Fuhrpark: Leasing statt Kauf

Leasing entlastet die Bilanz und schont die Liquidität. Bei der Anschaffung eines Firmenwagens entscheiden sich deshalb viele Handelsunternehmer für diese Finanzierung. Was beim Vertragsabschluss zählt.

Von Eva Neuthinger 19.05.2016

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Kraftfahrzeughändler Manfred Wildmoser empfiehlt seinen Firmenkunden in den allermeisten Fällen, neue Firmenwagen zu leasen statt zu kaufen. „Die Entwicklung der Restwerte in den vergangenen Jahren wirkt sich für die Leasingnehmer äußerst positiv aus“, meint der Geschäftsführer der Wildmoser GmbH & Co. KG in Wangen mit vier Betriebsstätten in Baden-Württemberg und Bayern. Überdies profitieren die Fuhrparkbetreiber von der anhaltenden Niedrigzinsphase. „Unterm Strich können wir die Fahrzeuge deshalb zu äußerst günstigen Konditionen anbieten“, sagt Wildmoser.

Darüber hinaus entlastet Leasing die Bilanz. Denn die monatlichen Raten sind nichts anderes als eine Nutzungsgebühr. Die Kreditlinie des Einzelhandelsunternehmens bleibt unberührt. „Für die Firmen ergibt sich mit Blick auf sämtliche Kosten, also die Anschaffungs-, Betriebs- und Prozesskosten, die ein Fuhrpark verursacht, im Vergleich zum Kauf ein deutliches Einsparpotenzial“, meint Harald J. Frings, Experte der Deutschen Leasing in Bad Homburg. Das scheinen viele Unternehmer ähnlich zu sehen. Rund ein Drittel der Leasingverträge entfällt nach der Statistik des Bundesverbandes der Deutschen Leasinggesellschaften auf den Bereich Kraftfahrzeuge.

Angebote vergleichen

Im vergangenen Jahr stieg das Flotten-Leasing-Neugeschäft um 6,55 Prozent auf 32,84 Milliarden Euro. 80 Prozent davon gehen auf das Konto von Pkw, 20 Prozent auf Nutzfahrzeuge. Der Anteil des gewerblichen Kfz-Leasings am Gesamtmarkt liegt bei 86 Prozent. Das Interesse vonseiten der Firmen ist also groß. Um zum besten Vertrag zu kommen, sollten Handelsunternehmer allerdings einige Regeln beachten.

Das oberste Gebot lautet: mehrere Angebote einholen und die Vertragsbedingungen akribisch vergleichen. Ab 50 Fahrzeugen sollte eine professionelle Ausschreibung erfolgen. Der Verband der markenunabhängigen Fuhrparkmanagementgesellschaften (VMF) bietet dazu eine Standardvorlage, die an die Bedürfnisse jeder Firma angepasst werden kann. Aber auch Makler und Leasingberater können unterstützen und den Prozess optimieren.

Im ersten Schritt konfigurieren Unternehmer vorab immer ihre Wunschfahrzeuge. Danach bestimmt der Firmenchef, wie er den Transporter nutzen will und was nach Ablauf der Laufzeit damit passieren soll. Davon hängt die Art des Leasingvertrags ab. Transporter nutzen sich bis zum Ende der Laufzeit in der Regel stärker ab als ein Chefauto. „Es kann sich dann anbieten, einen Vertrag mit einem entsprechend geringen Restwert zu wählen und das Fahrzeug am Ende der Laufzeit von der Leasinggesellschaft zu übernehmen“, erklärt Sven Romberg, Experte der Gesellschaft leasinGo in Osnabrück, einer Tochtergesellschaft des Maklerunternehmens FM Leasingpartner. Das Restwertrisiko trägt dann der Einzelhändler – er hat dafür aber auch keine Diskussionen über erhöhten Verschleiß und Schäden zu führen.

Anders verhält es sich beim Kilometervertrag: Die Leasingraten berechnen sich nach dem Anschaffungspreis, der Bonität der Firma, der Laufzeit des Vertrags sowie der jährlichen Kilometerleistung. Diese Variante wählen Unternehmer, die ihren Fuhrpark immer auf dem neuesten Stand halten wollen. Der Leasingnehmer stellt der Gesellschaft am Vertragsende das Auto wieder zur Verfügung. „Die Berechnungsgrundlage für Schäden, die während der Laufzeit entstehen können, sollte klar geregelt sein“, so Frings.

Am besten wird ein Rücknahmeprotokoll erstellt, das zum Beispiel Beulen oder Macken dokumentiert. Kulante Leasinggesellschaften setzen nur bei sicherheitsrelevanten Mängeln die vollen Reparaturkosten an, „ansonsten nur den Wert, um den sich der Verkaufswert des gebrauchten Fahrzeugs tatsächlich durch den nutzungsbedingten Schaden verringert“, erläutert Frings.


„Das Full-Service-Leasing schafft Flexibilität, Ressourcenfreiräume und Kosteneffizienz für den Einzelhändler.“ Harald J. Frings, Experte der Deutschen Leasing


Gesamtkosten im Blick haben

Die Angebote der Leasinggeber unterscheiden sich auch wesentlich beim Full-Service-Leasing. Fuhrparkmanager sorgen hier für die Zulassung der Fahrzeuge, organisieren einen günstigen Versicherungsschutz, wickeln die Kfz-Steuer oder die GEZ-Anmeldung ab. „Outsourcing lohnt sich schon bei kleinen Flotten – auch schon ab zehn Fahrzeugen. Das Full-Service-Leasing schafft Flexibilität, Ressourcenfreiräume und Kosteneffizienz für den Einzelhändler“, meint Frings. Die Buchhaltung sowie das Controlling werden entlastet – der Leasinggeber kontrolliert die fixen und variablen Kosten im Fuhrpark.

Faustregel: „Wer die Nutzung, die Kilometer und den Zustand eines Fahrzeugs am Ende eines Zeitraums einschätzen kann, der ist gut mit einem Kilometerleasingvertrag oder einem Full-Service-Leasingvertrag eines Herstellers bedient“, erläutert Romberg. Diese Variante wird auch meistens gewählt.

Prinzipiell gilt: Handelsunternehmer sollten sich über den Einsatz ihrer Fahrzeuge vor Vertragsunterschrift Gedanken machen und die einzelnen Leasingraten nicht isoliert sehen, sondern immer die Rahmenbedingungen sowie die Gesamtkosten für die Nutzungsdauer im Blick haben.

Was Full-Service-Leasing bringt

Unternehmer können bei Leasinggesellschaften einen All-inklusive-Vertrag abschließen und damit das gesamte Fuhrparkmanagement ausgliedern. Zwei Optionen stehen zur Wahl.

Geschlossener Vertrag: Beim Full-Service-Leasing gilt das Prinzip „alles aus einer Hand“ – Finanzierung, Versicherung und Reparaturen bis hin zur Wartung laufen über den Leasinggeber. Der Unternehmer zahlt jeden Monat eine feste Rate. Damit sind alle Aufwendungen pauschal abgegolten. Die Kalkulationsrisiken liegen beim Leasinggeber. Kraftstoff und Steuern werden aber auch hier separat verrechnet.

Offener Vertrag: Auch bei der offenen Kalkulation zahlt der Firmenchef zunächst jeden Monat eine fest vereinbarte Pauschale. Am Ende der Laufzeit werden die tatsächlich angefallenen Istkosten mit den gezahlten Pauschalen verrechnet. Der Unternehmer hat zwar Kostentransparenz; es drohen aber Nachzahlungen bei erhöhtem Aufwand. Im besseren Fall erhält der Handelschef einen gezahlten Überschuss erstattet.

Schlagworte: Fuhrpark, Fuhrparkmanagement, Leasing

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