Ladenhüter

Selbstständige Einzelhändler sehen in ihrem Unternehmen häufig auch die Basis ihrer Altersvorsorge – und gehen damit ein unnötig hohes Risiko ein. Im Idealfall diversifizieren sie und setzen auf einen Mix der Werte. Eine gute Rentenstrategie hilft, Fehler zu vermeiden.

Von 16.04.2018

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Einzelhandelsunternehmer Markus Buchem in Eschweiler bei Aachen macht sich keine Sorgen um seinen Ruhestand. Der 49-Jährige stockt kontinuierlich seine Altersvorsorge auf – und das bereits seit Jahrzehnten. „Die Einzahlungen in die gesetzliche Rentenversicherung decken einen Teil meines späteren Einkommens ab. Darüber hinaus fließt jeden Monat ein fester Betrag beispielsweise in eine geförderte Riesterrentenversicherung“, sagt der Inhaber des Modehauses Ostländer Next. Zudem zählen Immobilien zu seinem Portfolio. Buchem will nicht von einer Anlageklasse abhängig sein. „Dazu habe ich mich von einem unabhängigen Experten beraten lassen“, erklärt der Textileinzelhändler.

Das ist die richtige Strategie. Genauso wie jeder Angestellte dürfen sich Unternehmer bei ihrer Altersvorsorge nicht auf die Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung und ebenso wenig auf den Ertrag aus einem späteren Verkauf ihrer Firma verlassen. „Wir beobachten immer wieder, dass Einzelhändler bis ins hohe Alter ihr Geschäft weiterführen, weil sie nicht angemessen vorgesorgt haben“, warnt Sebastian Baum. Die Einschätzung des Geschäftsführers der Gesellschaft ICB Innovations Center Brandenburg in Potsdam und Vorsitzenden des Fachverbandes Gründung, Entwicklung und Nachfolge im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU) deckt sich mit den Ergebnissen einer aktuellen Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity: Immerhin jeder Dritte in Deutschland gab dabei an, dass er sich im Ruhestand etwas hinzuverdienen muss. Jeder Vierte glaubt sogar, dass er auf staatliche Unterstützung angewiesen sein wird.

Das muss nicht sein, wenn Firmenchefs bei der Vorsorge folgende gravierenden und häufig anzutreffenden Fehler vermeiden:

1. Gesetzliche Rente gestoppt
Vor der Selbstständigkeit zahlen viele Einzelhändler regulär in die Rentenkasse ein – beenden dann aber mit der Existenzgründung ihre Einzahlungen. Das mag in der Startphase während der ersten zwei bis drei Jahre berechtigt sein. Schließlich erzielen Gründer anfangs häufig nicht genug Einkommen aus ihrem Geschäft, um noch nennenswerte Beträge für die Rente zurücklegen zu können. Danach aber sollten wieder Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung fließen. Alternativ sparen vorausschauende Einzelhändler jeden Monat Kapital in Höhe der bisher gezahlten gesetzlichen Beiträge an. „Wer kein Geld für seine Altersvorsorge erübrigen kann, sollte realistisch sein und gegebenenfalls darüber nachdenken, sein Geschäft aufzugeben“, warnt Baum.

2. Zu viel auf eine Karte gesetzt
Faustregel: Nie mehr als fünf Prozent der vorgesehenen Altersvorsorge sollten in eine Anlage fließen. „Das ist eine Leitlinie. Ganz egal, um welche Beträge es sich handelt“, sagt Baum. Diese Strategie vermeidet automatisch sogenannte Klumpenrisiken. Der Firmenchef darf sich nicht von der Entwicklung eines Marktes abhängig machen. Viele Sparer lassen sich jedoch von attraktiven Renditeversprechen dazu verleiten, überproportional viel in einen einzelnen Wert zu investieren. „Es gilt immer zu bedenken, dass es bei der Altersvorsorge nicht darum geht, das schnelle Geld zu machen – selbst wenn das verlockend scheint. ‚Sicherheit vor Rendite‘ lautet die Devise“, mahnt Baum.

3. Kosten unterschätzt
Immobilien können zur Altersvorsorge beitragen. Was viele Eigentümer allerdings unterschätzen, sind die Modernisierungs- und Erhaltungsaufwendungen eines Objektes. „Haus oder Wohnung altern mit“, betont Toni Wirler, Vizepräsident des Bundesverbands der Ruhestandsplaner Deutschland e. V. in Berlin. Gerade Mietwohnungen müssen permanent auf dem aktuellen Stand gehalten werden, allein damit Interessenten am Ball bleiben. „Immobilien sollten spätestens mit Beginn der Rentenzeit abbezahlt sein, damit im Alter keine große Belastung mehr verbleibt. Wer in jungen Jahren einen Neubau kauft, muss darum nicht nur Zins und Tilgung stemmen, sondern zusätzlich Geld für Modernisierungen und Reparaturen zurücklegen“, rät Wirler.

4. Zu wenig kontrolliert
Schrottimmobilien im Osten, Fehlinvestitionen in Biogasanlagen: Renditeversprechen vieler Vermögensberater gehen nicht immer auf. Vorausschauende Firmenchefs wählen ihren Experten kritisch aus. „Eine renommierte Geschäftsbank ist sicherlich ein erster Ansprechpartner. Der Berater sollte einen guten Ruf haben, den er nicht verlieren will“, rät Baum. Kluge Unternehmer verlassen sich nicht auf Dritte, sondern checken selbst jährlich, wie sich ihre Vorsorgewerte entwickeln – um bei Bedarf rechtzeitig gegenzusteuern. Richtwert: Wer langfristig anlegt, kann mit einer Portion Wagemut derzeit vier bis fünf Prozent Rendite im Jahr erreichen.

5. Pensionszusagen nicht gedeckt
GmbH-Chefs erhalten oft eine Pensionszusage ihrer Firma. Das kann vorteilhaft sein, weil sie mit ihren Beiträgen Abgaben sparen. Oft stehen Unternehmer aber vor dem Problem, dass die späteren Leistungen nicht ausreichend rückgedeckt sind. Das heißt: Das Geschäft muss in der Auszahlungsphase die Rente des Chefs erwirtschaften. „Diese Unternehmen sind für einen potenziellen Übernehmer uninteressant, weil er mit der Pension ein hohes Risiko eingeht“, warnt Baum. Will heißen: Sie sind unverkäuflich. Mögliche Absicherungsinstrumente können ein Fondssparplan oder eine Lebensversicherung sein. Da hohe Renditen aufgrund der Niedrigzinsphase momentan kaum zu realisieren sind, ist es wichtig, die Rückdeckung permanent im Blick zu haben. Die ideale Altersvorsorge ist also nicht statisch, sondern passt sich dynamisch der jeweiligen Marktsituation und dem Alter des Unternehmers an.


Clever investiert

Folgende drei Schritte sind die Basis jeder guten Altersvorsorge:

Planung: Mit der Firmengründung sollten Einzelhändler beginnen, privat anzusparen – und wenn es monatlich nur 100 Euro sind. Der Betrag kann sukzessive aufgestockt werden. Orientieren sollten sich die Überlegungen an der durchschnittlichen Lebenserwartung von rund 83 Jahren.

Status quo: Der Stand der Altersvorsorge ist jährlich zu überprüfen. Auf die Habenseite gehören die prognostizierten Rentenleistungen der jeweiligen Verträge sowie Vermögenswerte. Dem stellt man das gewünschte monatliche Alterssalär gegenüber – es sollte mindestens 70 Prozent der Einkünfte in der Erwerbsphase betragen. So lässt sich erkennen, ob es ein Loch in der Altersvorsorge gibt.

Vorsorgemix: Basis der Vorsorge sind Leistungen der gesetzlichen Rentenversicherung, Betriebsrenten und private Rentenversicherungen – etwa in den geförderten Varianten der Rürup- oder Riesterrente. Als Ergänzung empfehlen sich Misch- und Dachfonds, die in Aktien und Anleihen investieren. Defensiv orientierte Mischfonds setzen auf schwankungsarme Papiere. Vor dem Kauf sollte man die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre prüfen. Direkte Investitionen in Aktien erbringen potenziell mehr Rendite, bergen aber auch ein höheres Risiko. Wer sich dafür entscheidet, sollte sich intensiv mit dem Thema beschäftigen und nicht zu viel Kapital auf diese Karte setzen. Abgerundet wird der Vorsorgemix durch eine selbst genutzte Immobilie, die im Alter schuldenfrei sein sollte, oder durch Mietobjekte, die gut verkäuflich sein sollten.

Schlagworte: Beratung, Altersvorsorge, Einzelhandel, ICB Innovations Center Brandenburg

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