Testfahrt

Schwede mit sauberem Doppelherz

Hybride sind die Dienstwagen der Stunde: Das Angebot an Modellen ist groß, die Preise sind niedrig. Zeit für einen Wechsel – zum Beispiel auf einen Plug-in-Hybrid wie den Volvo XC40.

Von Frank Heide 13.08.2020

© Volvo

Der Volvo XC40

Zwar haben Hybride schon 2019 Rekord-Zulassungszahlen in Deutschland verzeichnet, doch im Jahr 2020 profitieren Kunden in besonderem Maße davon, dass sich die Preispolitik der Hersteller stärker an drohenden Strafzahlungen aus Brüssel ausrichtet. In diesem Jahr wird es nämlich ernst mit den CO2-­Emissionsgrenzen der EU, die bei Nicht­einhaltung hohe Strafen nach sich ziehen. Jedes Gramm oberhalb der 95-­Gramm-­Grenze pro Fahrzeug wird mit 95 Euro berechnet.

Die beste Möglichkeit, solche Strafen zu verringern oder zu vermeiden, liegt aktuell im Verkauf von Fahrzeugen, die weniger als 50 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Neben den emissionsfreien Elektroautos fallen auch die meisten Plug-in-Hybride (PHEV) in diese Kategorie. Denn dank einer starken Gewichtung elektrischer Fahranteile werden die Plug-in-Hybride mit sehr niedrigen Verbrauchswerten eingestuft.

Ein mittelgroßes SUV wie unser Testwagen Volvo XC40 T5 Twin Engine als PHEV wird zum Beispiel mit nur 41 Gramm pro Kilometer taxiert und als Teilzeitstromer zudem doppelt in der Gesamtbilanz für 2020 angerechnet. Ergebnis: Der Flottenverbrauch des Herstellers sinkt. Kein Wunder also, dass schon in fünf Jahren jeder zweite verkaufte Volvo ein E-Auto sein soll.

Aus Twin Engine wird Recharge

So bekam unser Testwagen namens T5 Twin Engine gerade erst noch einen kleinen Bruder zur Seite gestellt, den XC40 T4 Re­charge, der ein bisschen schwächer und etwas preiswerter ist. Er trägt im Namen schon ein Stück Zukunft, denn die Bezeichnung Twin Engine wird Volvo ab dem Modelljahr 2021 auch für den T5 PHEV zugunsten von Recharge aufgegeben.

Beiden Modellen gemeinsam ist die Antriebskombination aus einem 180 PS starken 1,5-Liter-Dreizylinder-Benziner und einem E-Motor, der 60 kW beziehungsweise 82 PS leistet. Die T5-Systemleistung von 262 PS wird per Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe an die Vorderräder geleitet. Damit sprintet der mindestens 1,8 Tonnen schwere Fünftürer in 7,3 Sekunden auf Tempo 100. Die Höchstgeschwindigkeit liegt ab Modelljahr 2021 – wie bei den meisten neuen Volvos – bei Tempo 180, die Drosselung ist dem Sicherheitsversprechen des Unternehmens geschuldet.

Wie bei Plug-in-Hybriden üblich, kann auch der XC40 T5 dank 10,7 kWh großer Batterie bis zu 45 Kilometer rein elektrisch fahren. Ideal also, um etwa die Dienstreise in der Innenstadt emissionsfrei zu beenden oder als Frühaufsteher lautlos und nachbarschaftsverträglich aus der heimischen Garage zu rollen.

Ruckelfreies Motorenzusammenspiel

Das Gegenteil von lautlos, so stellt man bei durchgetretenem Gaspedal fest, ist der kernige Dreizylinder-Benziner, der sich akustisch nicht versteckt. Sein Drehmoment reicht aus, um die Passagiere in die durchaus sehr bequemen Sitze zu pressen. Das Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe passt sich in allen Fahrmodi absolut ruckelfrei dem Zusammenspiel der beiden Motoren an. Wenn beide Aggregate an den Vorderrädern zerren, erreicht das Drehmoment satte 425 Newtonmeter – allerdings kommt man dann noch weniger als sonst auf den vom Hersteller errechneten Durchschnittsverbrauch von zwei Litern auf 100 Kilometer.

Dass Volvo zu Recht Premiumpreise für seine Fahrzeuge aufruft, macht der in schicker Zweifarblackierung vorfahrende Testwagen in verschiedener Hinsicht klar: So bietet er auch auf den hinteren Plätzen zwei Erwachsenen ordentliche Kopf- und Kniefreiheit. Vorn ist ausstattungs- und verarbeitungsmäßig sowieso alles vom Feinsten – bis auf die Abwesenheit eines Head-up-Displays.

Volvo bietet zudem automatisierte (Selbst-)Fahrfunktionen namens Pilot Assist, die traumhaft leicht zu bedienen sind und im Alltag stets sehr sicher und zuverlässig funktionierten. Zur Entspannung der Passagiere trägt auch das mit nordischer Coolness aufgeräumte, klar gegliederte Cockpit bei, in dem lediglich die Bedienung des zentralen Touch-Displays ein längeres Studium erfordert.

Komfortabstriche bei hohem Tempo

Ladekabel für öffentliche Säulen und heimische Steckdose sind natürlich an Bord, und die im Alltag aufgezeichneten Ladezeiten für den Hybrid verdienten die Note „gut“. Auch das spezielle Hybrid-Display, das die effiziente Kooperation der beiden Motoren erleichtern soll, gefällt. Der T5-Pilot kann darüber etwa die Batteriekapazität für spätere Fahrtabschnitte „einfrieren“ oder den Benziner bitten, den Akku nachzuladen beziehungsweise auf E-Antrieb zu schalten, was bis Tempo 125 funktioniert.

Komfortabstriche muss man im T5 Twin Engine nur bei hohem Reisetempo machen, dann nagelt der kleine Benziner recht laut. Der Blick in den Kofferraum macht außerdem klar, dass Volvos Raumriesen der Vergangenheit angehören, heute ist eher Lifestyle angesagt. Im Testwagen, der mit einigen Extras an Bord sozusagen im Eiltempo über die 60.000-Euro-Marke schoss, passen aber immerhin zwischen 460 und 1 336 Liter. Der große Bonus der XC-Reihe ist sicher ihr eigenständiges Design, das das kleinste der Volvo-SUV sehr frisch und modern wirken lässt.

Heides Testurteil

Wenn schon Hybrid, dann aber bitte mit Ladekabel! So schrumpfen Reichweitensorgen auf ein Minimum, schon die rein elektrische Leistung reicht manchen Pendlern für den Berufsweg. Der T5 ist chic und ein bisschen cool, aber auch teuer. Mit leiserem Motor, Allradantrieb und Head Up Display wäre er noch besser.

Volvo XC40 Antrieb: 1,5-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner-Frontmotor mit 132 kW/180 PS, Elektromotor mit 60 kW/82 PS

Leistung: 192 kW/262 PS

Beschleunigung: 0–100 km/h: 7,3 Sek.

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h (abgeregelt)

Normverbrauch: 1,8–2,4 l

elektrische Reichweite: 45 km

CO2-Ausstoß: 41 g/km

Preis: ab 49.000 Euro

Schlagworte: Autokauf, Auto

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