Fuhrpark: Steuervorteile für Stromer

Flottenverantwortliche sollen E-Autos in die Fuhrparks integrieren. Doch die Kaufanreize für elektrische Dienstwagen sind bescheiden. Die Bundesregierung will nachbessern.

Von Ralf Kalscheur 04.08.2015

Elektroautos sind so leise, man hört sie kaum. Zu sehen sind die Stromer auch eher selten, denn es sind nicht allzu viele davon unterwegs auf den deutschen Straßen. Sie sind vergleichsweise teuer, die Reichweiten sind gering und Ladestationen noch rar. Bis zum Jahr 2020 sollen trotzdem eine Million E-Autos im Verkehr sein, so hat es sich die Bundesregierung vorgenommen und das hochgesteckte Ziel auf der Nationalen Elektromobilitätskonferenz im vergangenen Juni zuletzt noch einmal bekräftigt. Doch ein Blick auf die Zulassungszahlen zeigt die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit: Von den rund drei Millionen Neuwagen, die im Vorjahr zugelassen wurden, waren laut Kraftfahrt-Bundesamt nur 8.422 E-Autos. Das entspricht einem Anteil von mageren 0,3 Prozent. Das Missverhältnis wird auch nicht viel besser, wenn man die 4.527 neu angemeldeten Plug-in-Hybrid-Fahrzeuge hinzuzählt, die mittlere Strecken rein elektrisch zurücklegen können.

Staatliche Kaufprämien für Privatkunden hatte die Bundesregierung bislang abgelehnt. Stattdessen sollen Privilegien wie kostenfreie Parkplätze oder die Nutzung von Busspuren den Absatz der E-Autos ankurbeln. Doch diese Maßnahmen allein werden die Elektromobilität nicht in die eigentlich schon für 2014 geplante „Markthochlaufphase“ führen. Darum soll nun nachgebessert werden: Im Gespräch seien drei Milliarden Euro Fördergeld bis 2020, berichtete das Handelsblatt unter Berufung auf Regierungskreise. Das Finanzministerium kündigte unterdessen an, Sonderabschreibungen für Elektroautos in öffentlichen Flotten und Fuhrparks zu prüfen. Im ersten Jahr sollen 50 Prozent der Anschaffungskosten steuerlich abgeschrieben werden können. Das fordern Fuhrparkentscheider schon lange, ihnen kommt eine entscheidende Rolle für den Erfolg des E-Autos zu. Kaum 40 Prozent der Neuwagen wurden bis Ende 2014 noch von Privatleuten gekauft, die Zahl der gewerblichen Zulassungen überwiegt deutlich.

Nachbarländer haben Nase vorn

„Der Gesetzgeber muss endlich mehr unternehmen, um Elektromobile attraktiv zu machen“, sagt Sebastian Fruth, Vertriebschef des Flottenmanagement-Dienstleisters Arval: „Im Ausland werden alternative Antriebe längst stärker gefördert.“ In den Niederlanden und Norwegen etwa ist der Marktanteil von steckdosentauglichen Pkw um ein Vielfaches höher als hierzulande, auch Großbritannien und Frankreich haben die Nase vorn. Jährlich lässt der Leasinggeber für die Studie „Fuhrpark-Barometer“ die Branche befragen; für die im Mai veröffentlichte Ausgabe 2015 wurden über 3.600 Flottenverantwortliche in zwölf europäischen Ländern interviewt. Ein Ergebnis: 41 Prozent der befragten größeren europäischen Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitern gaben an, alternative Energien wie Elektro- und Hybrid-Antriebe im Fuhrpark einzusetzen. Bei den deutschen Unternehmen gaben dies 31 Prozent der Befragten an. „Wer es sich leisten kann, sollte testweise schon mal solche Fahrzeuge integrieren“, rät Fruth.

Mit gutem Beispiel fährt jedoch selbst die Bundesregierung nicht voran. Ihre Antwort auf eine aktuelle Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stephan Kühn offenbarte: Nur in vier von 17 Fuhrparks der Bundesministerien und -behörden wurden seit 2013 mindestens zehn Prozent der Verbrenner durch Elektroautos ersetzt. Die Regierung hält ihre eigene, im Regierungsprogramm Elektromobilität beschlossene Fuhrparkvorgabe nicht ein.

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Elektroautos, Fuhrpark, Subvention

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