Lkw suchen Fracht

Die für Straßentransporte zur Verfügung stehende Kapazität an freiem Frachtraum ist im ersten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum vierten Quartal 2018 um ein Drittel gestiegen. Damit wurden deutlich weniger Güter auf der Straße transportiert als in den Monaten zuvor.

07.05.2019

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Die Entwicklung der verfügbaren Transportkapazitäten zeigt, dass zu Jahresanfang weniger Güter auf der Straße bewegt wurden.

Im Vergleich zum ersten Quartal (Q1) 2018 war in diesem Jahr von Januar bis März ebenfalls mehr Transportkapazität verfügbar (plus 14,9 Prozent). Der starke Anstieg ist ein erster Beleg, dass die Wirtschaft in Europa und Deutschland bereits langsamer wächst als in den vergangenen Jahren. Die Transportpreise waren in Q1 2019 um 8,4 Prozent günstiger als in Q4 2018, was sich unter anderem auf einen deutlichen Rückgang der Dieselpreise zurückführen lässt. Das geht aus der 39. Ausgabe des Transport Market Monitors (TMM) des Transportlogistik-Dienstleisters Transporeon Group und Tim Consult hervor. 

Gebremstes Wirtschaftswachstum
Nachdem die verfügbare Transportkapazität bereits in der zweiten Jahreshälfte 2018 kontinuierlich zugenommen hatte, stand den verladenden Unternehmen aus Wirtschaft und Handel in Q1 2019 im Schnitt 31,4 Prozent mehr freier Frachtraum zur Verfügung als gegen Ende 2018. Wenn mehr Lkw nach Fracht suchen, werden folglich weniger Güter und Waren transportiert. „Der von uns in den letzten Monaten beobachtete, starke Anstieg der verfügbaren Transportkapazität kann als ein erster Beleg für die Eintrübung der wirtschaftlichen Entwicklung herangezogen werden. Bislang gab es nur entsprechende Prognosen, beispielsweise der deutschen Bundesregierung. Sie geht im Ende Januar veröffentlichten Jahreswirtschaftsbericht 2019 nur noch von einem Anstieg des preisbereinigten Bruttoinlandsprodukts um ein Prozent aus“, sagt Oliver Kahrs, Geschäftsführer Tim Consult.

Für innerdeutsche Transporte wurden in Q1 dieses Jahres bezogen auf das davorliegende Quartal sogar 38 Prozent mehr freie Kapazitäten für tagesaktuell zu vergebende Transporte (Spotmarkt) angeboten. „Sowohl in Europa als auch in Deutschland gab es nur im ersten Quartal 2009 noch mehr frei verfügbaren Frachtraum. Das war im Zuge der Banken- und Wirtschaftskrise“, so Kahrs.

Transportpreise sind rückläufig
Die Transportpreise waren im Q1 dieses Jahres zwar stark rückläufig, aber weiterhin verhältnismäßig hoch. „Der Transportpreisindex für Q1 2019 liegt 1,3 Prozent über dem Wert für das erste Quartal 2018. Eigentlich hätten die Preise dieses Jahr jedoch günstiger sein müssen als zu Jahresbeginn 2018, da diesmal im ersten Quartal 14,9 Prozent mehr freier Frachtraum verfügbar war. Bei innerdeutschen Transporten lagen die Transportpreise im Q1 sogar 4,5 Prozent über den Preisen von Q1 2018. Ein Grund hierfür könnte die Anpassung der Lkw-Mautsätze zu Jahresbeginn sein“, meint Jan Rzehak, Director Business Consulting Transporeon.

Da immer mehr freier Frachtraum angeboten wird, nimmt auch die Preisdifferenz zwischen dem günstigsten und teuersten Angebot je Transportauftrag auf dem Spotmarkt zu. „Die verfügbare Transportkapazität ist in den ersten Monaten saisonal bedingt meist höher als im weiteren Jahresverlauf. Daher fällt auch die Preisdifferenz im ersten Quartal tendenziell größer aus“, erklärt Rzehak. 2019 sei sie mit 25 Prozent jedoch besonders hoch gewesen. Verladende Industrie- und Handelsunternehmen dürften daher bei der Vergabe ihrer Transportaufträge am Spotmarkt von günstigeren Preisen profitiert haben. 

„Entsprechende Unterschiede zwischen dem höchsten und niedrigsten Angebot pro Transportauftrag haben wir zuletzt im vierten Quartal 2009 beobachten können. Das war das erste Jahr, in dem die Europäische Union im Zuge der Banken- und Wirtschaftskrise ein negatives Wachstum verzeichnete“, so Rzehak. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung dürfte die Preisdifferenz auch in den kommenden Monaten überdurchschnittlich ausfallen. Eine Transportvergabe am Spotmarkt sei damit weiterhin attraktiv.

Schlagworte: Handel, Logistik, Studie, Konjunktur

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