Studie

Fachkräfte im Handel oft unzufrieden mit Vorgesetzten

Laut einer aktuellen Studie des Online-Stellenmarktes meinestadt.de müssen sich viele Fachkräfte im Handel mit cholerischen und zur Führung ungeeigneten Chefs auseinandersetzen. Jede dritte Fachkraft im Handel hat schon einmal wegen des Vorgesetzten gekündigt.

19.02.2020

© Auremar / Stock Adobe

Fachkräfte im Handel klagen häufig über Probleme mit ihren Vorgesetzten.

Bei der Frage, wen Fachkräfte aus dem Handel im Vorstellungsgespräch unbedingt kennenlernen wollen, liegen die künftigen Vorgesetzten mit 68,1 Prozent mit deutlichem Abstand vor den Kollegen in spe (22,7 Prozent) und Vertretern der Personalabteilung (16,6 Prozent). Dabei sollten Chefs möglichst nett rüberkommen: Immerhin hat schon mehr als jede vierte Fachkraft einen Job abgelehnt, weil die Vorgesetzten im Vorstellungsgespräch unsympathisch erschienen.

Etwa genauso viele Fachkräfte (28,8 Prozent) warfen irgendwann nach Jobantritt aufgrund des Vorgesetzten das Handtuch. Nach den Gründen gefragt, berichtet ein Mitarbeiter von einem „Choleriker-Chef, der mit Gegenständen warf“ oder dass „gesetzliche Ruhezeiten zwischen den Schichten nicht eingehalten wurden“. Eine andere Fachkraft resümiert: „Heutzutage ist der Arbeitsmarkt groß genug, sodass man sich nicht alles gefallen lassen muss.“

Wertschätzung ist am wichtigsten

„Wie wichtig sind Ihnen allgemein folgende Eigenschaften bei einem Vorgesetzten?“ Von insgesamt 14 Eigenschaften ist den befragten Fachkräften „Wertschätzung gegenüber dem Mitarbeiter und seiner Arbeit“ mit 84,1 Prozent am wichtigsten. „Fachliche Kompetenz“ (83,4 Prozent) des Chefs sowie „Vertrauen und Rückhalt“ (81,4 Prozent) folgen auf Platz zwei und drei. 8 von 10 Fachkräften wünschen sich einen Chef wie sie selbst, mit dualer Ausbildung. Das ist der höchste Wert im Branchenvergleich und zeigt: Mitarbeitern im Handel ist es offenbar besonders wichtig, dass ihr Vorgesetzter selbst „auf der Fläche gearbeitet hat“ und weiß, wovon er spricht.

Bei einigen Führungseigenschaften liegen der Wunsch der Fachkräfte und die aktuell erlebte Realität besonders weit auseinander: Obwohl den Fachkräften „Wertschätzung“ mit 84,1 Prozent bei ihren Chefs am wichtigsten ist, trifft das im Alltag nur auf das Erleben von 53,9 Prozent zu. Dass Vorgesetzte die Arbeitsbelastung ihrer Mitarbeiter im Blick halten, ist 62,7 Prozent der Befragten wichtig, aber nicht einmal ein Drittel erleben das in der Praxis. Relativ große Defizite gibt es auch bei der Motivation von Mitarbeitern und bei der klaren Kommunikation von Erwartungen und Zielen.

„Gute Führungskräfte machen einen Arbeitgeber für Fachkräfte im Handel attraktiv, schlechte Führungskräfte unattraktiv. Das hat Konsequenzen fürs Recruiting und die Bindung von Mitarbeitern – also letztlich für die Employer Brand“, so Wolfgang Weber, Geschäftsführer von meinestadt.de. „Arbeitgeber können es sich nicht mehr erlauben, ihr Personal aufgrund schlechter Führung zu verlieren. Handelsunternehmen sollten daher dringend ihre Führungskultur reflektieren und in ihre Führungsqualität investieren.”

Das Marktforschungsinstitut respondi hat für die Studie 2.085 Fachkräfte mit Berufsausbildung befragt, darunter 295 aus dem Handel.

Das gesamte Whitepaper zur branchenübergreifenden Studie „Fachkräfte und Führung“ steht hier kostenlos zum Download bereit.

Schlagworte: Personal, Führungskräfte

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