Schritt halten

Hard- und Softwareprodukte haben eine kurze Haltbarkeit. IT-Leasing erweist sich daher oft als sinnvollster Finanzierungsweg. Welche Modelle sich anbieten und was beim Vertrag relevant ist.

Von Eva Neuthinger 11.12.2018

© iStockphoto/Yücel Yilmaz

Der Druck wird größer: In den kommenden zwei Jahren wollen rund 40 Prozent der Einzelhändler in die Digitalisierung investieren. Die meisten reagieren damit auf den Markt. Fast 41 Prozent sind von ihren Endkunden gefordert, digitale Produkte und Dienstleistungen anzubieten. Das geht aus einer aktuellen Befragung der KfW-Bankengruppe hervor.

Die Finanzierung erfolgt in der Regel aus der eigenen Tasche. Nur rund zehn Prozent der Einzelhändler wollen Digitalisierungsprojekte über die Hausbank fremdfinanzieren. Etwa neun Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen nehmen kurzfristige, drei Prozent langfristige Darlehen auf. Hintergrund: Digitalisierungsprojekte umfassen in der Regel nur zu einem geringen Teil Investitionen in Sachanlagen. Schwerpunkte liegen vielmehr auf immateriellen Wirtschaftsgütern, wie etwa Software. “Das erschwert eine klassische Kreditfinanzierung“, sagt Juliane Gerstenberger, Studienleiterin der KfW-Bankengruppe.

Leasing kann daher die bessere Alternative sein. Immerhin 27 Prozent der kleinen und mittleren Unternehmen finanzieren ihre Projekte auf diesem Wege – entweder über einen unabhängigen Finanzdienstleister, über den Hersteller oder über eine Tochtergesellschaft der Hausbank – Tendenz steigend. „Die zunehmende Digitalisierung der Wirtschaft könnte dem Potenzial des Leasinggeschäftes deutlich Schwung verleihen“, prognostiziert Gerstenberger.

Kurze Abschreibungsfristen

Das hat Gründe: Die Nutzungsdauer moderner IT beträgt mitunter nur wenige Jahre. „Ein entscheidender Vorteil des IT-Leasings sind kurze Abschreibungsfristen, die es erlauben, die geleaste Technik bereits nach 40 Prozent der gewöhnlichen Nutzungsdauer steuerlich abzusetzen und am Ende der Laufzeit zurückzugeben. Einzelhändler können einerseits technisch auf dem neuesten Stand bleiben und andererseits ihre Liquidität schonen“, erklärt Ralf Marquardt, Chef der Leasinggesellschaft FML mit Sitz in Hamburg. Zudem ergeben sich im Vergleich zum Kauf bilanzielle Vorteile: Die Leasingobjekte können beim Leasinggeber aktiviert werden, sie tauchen dann in der Bilanz des Leasingnehmers nicht auf.

Überdies lassen sich die Leasingraten entsprechend der Nutzung gestalten. „Schon seit den Anfangsjahren des Leasings ist das Element ,Pay as you earn‘ Teil der DNA des Leasinggeschäfts. Dieses wird deutlich zunehmen. Das lässt sich ja ebenso im privaten Bereich beobachten: Ob Streaming oder Clouddienste – bei all diesen Anwendungen spielt Eigentum keine große Rolle mehr, allein die Nutzung entscheidet. Und genau das ist und wird Kern vieler Konzepte in der Zukunft sein“, meint Kai Ostermann, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Leasing AG. Beim „Pay as you earn“ werden die Leasingraten direkt aus den Einnahmen des Investitionsobjektes erwirtschaftet. Entsprechend sind die Verträge individuell und flexibel zugeschnitten.

„Wenn es betriebswirtschaftlich notwendig ist, lösen wir im gegenseitigen Einvernehmen auch vor Ablauf der Laufzeit Verträge wieder auf“, sagt Marquardt. Die FML Leasing will nichts im Unternehmen ihrer Kunden lassen, das keinen Nutzen mehr bringt. In der Regel arbeitet die Gesellschaft mit Vollamortisationsverträgen, bei denen die Firma zum niedrigen Restwert das Gut später übernehmen kann oder es eben einfach zurückgibt. Die FML kümmert sich dann darum, dass die Daten professionell gelöscht werden. „Wir verwerten das Leasinggut später über ein Auktionshaus weiter“, erklärt Marquardt.

Die Deutsche Leasing Gruppe engagiert sich bei Bedarf von den ersten Planungsschritten über die Anschaffung des Objekts sowie die Versicherung der IT-Systeme bis hin zur umweltgerechten Entsorgung der ausgedienten Hardware. Nach der Bestellung übernimmt sie zudem sämtliche nachgelagerten administrativen Prozesse, wie etwa die Inventarisierung der Hardware. Am Ende der Laufzeit sorgt das Unternehmen ebenfalls für die zertifizierte und sichere Datenlöschung nach nationalen und internationalen Standards.

Angebotsvergleich lohnt sich

Die Leistungspalette der Anbieter geht also über die Finanzierung weit hinaus und unterscheidet sich von Anbieter zu Anbieter: Einzelhändler sollten sich deshalb vorab genau überlegen, welche Leistungen sie rund um das Objekt zusätzlich benötigen – um die für sie passgenaue Vertragsvariante zu filtern (siehe Kasten). Dabei kann die Plattform Compeon unterstützen. Der Finanzdienstleister arbeitet mit mehr als 220 Finanzierungspartnern zusammen. Firmenchefs können unverbindlich und kostenlos ihre Finanzierungsanfrage stellen und Compeon vergleicht die Offerten der gelisteten Anbieter.

„Durch unseren Service nehmen wir den Unternehmern eine Menge Arbeit ab. Die Sichtung diverser IT-Leasing-Angebote ist mit einem hohen Arbeits- und somit auch großen Kostenaufwand verbunden“, meint Frank Wüller, Geschäftsführer Compeon. Egal wie: Vergleichen lohnt sich – in jedem Fall.


Worauf bei der Wahl eines Leasingpartners zu achten ist:

• Unternehmen sollten darauf achten, dass der Leasingvertrag eine Erweiterungsmöglichkeit beinhaltet. So können Unter­nehmer während der Laufzeit des Leasings auf neuere Versionen von Hard- und Software umsteigen.

• Die Zahlungen sollten mit der Inbetriebnahme der Systeme beginnen. So fallen auch Vorlaufkosten im IT-Bereich, wie beispielsweise Projektierung oder Beratung, erst ab diesem Zeitpunkt an.

• Der Dienstleistungsanteil kann bis zu 75 Prozent eines Softwareprojektes ausmachen. Es gibt Gesellschaften, die diverse Zusatzleistungen komplett in den Vertrag integrieren, andere setzen Obergrenzen. Das sollte mit abgefragt werden.

• Niedrige Raten bedeuten in der Regel eine lange Laufzeit oder bei Teilamortisationsverträgen einen hohen Restwert. Beim IT-Leasing sollte eher eine kurze Laufzeit gewählt werden.

Schlagworte: Digitalisierung, Finanzierung, IT-Leasing

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