenster zusätzlich zu den Stammkunden vorbeischlendernde Passanten an, eine Pop-up-Werbung auf dem Handy gar junge Menschen. Denn nicht nur die Mitarbeiter, auch die Kunden sind heute kulturell heterogen. ●

„Irritationen ausräumen“

Raika Sophie Makus, zertifizierte interkulturelle Trainerin und Inhaberin des Trainingsinstitutes Cambiando Coaching in Düsseldorf, über den konstruktiven Umgang mit unterschiedlichen Kulturen.

Warum sollte sich ein Händler mit Fragen der Interkulturalität beschäftigen, wenn seine Mitarbeiter aus unterschiedlichen Herkunfts­ländern stammen?

Wer nicht nach Unterschieden fragt, vergibt Chancen. Man kann zwar nicht für alle Kulturen Experte sein, aber jeder kann lernen, sensibel für verschiedene Wahrnehmungen von Ansprachen und Handlungen zu werden. Im ersten Schritt sollten sich Vorgesetzte mit den Eigenheiten ihrer persönlichen Herkunftskultur beschäftigen. Das hilft dabei, die eigenen kulturellen Werte nicht absolut zu setzen, sondern offen für andere Perspektiven zu bleiben.

Wie kann ein Händler den kulturellen Austausch in seinem Team fördern?

Chefs müssen vorleben, dass kulturelle Eigenheiten sich hinsichtlich ihrer Wertigkeit nicht unterscheiden. In Diskussionen um Flyer oder Farbgebung, Stellenanzeigen oder Aufsteller gilt es, die Ideen aller anzuhören. Nicht die schnelle Lösung, sondern die, die alle überzeugt und Irritationen ausräumt, ist anzustreben. Bei einem Kuchenbuffet oder einem Barbecue, zu dem jeder eine heimische Spezialität beisteuert, lässt sich entspannt über wechselseitige Vorurteile plaudern – von der schwäbischen Sparsamkeit bis zum türkischen Harmoniebestreben.

Und wenn es kracht, weil Missverständnisse die Oberhand gewinnen?

Dann muss der Teamleiter eingreifen. Pflegt er eine offene Feedbackkultur, werden Kränkungen verständnisvoll angesprochen. Gegebenenfalls muss erwogen werden, einen Vermittler hinzuzuziehen.

Schlagworte: Personalpraxis, Diversität

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