Coronakrise

Wie stationäre Händler Kunden locken können

Abgesehen davon, dass die deutschen Konsumenten eher gezielt in die Geschäfte gegangen sind als aus Freude am Shoppen, haben ganze 43 Prozent der Befragten seit Öffnung der vom Shutdown betroffenen Geschäfte noch gar nicht wieder dort eingekauft.

10.06.2020

© Michele Ursi / stock adobe

Die Menschen fiebern zwar der coronafreien Zeit entgegen, sind aber doch eher skeptisch, wenn es um einen raschen Abbau der Schutzmaßnahmen geht.

Das ergibt sich aus den aktuellen Daten des fortlaufenden Corona-Handelstrackers von EY-Parthenon und Innofact. Die Menschen fiebern demnach zwar der coronafreien Zeit entgegen, sind aber doch eher skeptisch, wenn es um einen raschen Abbau der Schutzmaßnahmen geht. Nur knapp 16 Prozent gehen die Lockerungsmaßnahmen zu langsam – alle anderen finden es genau richtig oder aber eher zu schnell. Auch Wochen nach dem Ende des Shutdowns kommt damit bei den repräsentativ Befragten noch immer keine Shopping-Stimmung auf.

Mehrwertsteuersenkung alleine bringt keine Lust auf Konsum

Über 60 Prozent der Befragten geben an, dass ihnen Einkaufen unter den aktuellen Bedingungen keinen Spaß macht. In allererster Linie stört dabei weiterhin die Maskenpflicht, gefolgt vom Verhalten anderer Kunden sowie Einlassbeschränkungen und Wartezeiten. Erschwerend kommt hinzu, dass über 30 Prozent angeben, ihre Ausgaben auf das Nötigste zu reduzieren. Seit Beginn der fortlaufenden Studie fühlen sich zudem rund ein Drittel finanziell von der Krise betroffen. Gerade diesen Gruppen möchte auch aktuell die Bunderegierung mit dem beschlossenen Konjunkturpaket unter die Arme greifen. Insbesondere die Mehrwertsteuersenkung könnte hier möglicherweise den Konsum stützen oder sogar stimulieren. Die Lust am Shoppen kann diese Maßnahme allerdings auch nicht steigern, wie die Ergebnisse der Befragung zeigen.

Veränderungspotenzial für den Handel

Der Einzelhandel hat durchaus Optionen, Kunden zu locken: Gefragt, was sich ändern müsste, damit die Kunden wieder ins Geschäft kommen, wünschen sich über 30 Prozent die Möglichkeit, Produkte online vorzubestellen, um diese dann nur noch abholen und bezahlen zu müssen. Einen Lieferservice würden knapp 30 Prozent nutzen. Dass das realistische Szenarien sind, zeigte insbesondere der Shutdown: Geschäfte, die von der Schließung betroffen waren und auf Lieferservice umstellten, wurden durchaus im lokalen Umfeld von den Kunden in Anspruch genommen. Über die Krise hinweg haben auch in der Studie über 61 Prozent der Befragten der Aussage zugestimmt, den lokalen Handel zu unterstützen.

Aber der Handel muss die Krise als Ausgangspunkt für weitere Aktionen nutzen: Denn es gibt offensichtlich einen ganzen Strauß an Möglichkeiten, der noch nicht ausgereizt ist. „Immerhin knapp 14 Prozent sagen, dass es den Einkauf vor Ort wieder interessant macht, wenn man vorab einen Termin mit einem Kundenberater vereinbaren könnte, der dann im Geschäft berät“, sagt Christian Thunig Managing Partner bei der Innofact AG. Auch die Möglichkeit, sich über die Website des Händlers über Eigenschaften von Produkten und deren Verfügbarkeit zu informieren, würden Konsumenten zu über einem Viertel nutzen; und nicht zuletzt Videorezensionen könnten ebenfalls gut ankommen.

Die Krise könnte damit nicht zwingend nur ein Katalysator für die Digitalisierung, sondern auch für die viel gerühmte Beratungskompetenz des Handels sein, schlussfolgert Thunig. Es könne sich nach den vorliegenden Studienergebnissen auf jeden Fall lohnen, die Chancen für arrondierende Services zu prüfen.

Die Unternehmensberatung EY-Parthenon und das Marktforschungsinstitut Innofact möchten die derzeitigen Auswirkungen der „Corona Krise“ auf die langfristige Veränderung des Kaufverhaltens, die Barrieren und Treiber der Online-Käufe, verschenktes Potenzial der Onlinehändler durch Lieferengpässe etc. untersuchen. Die Untersuchung läuft als wöchentliche Online-Befragung.

Seit zehn Wochen misst der Handelstracker jede Woche das zurückliegende, aktuelle und zukünftige Einkaufsverhalten für mehrere Warengruppen sowie in Bezug auf stationären und Online-Handel in den Warengruppen wie Lebensmittel, Drogerie, Medikamente, Tierbedarf, Baumärkte, Bekleidung, Bücher, Elektronik, Sport und Freizeit sowie Möbel.

Die Probanden wurden aus dem Innofact-Consumerpanel rekrutiert. Eine zufällige Stichprobe wurde per E-Mail eingeladen und konnte am Onlinefragebogen teilnehmen. Mehrfachteilnahmen ausgeschlossen. Es wurden Männer und Frauen im Alter von 18 bis 79 Jahren befragt. Bevölkerungsrepräsentative Quotierung der Stichprobe nach Geschlecht, Alter und Bildungslevel.

Schlagworte: Coronakrise, Coronavirus

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