Die durch die City düsen

Der Nutzwert kompakter Stadtautos ist häufi g mit Kompromissen zulasten der Ästhetik und der Fahreigenschaften verbunden. Vier Modelle, die zeigen, dass es auch anders geht.

Von Thomas Müller 01.10.2018

© VW

Mercedes A-Klasse

Die neue A-Klasse gehorcht aufs Wort. Als erstes Modell von Mercedes- Benz ist der Kompakte mit dem neuen Multimediasystem MBUX (Mercedes-Benz User Experience) ausgestattet. Dank künstlicher Intelligenz stellt sich das Bedienkonzept individuell auf den Nutzer ein. Angesprochen mit dem Schlüsselwort „Hey, Mercedes“, führt die vierte Generation der A-Klasse Sprachbefehle widerspruchslos aus. Serienmäßig sind zwei sieben Zoll große Displays für Kombiinstrument und Mediadisplay mit Touchscreen verbaut sowie ein Sportlenkrad mit Touch-Control-Buttons, USB-Schnittstelle (Typ C), Bluetooth-Anbindung für Telefonie sowie Audioquellen. Für einen satten Aufpreis von über 3.000 Euro gibt es größere Displays (10,25 Zoll) und erweiterte Navigationsfunktionen, etwa eine durch Augmented Reality ergänzte Kartendarstellung. Ein mithilfe der Frontkamera aufgenommenes Videobild der Umgebung wird dabei um Navigationsinformationen angereichert; so erscheinen zum Beispiel Hinweispfeile oder Hausnummern automatisch direkt auf dem Touchscreen des Mediadisplays. Head-up-Display, Ambientebeleuchtung, LED-Scheinwerfer, ein umfangreiches Fahrassistenzpaket: In puncto Komfort und Sicherheit unterscheidet sich die fast futuristisch ausgestattete Kompaktklasse kaum mehr von den E- oder S-Klassen. Neue Motoren (zum Verkaufsstart zwei Benziner mit 163 und 224 PS sowie ein Diesel mit 116 PS) und das Facelift im aktuellen Mercedes-Design machen das 4,42 Meter lange Einstiegsmodell mit der Haifi schfront zu einem kompakten Edelfl itzer, der Fans lieb und teuer sein dürfte.

VW Up GTI

„Kraftpaket im Kleinformat“: So bewirbt Volkswagen die neue sportliche Variante des Kleinwagens Up, die drei traditionsreiche Buchstaben trägt und vor der Herausforderung steht, aus dem Schatten des Mythos GTI zu fahren. 1976 rollte der erste Golf GTI vom Band, und tatsächlich bestehen zwischen Urtypus und neuem Up einige Parallelen hinsichtlich der Fahrzeugmaße, der Motorleistung und der Beschleunigung. Der Up GTI ist im Vergleich zwölf Zentimeter kürzer (3,62 Meter), hat fünf PS mehr unter der Haube (115 PS), ist 13 km/h schneller (196 km/h) und erreicht Tempo 100 0,2 Sekunden eher (8,8 Sekunden). Doch die von den Wolfsburgern selbst provozierte Gegenüber stellung ist unfair, denn den Legendenstatus des Golf GTI wird der Up nicht erreichen. Der moderne Kleinwagen spricht die jüngeren Zielgruppen von heute an und kann dabei eigene Gestaltungs merkmale in die Waagschale werfen. Heckspoiler, verchromtes Endrohr, abgedunkelte Seiten scheiben und rote Bremssättel unterstreichen die Giftigkeit des Leichtgewichts (1 070 Kilogramm). Mit einem Ko erraumvolumen von immerhin 959 Litern bei umgelegten Rücksitzen und niedrigen Verbrauchsund Emissionswerten sprechen zeitgemäße Argumente für den kleinen Stadtfl itzer.

Ford Focus

Mit der vierten Generation des Focus kündigt Ford nicht weniger als einen „Game-Changer“ an und ruft eine „neue Ära für Europas Mittelklassekunden“ aus. Das selbstbewusste Versprechen der Marketingabteilung korreliert mit der Bedeutung, die der Golf-Konkurrent und Verkaufsschlager mit 20-jähriger Tradition für den Konzern hat. Die Neuaufl age des Modells läuft im Werk Saarlouis als fünftürige Fließhecklimousine, in der elf Zenti meter längeren Kombiversion Turnier sowie – für Märkte außerhalb Deutschlands – auch als viertürige Stufenheck-Limousine vom Band. Ford hat in die Produktionsanlagen 600 Millionen Euro investiert, die sich in einer besonders hochwertigen Verarbeitungsqualität widerspiegeln sollen. Touchscreen, Sprachsteuerung, Head-up- Display oder WLAN-Hotspot sind zeitgemäße Features in einem optisch ansprechend gestalteten und im Vergleich zur Kompaktklassenkonkurrenz großzügig bemessenen Innenraum. Auch das Ko erraumvolumen ist gewachsen, um 25 Liter auf 341 Liter. Der Focus hat es in sich. Die fortschrittlichste Palette von Fahrerassistenzsystemen, die jemals bei einer Ford-Baureihe angeboten wurde, hilft im Notfall beim Ausweichen, leistet bequemen Service beim Einparken und übernimmt beim Mitrollen im Stau die Fahrzeugkontrolle. Zu den Antriebsoptionen gehören kraftsto sparende Dreizylinder-Benzinaggregate (85 bis 182 PS) und EcoBlue-Dieselmotoren (95 bis 150 PS) sowie ein neues Achtgang-Automatikgetriebe. Erstmals habe Ford bei der Fahrzeugentwicklung seine Kunden befragt und ihre Interessen in den Mittelpunkt gestellt, so das Unternehmen. Der neue Focus ist nicht teurer als sein Vorgänger.

Mini Cooper S

Wenn es um Agilität und Fahrspaß im Kleinwagensegment geht, fährt Mini traditionell vorneweg. Die Modellpfl ege gleicht Mini- Updates, die nur aufmerksamen Betrachtern au allen. BMW tut gut daran, das ikonische Design des Flitzers nur behutsam und in kleinen Designschritten zu verändern. Das au älligere Facelift des neuen Minis können die Besitzer stattdessen selbst in die Hand nehmen: Auf der neuen Website yours-customised.mini stehen zahlreiche Zubehörteile zur Auswahl, die kreative Nutzer nach eigenem Geschmack gestalten. Die LED-Einstiegsleisten oder das Handschuhfach lassen sich etwa mit individuellen Mustern verschönern. Namenszüge oder Sprüche fi nden Platz auf Seitenspiegeln oder in den Blinkern, die Rücklichter beleuchten den Union Jack. Die Möglichkeiten der Personalisierung sind vielfältig und die angebotenen Komponenten unkompliziert austauschbar. Die trendbewusste Mini-Gefolgschaft dürfte die originelle Customising-Idee goutieren. Auch auf der technischen Seite prescht der bayerische Brite nicht ungestüm nach vorn. Für den neuen Mini gibt’s nun für einen Aufpreis von 1.800 Euro ein siebenstufi ges Doppelkupplungsgetriebe. Das Lenkrad hat Multifunktionstasten, das modernisierte Infotainmentsystem ein größeres 6,5-Zoll- Farbdisplay. Ein neuer 1,5-Liter-Dreizylinder-Benzinmotor, der etwas mehr Drehmoment entwickelt und weniger verbraucht, steht mit 75 und 102 PS zur Auswahl. Zwei stärkere Aggregate (136 und 192 PS) sowie drei Dieselmotoren mit 95, 116 und 170 PS komplettieren die Palette.

Schlagworte: Auto, Autoquartett, Fuhrpark

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