Vier gewinnt

Stadtstromer

Um die Konjunktur in der Coronakrise anzukurbeln, fördert der Staat den Kauf eines Elektro-Autos mit bis zu 6.000 Euro. Ein Grund mehr, auf den klimafreundlichen E-Antrieb umzusteigen. Vier Neulinge, die ein elektrisierendes Fahrerlebnis im Großstadtdschungel bieten.

Von Thomas Müller 07.08.2020

© Hersteller

Mini Cooper SE

Opel Corsa-e

Opel nimmt einen zweiten Anlauf für eine Elektro-­Offensive: Nachdem den Rüsselsheimern mit dem Ampera kein großer Wurf gelungen ist, soll es nun die elektrifizierte Version des Bestsellers Corsa richten. Von außen wirkt der Stadtflitzer unauffällig, nur Details wie ein kleines „e“ hinter der Typbezeichnung und fehlende Auspuffrohre verraten das Elektroauto. Im Innenraum gibt sich der Kleinwagen erwachsen: Platz ist überall ausreichend vorhanden. Und trotz der im Unterboden verbauten Batterien lässt sich der Fahrersitz auch für groß gewachsene Menschen bequem einstellen. Das Infotainmentsystem wird über einen zeitgemäßen 10-Zoll-Touchscreen bedient; die Instrumentenanzeige ist volldigital und lässt die Wahl zwischen verschiedenen Darstellungen und Informationsquellen. Der Kofferraum fasst mit 267 Litern rund 40 Liter weniger als bei den Versionen mit Verbrennungsmotor – alltagstauglich ist der Corsa-e damit aber allemal. Apropos: Mit seinen 50 Kilowattstunden fassenden Akkus schafft der Kleine eine Strecke von rund 330 Kilometern und ermöglicht damit auch kleine Reisen ohne Reichweitenangst. Voraussetzung ist allerdings, dass der Fahrer die 136 Elektro-PS mit Bedacht einsetzt. Zwar gewinnt der Corsa beim Bremsen und – je nach Rekuperations-Einstellung – auch beim Ausrollen Energie zurück, aber wer im Sportmodus Ernst macht und in 8,1 Sekunden auf 100 Stundenkilometer beschleunigt, muss deutlich früher eine Zwangspause einlegen. Kein Drama, denn an der 100-kW-Schnellladesäule tankt der Stromer innerhalb von 30 Minuten wieder 80 Prozent Ladung auf. In der heimischen Garage mit Wallbox stehen die Akkus in fünf bis sieben Stunden wieder voll im Saft. Der Corsa-e steht seit Kurzem beim Händler zu Preisen ab rund 29.000 Euro.

VW ID.3

Mit dem vollelektrischen ID.3 geht Volkswagen neue Wege. Das zeigt sich schon beim Karosseriedesign: Da kein Platz für Verbrennungsmotor und Getriebe eingeplant ist, fällt die Frontpartie sehr kurz aus, der Radstand dafür mit 2,77 Metern sehr lang. Was von außen für einen dynamischen Auftritt sorgt, schafft im Innenraum Platz – die fehlende Mittelkonsole unterstreicht das üppige Raumgefühl. Der Kofferraum fasst mit 385 Litern so viel wie ein Golf. Ein Sprachassistent, der auch ganze Sätze versteht, und ein leuchtendes Band unterhalb der Frontscheibe, das die Gesprächsbereitschaft des ID.3 anzeigt, sorgen für die richtige Portion Futurismus. Je nach Version schafft der Elektro-Volkswagen mit einer Akkuladung 330, 420 oder 550 Kilometer Strecke. Ladepausen dauern an 100-kW-Säulen nicht viel länger als das Austrinken eines großen Kaffees. Die Top-Version mit 204 PS bringt sportlich ambitionierten Fahrern Spaß, zumal der ID.3 mehrfaches Beschleunigen ohne Leistungseinbußen wegsteckt. Im September geht es mit der First Edition des ID.3 zu Preisen ab rund 39.000 Euro los in Richtung Zukunft.

Mini Cooper SE

Der seit 2001 von der BMW Group gebaute Mini bleibt seinem Vorbild, dem gleichnamigen britischen Kleinwagen, treu: In ein Retro-Blechkleid gehüllt, kommt er sportlich daher, auch in der vollelektrischen Version S E. Kleine Veränderungen verraten das E-Auto: Der Kühlergrill ist fast geschlossen und am Heck sitzt eine Abrisskante anstatt der Auspuffanlage. Um die Batterien an Bord unterzubringen, ist der Mini 1,8 Zentimeter in die Höhe gewachsen – so mussten Innen- und Kofferraum nicht schrumpfen. 211 Liter Kofferraumvolumen sind nicht üppig, aber ausreichend bemessen. Auch beim Bedienkonzept wagt Mini keine Experimente: Digitale Instrumente fassen die wichtigsten Informationen zusammen und ändern je nach Fahrmodus – Green, Mid oder Sport – die Farbe. Mit einer Akkuladung schafft der Mini bis zu 270 Kilometer. 184 PS und ein dank der Akkus noch tiefer gelegener Schwerpunkt laden allerdings eher zu sportlichem Fahren, statt zum Energiesparen ein. Gut, dass an Schnellladesäulen binnen 30 Minuten wieder 80 Prozent der Reichweite zur Verfügung stehen. Seit Kurzem steht der Mini zu Preisen ab rund 32.000 Euro beim Händler.

Fiat 500

Der kleine Fiat 500 hat eine treue Fangemeinde – und die soll für das elektrische Fahren gewonnen werden, so die Überlegung am Firmensitz in Turin. Die Karosserie bleibt mit kurzen Überhängen und vielen Rundungen dem Originaldesign treu, ebenso wie die prägnante Motorhaube. Das Wachstum von sechs Zentimetern in Länge und Breite sorgt im eleganten Innenraum für mehr Platz, der Kofferraum fasst nun immerhin 200 Liter. Nette Extras: Viele Funktionen lassen sich auch per Smartphone-App bedienen, zahlreiche Assistenzsysteme ermöglichen sogar teilautonomes Fahren. Bis zu 320 Kilometer schafft der flotte Italiener mit einer Ladung. Für maximales Ausnutzen der Energie sorgt der „Sherpa“-Modus, in dem die Höchstgeschwindigkeit auf 80 Stundenkilometer gedrosselt ist. Geht der Strom zur Neige, reichen 35 Minuten an der Schnellladesäule für das Auffüllen auf 80 Prozent der Kapazität – die Wallbox für zu Hause liefert Fiat gleich mit. Die zum Start verfügbare Version des Kleinwagens kostet als Limousine rund 34.000 Euro und kann bereits reserviert werden. Die Auslieferung soll dann ab Oktober erfolgen.

Schlagworte: Fuhrpark, Elektroautos

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