Sachbezüge

Zückerchen vom Chef

Von einer Gehaltserhöhung kommt beim Mitarbeiter netto bisweilen nur wenig mehr als die Hälfte an. Das ­frustriert. Mit welchen alternativen ­Zuwendungen Chefs im Jahresgespräch bei ihren Mitarbeitern punkten können – und ­zugleich dem Fiskus ein legales Schnippchen schlagen

Von Eva Neuthinger 30.01.2020

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Es muss nicht immer die Gehaltserhöhung sein. Auch von Zusatzleistungen können Mitarbeiter profitieren.

Wir sind echt nette Kollegen. Und wir arbeiten gerne hier: Agile Arbeitsprozesse, flache Hierarchien und kurze Kommunikationswege sorgen zudem dafür, dass wir fokussiert arbeiten. Natürlich genießen wir auch die Vorteile des führenden Handels- und Touristikunternehmens“: So steigt Rewe digital auf der Internetseite in die Akquise neuer Mitarbeiter ein. Zu den Vorteilen zählen die üblichen Mitarbeiterrabatte. Genauso aber auch Jobticket und Verpflegung via Lunch-App. Alle im Team können damit vergünstigt essen gehen. „Attraktivität bemisst sich heute nicht mehr nur am Gehalt und am Dienstwagen“, kommentiert Daniela Büchel, Bereichsvorstand Handel Deutschland, HR und Nachhaltigkeit der Rewe Group.

Zu dieser Einsicht sind mittlerweile viele Einzelhandelsunternehmen gelangt. „Unsere Mitarbeiter können von vielen Zusatzleistungen profitieren, die das Leben schöner machen“, heißt es entsprechend auf der Internetseite von Peek & Cloppenburg in Düsseldorf. Zum Beispiel sorgt P & C für Bewegung. „Wir organisieren für unsere Mitarbeiter Sportkurse und -events, die von professionellen Trainern geleitet werden“, wirbt das Bekleidungshaus. Yoga, Gymnastik, Fußball und Marathontraining stehen auf dem Plan. Ein Jobticket für den vergünstigten öffentlichen Nahverkehr oder eine Kinderkrippe in der Düsseldorfer Zentrale sind ebenso Teil des Programms.

Mit Extras punkten Firmen beim Team –​ nicht zuletzt, weil der Fiskus viele Benefits begünstigt. „Sie bleiben steuer- und sozialabgabenfrei, wenn sie sich im gesetzlichen Rahmen halten“, erklärt Thilo Söhngen, Steuerberater mit Kanzlei im westfälischen Wetter und Vizepräsident des Steuerberaterverbandes Westfalen-Lippe. Zum Jahresbeginn erweiterte das Finanzamt die Palette der Möglichkeiten. Das Jobticket beispielsweise kann ohne Limit angeboten werden. Bisher waren die steuerfreien Zuwendungen auf 44 Euro im Monat gedeckelt. Ein Elektrobike dürfen Handelschefs ihren Mitarbeitern komplett steuerfrei auch zum privaten Vergnügen überlassen. Und der schöne Dienstwagen – ein Klassiker – wird günstiger behandelt, falls er elektrisch oder hybrid betrieben wird.

Die Benefits kommen gut an – vor allem bei den Jungen und Dynamischen, der Generation Y. Sie verzichten nach einer Umfrage des Instituts Splendid Research lieber auf höheren Lohn, wenn sie stattdessen von Zusatzleistungen profitieren. Insbesondere der Geschäftswagen steht immer noch hoch im Kurs, gefolgt vom Kitazuschuss. Aber auch Getränke am Arbeitsplatz wünschen sich viele Mitarbeiter. „Der Chef kann mit jedem seiner Angestellten individuell verabreden, welches Extra er bekommen soll“, so Söhngen.

Eine Auswahl gefragter Zusatzleistungen:

Firmenfahrrad

Wenn Arbeitnehmer ein konventionelles Zweirad oder auch ein E-Bike privat nutzen, braucht der geldwerte Vorteil seit 2019 nicht mehr versteuert zu werden. Die Bemessungsgrundlage lag zuvor bei einem Prozent der Anschaffungskosten, die auch sozialversicherungspflichtig waren. „Dies hat sich also für alle Beteiligten sehr verbessert“, kommentiert Söhngen.

Gesundheit

Leistungen von bis zu 500 Euro im Jahr pro Mitarbeiter bleiben abgabenfrei, falls der Einzelhändler während der Arbeitszeit etwa Massagen anbietet oder Seminare, um sich das Rauchen abzugewöhnen. Rückenschule, Fitnesstraining und Vorsorgeuntersuchungen dürfen ebenso ins Programm aufgenommen werden. Aber Mitgliedsbeiträge für Sportvereine oder das Fitnessstudio unterstützt der Fiskus nicht.

Benzingutscheine

Sie kommen bei Mitarbeitern besonders gut an. Betragen sie maximal 44 Euro im Monat, greift der gierige Fiskus nichts ab. Wer aber nur einen Cent darüberliegt, versteuert den gesamten Betrag nach.

Firmenwagen

Wenn Mitarbeiter ein Elektro- oder Hybrid-​auto als Firmenwagen nutzen, ist die private Nutzung nur noch mit einem halben statt einem Prozent des Bruttolistenpreises steuerpflichtig

Kindergartenzuschuss

Ein äußerst beliebtes Extra ist der Kindergartenzuschuss. Es fallen keine Abgaben an, wenn nicht schulpflichtiger Nachwuchs betreut wird.

Präsente

Aus einem besonderen persönlichen Anlass dürfen Chefs ihre Mitarbeiter mit einem Geschenk im Wert von 60 Euro brutto steuer- und sozialversicherungsfrei beglücken. Geburtstag, Mitarbeiterjubiläum, Namenstag, Geburt eines Kindes, Hochzeit oder Taufe sind geeignete Anlässe. Der Einzelhändler kann einfach einen Gutschein übergeben. 

Gutscheine steuersicher abwickeln

Der Fiskus prüft bei jeder Lohn­steuerprüfung die Sachleistungen ganz intensiv. Folgende Regeln sind zu beachten:

Kein Bares:

Der Mitarbeiter darf die 44 Euro im Monat für das Benzin nicht cash in die Hand bekommen. In diesem Falle wäre die Summe auf jeden Fall komplett steuer- und sozialversicherungspflichtig.

Keine Gehaltsumwandlung:

Die Leistung muss zusätzlich zum Lohn fließen. Aber: Den Arbeitsvertrag darf man ändern. Der Mitarbeiter verzichtet auf bis zu 44 Euro Lohn und vereinbart dann zusätzlich zum Gehalt die Sachleistung.

Keine Jahresleistung:

Der Mitarbeiter darf zwar selbst ansparen, der Chef aber nicht einfach  ein- mal im Jahr die Summe von zwölf mal 44 Euro, also 528 Euro, gutschreiben.

Keine Alternative:

Werden Gutscheine ausgeteilt, muss eine Auszahlung des Betrags in bar ausgeschlossen sein. Der Mitarbeiter darf also kein Wahlrecht haben.

Schlagworte: Personal

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