Hochspannende Neulinge

CO2, Stickoxide, Feinstaub – Autofahren ohne schlechtes Gewissen ist quasi unmöglich. Der Ausweg für Umweltbewusste mit Bleifuß: Elektroantrieb. Wir stellen vier neue Stromer vor.

Von Thomas Müller 09.03.2019

© Tesla

Heiß begehrt: Ein Tesla vom Typ Model 3.

Audi E-Tron Quattro

Elektrisch fahren und weder beim Platzangebot noch beim Komfort Kompromisse eingehen? Wer das will, der liegt mit dem neuen E-Tron quattro von Audi richtig. Was die Größe angeht, ordnet sich das SUV zwischen den konventionell angetriebenen Modellen Q5 und Q7 ein. Wie alle Audi-SUVs schafft der E-Tron den Spagat zwischen kantiger Eleganz und einem leicht bulligen Auftritt. Bis zu 400 Kilometer kann er rein elektrisch zurücklegen. Das hat seinen Preis, wie der Blick auf die Waage zeigt. Das SUV wiegt 2,5 Tonnen – allein 700 Kilogramm davon entfallen auf die Akkus. Die Fahrleistungen sind beeindruckend: Nur 5,7 Sekunden braucht das Schwergewicht bis Tempo 100, 200 Stundenkilometer schafft es in der Spitze. Zwei Elektromotoren mit zusammen 408 PS sorgen dafür, dass der E-Tron immer mit Allradantrieb fährt. Die Kraftverteilung erfolgt variabel und wird innerhalb von Millisekunden an die Fahrsituation angepasst. Wer allzu sportlich unterwegs ist, erreicht die 400 Kilometer aber nicht, ohne nachzu­laden. Ein Trost: Gemeinsam mit Mercedes, BMW und Ford will Audi bis 2020 in ganz Europa 400 Ladestationen für „High Power Charging“, also besonders schnelles Laden, errichten. Im Innenraum ist der E-Tron ganz Oberklasse: bequeme Sitze, üppiges Platzangebot, Audis bewährte Bedienlogik. Auf Wunsch werden die Außenspiegel durch Kameras ersetzt, deren Bilder auf Monitoren in den Türen angezeigt werden. Das verbessert die Aerodynamik. Netter Gag im Elektroauto: Den E-Tron gibt es mit Sitznähten, die aussehen wie elektrische Leiterbahnen.


 

Kia E-Niro

Das kompakte SUV von Kia gibt es jetzt auch mit Elektroantrieb. Bisher fuhr der Niro mit Verbrennungsmotor und einem kleinen Elektromotor als Unter­stützung. Der neue E-Niro fährt rein elektrisch, er schafft zwischen 290 (39,2-kWh-Batterie) und rund 450 Kilometern (64-kWh-Batterie). Weil Reichweite die größte Sorge des Elektroautokäufers ist, wird der südkoreanische Hersteller wohl richtig liegen mit seiner Annahme, dass viele Kunden die größere Batterie ordern werden – für rund 3.800 Euro Aufpreis. Tatsächlich lassen sich die 450 Kilometer Reichweite sogar überbieten, wenn der Fahrer seinen Gasfuß zügelt. Denn der 204 PS starke und maximal 1,9 Tonnen schwere Stromer lässt sich flott über den Asphalt scheuchen und erreicht Tempo 100 in kurzen 7,8 Sekunden – bei 167 Stundenkilometern ist Schluss. Dank einer Ladeleistung von bis zu 100 kW lassen sich die Akkus in 42 Minuten von 20 auf 80 Prozent aufladen. Die üblichen Assistenzsysteme stehen auch bei Kia zur Wahl; Kollisionswarner, Spurhalteassistent und Abstandstempomat gehören zur Serienausstattung. Außen wagt der E-Niro keine Experimente, lediglich auf den beim E-Auto unnötigen Kühlergrill verzichtet Kia. Der Innenraum kommt mit digitalen Instrumenten und einem großen zentralen Bildschirm modern daher. Das Platzangebot auf der Rückbank ist für ein Kompakt-SUV überraschend großzügig. Kaufargument für Pragmatiker: sieben Jahre Garantie – auch auf die Akkus.


 

E.Go Life

Ein elektrischer Stadtflitzer für wenig Geld – das ist die Idee des Aachener Start-ups E.Go. Klingt einleuchtend, schließlich sind die meisten Autofahrer nicht mehr als 100 Kilometer pro Tag unterwegs. Das ist auch die Entfernung, die der Life mit dem kleinsten zur Wahl stehenden Akku (14,9 kWh) im Stadtverkehr ganz locker schafft. Um den Preis von 15.900 Euro zu erreichen, haben die Macher fast nur Teile benutzt, die es schon gab – und kaum etwas selbst entwickelt. Niedlich sieht der Life aus, mit Scheinwerfern wie Kulleraugen und einem knackig-kurzen Heck. Dass diese Formensprache bei Stadtautos ankommt, hat der Twingo von Renault schon Anfang der 1990er-Jahre bewiesen. Ansonsten setzt der Life ganz auf Funktionalität und Minimalismus: Die Karosserie besteht aus Kunststoff, im Innenraum gibt es zwar ein Infotainmentsystem, aber sonst ist die Auswahl an Schaltern auf das Notwendigste reduziert. Ganz auf Komfort verzichten muss der Fahrer allerdings nicht, eine Klimaanlage etwa ist mit an Bord. Auch Platz gibt es genug, jedenfalls vorn. Auf der Rückbank wird es eng, dort können maximal zwei halbwüchsige Mitfahrer einigermaßen bequem sitzen. Kein Wunder, misst das ganze Auto doch gerade mal 3,34 Meter – perfekt für die oft engen Parkplätze in Innenstädten. Die Fahrleistungen sind Preis und Motorisierung angemessen: Das Einstiegsmodell beschleunigt in 7,7 Sekunden, allerdings nur bis auf Tempo 50. Bei 116 Stundenkilo­metern ist dann endgültig Schluss. Die stärkste Variante des Life bietet mit 184 Kilometern mehr Reichweite, kostet aber auch 4.000 Euro mehr. Dann sprintet der Flitzer auch bis Tempo 150.


 

Tesla Model 3

Wer Elektroauto hört, denkt an Tesla. Das US-Unternehmen mit Sitz in Kalifornien hat sich seit seiner Gründung 2003 kon­sequent der rein elektrischen Mobilität verschrieben – und die soll mit dem neuen Model 3 nun auch für die breite Masse erschwinglich sein. Dieses Versprechen einzulösen, gelingt Tesla nur bedingt: Die günstigste der vorerst hierzulande verfügbaren Versionen kostet 56.400 Euro. Dafür erwirbt der Käufer einen äußerst sportlichen Auftritt. Geduckt steht der Tesla auf der Straße, mit wenigen Kanten und einem Dach aus Glas. Von vorn sieht das Auto nach Sportwagen aus, erinnert das Design an einen Porsche. Was das Äußere verspricht, löst der Tesla mit 351 PS, einem Spitzentempo von 233 Stundenkilo­metern und einer Beschleunigung auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden tatsächlich ein. Sportliche Fahrer kommen also voll auf ihre Kosten. Alltagstauglich ist das Auto gleichwohl: Mit einer Stromladung sind 560 Kilometer Reichweite drin. Die marken­eigene Infrastruktur von Ladesäulen („Supercharger“) sorgt mit Ladeleistungen von bis zu 120 Kilowatt zudem dafür, dass Ladepausen überschaubar bleiben. Auf der Rückbank finden zwei Erwachsene Platz, wenn auch etwas beengt. Im Innenraum fällt vor allem der riesige Touchscreenmonitor auf der Mittel­konsole auf, über den sich fast alles im Auto bedienen lässt. Wichtige Funktionen sind dort über eigene Knöpfe direkt abrufbar, etwa Lautstärkeregelung oder Sitzheizung. Wo andere Hersteller eine Armada von Assistenzsystemen anbieten, hat Tesla im Wesentlichen eines: Es heißt Autopilot. Allzu wörtlich darf man den Namen zwar nicht nehmen, aber es ist dennoch verblüffend, wie das Auto mit seiner Hilfe selbstständig über die Autobahn gleitet und sogar Überholmanöver meistert.

Schlagworte: Autoquartett, Autokauf, Auto, Automobile, Elektroautos

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