Alle gegen einen

Reden und Regeln können ein Arbeitsklima, in dem Mobbing gedeiht, zum Besseren wenden.

Von 11.12.2018

© erhui1979/Getty Images

Wenn aus dem Getuschel über die hässliche Bluse einer Kollegin eine permanente Hetze über ihre unmögliche Kleidung wird, wenn aus der Kritik an einer Ungeschicklichkeit der Auszubildenden eine stetige Meckerei an jedem ihrer Arbeitsergebnisse erwächst oder wenn Mitarbeiter einen Kollegen vom gemeinsamen Mittagessen ausschließen, schrillt der Mobbingalarm.

Denn im Team entsteht eine Dynamik, die einen Einzelnen ausgrenzt, schikaniert oder sogar anfeindet. Kommt es über eine längere Zeit und mit System zu Worten und Taten, die die Würde sowie die physische oder psychische Integrität eines Arbeitskollegen verletzen, wird es höchste Zeit, dass der Chef dem einen Riegel vorschiebt. Hat er selbst einen Mitarbeiter auf dem Kieker, quält er ihn mit unlösbaren Arbeitsvorgaben oder putzt ihn immer wieder vor seinen Kollegen herunter, dann heißt dieses Mobben Bossing, ist aber keinen Deut besser.

Denn der Vorgesetzte ignoriert seine Fürsorgepflicht und kann dafür sogar rechtlich in Haftung genommen werden. Ob Chef oder Kollegen, Mobbing vergiftet das Arbeitsklima und drückt auf die Leistung. Die Mobber lenkt es ab, das Opfer wird verunsichert. In kleinen Teams ist es kaum möglich, die Peiniger und das Opfer – etwa durch Versetzung – zu trennen. Es hilft also nur Reden – zuerst einzeln mit beiden Seiten, dann gemeinsam, um zum Beispiel Regeln für den respektvollen Umgang zu vereinbaren.

Ein solches Vorgehen gebietet nicht allein die Menschenfreundlichkeit. Es schützt auch vor den Folgen. Denn einzelne Gerichtsurteile haben die Rechte gemobbter Mitarbeiter gestärkt. Beschäftigten wurde Schmerzensgeld zugesprochen, einem Angestellten, der entwürdigend behandelt wurde, beispielsweise 7.000 Euro. Zahlen muss der Chef, denn seine Aufgabe sei es, so das Gericht, das Mobbing unter Kollegen zu stoppen, damit niemand zu Schaden kommt. Chefs sollten also – auf möglichst sensible Weise – eingreifen. Allerdings: Psychische Erkrankungen als Folge von Mobbing werden nicht als Berufskrankheit anerkannt.


Recht auf Unversehrtheit
Mobbing tangiert folgende Gesetze, die Führungskräfte zum Handeln zwingen:

Bürgerliches Gesetzbuch
Wird das persönliche Recht auf Gesundheit, Freiheit oder körperliche Unversehrtheit verletzt, kann das Opfer ein privatrechtliches Verfahren anstreben.

Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
Im Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) findet sich der Begriff Mobbing nicht. Allerdings definiert das AGG, dass eine Belästigung als Benachteiligung gilt, „wenn die Würde der betreffenden Person verletzt und ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird“. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, Maßnahmen zu treffen, um vor Benachteiligungen zu schützen.

Arbeitsschutzgesetz
Mobbing kann zu psychischen Belastungen führen. Da Arbeitgeber ihre Mitarbeiter vor Gesundheitsgefahren schützen sollen, können sie Regeln für einen Mobbing-Stopp aufstellen.

Betriebsverfassungsgesetz
Das Grundgesetz bestimmt in Artikel 1, dass die Würde des Menschen unantastbar ist. Artikel 2 beinhaltet die freie Entfaltung der Persönlichkeit sowie das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit. Beide Artikel finden im Betriebsverfassungsgesetz ihren Niederschlag. So ist der Arbeitgeber verpflichtet, die Persönlichkeitsrechte seiner Mitarbeiter zu schützen. Deshalb muss er dafür sorgen, dass in seinem Betrieb nicht gemobbt wird.

Schlagworte: Arbeitsschutz, Personalpraxis, Arbeitsklima, Mobbing

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