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Google bietet jetzt ein Tool an, mit dem kleine und mittelständische Händler ihre Onlinepräsenz optimieren können. In Kooperation mit dem HDE sollen Einzelhändler zudem in kostenlosen Trainings deutschlandweit an die Digitalisierung herangeführt werden.

Von Eva Dorothée Schmid 09.10.2019

Durch die Digitalisierung haben sich die Kunden verändert. Sie seien „neugieriger, ungeduldiger und anspruchsvoller“, glaubt John Gerosa, Managing Director Retail Markets Central Europe bei Google. Sie seien immer auch online, und allein deshalb müsse jeder Einzelhändler ­eine Website unterhalten – als digitales Schaufenster. „Die Ansicht, dass man als Händler keine Internetseite braucht, solange man nicht online verkauft, ist falsch“, ist Gerosa überzeugt. Einzelhändler müssten sowohl online als auch offline gefunden werden, und zwar schnell. Hier sieht Google noch viel Potenzial: Lediglich fünf Prozent der deutschen Händler-Websites laden auf dem Smartphone innerhalb einer Sekunde.

„Wir wollen, dass kleine und mittelständische Händler bei der digitalen Transformation eine Chance haben.“ So erklärt Gerosa, warum der Internetriese Händlern das neue Tool „Grow My Store“ kostenlos anbietet, mit dem sie ihre Website optimieren können. Bisher gab es mit „Google My Business“ bereits die ebenfalls kostenlose Möglichkeit, mit dem Ladengeschäft in den Google-Suchergebnissen aufzutauchen. Da bisher nicht viele Händler diese Option genutzt haben, kooperiert Google nun mit dem HDE, um mehr Einzelhändler zu erreichen und das Thema Digitalisierung weiter voranzutreiben. „Wir sind sehr glücklich über die Partnerschaft mit Google, denn sie hilft dem Mittelstand, in der Digitalisierung zurechtzukommen“, betont Stephan Tromp, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des HDE beim Launch von „Grow My Store“ in Hamburg.

Optimierungsaufwand zahlt sich aus

Janine Obersdorf ist Geschäftsführerin des Hundefachgeschäfts Heimathund im sauerländischen Menden. Sie konnte „Grow My Store“ bereits testen und ist von dem Tool überzeugt. Neben ihrem Ladengeschäft betreibt die 32-Jährige seit zwei Jahren einen Onlineshop, der ­allerdings bisher vor sich hin dümpelte. Das Tool schlug ihr vor, eine Karte auf ihrer Seite einzubinden, die Produktbeschreibungen zu verbessern, Click & Collect sowie Rücksendungen anzubieten. „Das konnte ich alles schnell selbst umsetzen“, sagt Obersdorf.

Zudem monierte das Google-Tool die fehlende Optimierung für Smartphones. „Ich ­habe mir die Seite nie mit unterschiedlichen Browsern oder Smartphones angeschaut“, bekennt die Ladeninhaberin. Mittlerweile ließ sie ihre Seite für mobile Endgeräte optimieren. Der Aufwand hat sich gelohnt: Heute kämen mehr Leute in den Laden und die Zahl der Online­bestellungen sei achtmal so hoch wie zuvor, erzählt die Händlerin. „Ich würde anderen raten, ihre Seite nicht gerade in der Urlaubszeit zu optimieren“, sagt Obersdorf, die im Sommer oft bis 22 Uhr Pakete packen musste.

Neben dem neuen Tool zur Websiteoptimierung bietet Google in Zusammenarbeit mit dem HDE auch deutschlandweit kostenlose Schulungen für kleine und mittelgroße Händler an. Dort lernen diese, wie sie online gefunden werden, wie sie einen Onlineshop aufbauen und diesen bekannter machen können. Die Schulungen finden zunächst in den Google Zukunftswerkstätten in Hamburg, München und Berlin statt.

Fairen Wettbewerb angemahnt

Um möglichst viele Händler zu erreichen, will Stephan Tromp zudem das Mittelstand 4.0-Kompetenzzentrum Handel (siehe Seite 34) für die Trainer von Google öffnen. Gleichwohl betont der stellvertretende Haupt­geschäftsführer des HDE, dass alle Optimierungsbemühungen den Einzelhändlern wenig brächten, solange kein fairer Wettbewerb herrsche: „Deshalb fordere ich die Regierungskoalition auf, endlich dafür zu sorgen, dass Einfuhren von außerhalb der EU besser kontrolliert werden.“ Sein Vorschlag, um der Paketschwemme aus Fernost Herr zu werden: „Die Zollabwicklung muss digitalisiert werden, damit ausländische Pakete besser kontrolliert und solche aussortiert werden können, deren Versender geltende Gesetze und Verordnungen nicht beachten.“

In fünf Schritten zur besseren Website

1. Die Adresse „g.co/growmystore“ in das Browserfeld eintippen

2. URL der eigenen Webpräsenz eingeben (wie gut die Konkurrenz aufgestellt ist, lässt sich auf diesem Wege übrigens auch checken)

3. Anklicken, ob man einzig online, ausschließlich im Ladengeschäft oder über beide Kanäle verkauft

4. Das Tool liefert einen Kurzbericht, ob Produktinformationen, Telefonnummer und Öffnungszeiten auffindbar sind und ob das Geschäft Kontaktoptionen über Social-Media-Kanäle anbietet.

5. Händler, die an ausführlicheren Informationen interessiert sind, was und warum sie darüber hinaus an ihrer Seite optimieren sollten, geben ihre E-Mail-Adresse ein und erhalten innerhalb weniger Stunden einen ausführlichen Bericht. Dieser zeigt anhand von 22 für Retailer relevanten Kriterien auf, wie gut es um die eigene Website bestellt ist.

 

Schlagworte: Digitalisierung, SEO, Google, HDE, Kooperation

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