Zeit für Investitionen in die Energieeffizienz

Ob neue Autos auf Ökostrombasis oder bessere Isolierung: Wer in seine Energiebilanz investiert, kann auf Zuschüsse hoffen. Bundesregierung und KfW unterstützen Händler, die ihre Energiekosten senken wollen. Die Förderprogramme werden erheblich ausgeweitet.

Von Martin Jahrfeld 20.06.2016

Die Experten sind sich einig. So günstig, wie die Energiepreise derzeit sind, werden sie langfristig kaum bleiben. Eine aktuelle Befragung des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung unter 200 Energieexperten kommt beispielsweise zu dem Ergebnis, dass die Preise noch vor 2020 spürbar steigen werden. Höchste Zeit für Unternehmer, sich Gedanken über ungenutzte Einsparpotenziale zu machen, und finanzielle Spielräume für Investitionen in eine bessere Energieeffizienz zu nutzen. „Mit Investitionen zur Verbesserung der Energieeffizienz von Betriebsimmobilien und haustechnischen Anlagen gewinnen Handelsunternehmen einen doppelten Bonus. Zum einen können sie Betriebskosten nachhaltig senken, zum anderen entsteht ein imagefördernder Nutzen für Umwelt und Klima“, argumentiert Reinhart Gumlich, Referent im Vertrieb der KfW Bankengruppe.

Unternehmer, die noch unschlüssig sind, dürfen sich durch neue Förderangebote des Bundes ermutigt fühlen. Die Bundesregierung hat sich im Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) zum Ziel gesetzt, die KfW-Programme zum energieeffizienten Bauen und Sanieren weiter auszubauen. Nachdem Anfang des Jahres bereits Verbesserungen für Wohnungsbausanierungen wirksam wurden, sieht der aktuelle Aktionsplan vor, die Förderung für gewerbliche und kommunale Gebäude ab Mitte 2015 durch die KfW auszubauen und zu verbessern.

Energieberater ermittelt Einsparpotenziale

Wer in die Energieeffizienz seines Unternehmens investieren will, hat zahlreiche Möglichkeiten. Neben Sanierung oder Neubau von Betriebs- und Geschäftsimmobilien existiert eine Vielzahl von Einzelmaßnahmen, die dazu beitragen können, dass Strom- und Heizkostenrechnung künftig deutlich niedriger ausfallen: Heiz- und Kühlanlagen zu modernisieren oder zu verbessern, kann ebenso zur Effizienzsteigerung beitragen wie eine neue Beleuchtung oder eine überarbeitete Mess-, Steuer- und Regelungstechnik. Lohnenswert sind häufig auch der Einbau neuer Anlagen für Klima und Raumluft oder der Austausch älterer Anlagen. Energiesparprofis wissen es längst: Abwärme ist ein wertvolles Gut, das nicht ungenutzt bleiben sollte. Händler, die diese Potenziale in ihrem Betrieb ausloten wollen, sollten einen Energieberater in Anspruch nehmen. Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Beratung sowie die Umsetzungsbegleitung durch das Programm „Energieberatung im Mittelstand“. Betriebe mit jährlichen Energiekosten von mehr als 10 000 Euro können einen Zuschuss in Höhe von 80 Prozent der förderfähigen Beratungskosten beantragen. Der Maximalbetrag liegt bei 8 000 Euro. Für Unternehmen, die jährliche Energiekosten von bis zu 10 000 Euro nachweisen können, beträgt der mögliche Förderanteil ebenfalls 80 Prozent, jedoch maximal 800 Euro.

Im KfW-Programm „Energieeffizient bauen und sanieren“ gewährt die Förderbank ab dem 1. Juli neben günstigen Zinssätzen auch Tilgungszuschüsse für Bau oder Sanierung. Die Höhe richtet sich nach dem erreichten KfW-Effizienzhaus-Standard (Details unter www. energie-wissen.info) , wobei ein Sachverständiger die ordnungsgemäße Abwicklung der Maßnahme bestätigt. Unternehmen, die mit Wind, Sonne, Biomasse oder Wasser Energie erzeugen, können die dazu erforderlichen Anlagen mit dem Kredit „Erneuerbare Energien – Standard“ finanzieren. Mit dem „KfW-Umweltprogramm“ wiederum werden Investitionen in Umweltschutz und Nachhaltigkeit gefördert. Dazu gehört die Einsparung von Material und Ressourcen ebenso wie der Kauf gewerblich genutzter Elektro-, Hybrid- und Brennstoffzellenfahrzeuge sowie leichter Fahrzeuge, die mit Biomethan oder Erdgas betrieben werden. Der „KfW-Unternehmerkredit“ zielt darauf, die unternehmerische Tätigkeit zu stärken. Das Programm unterstützt mittelständische Unternehmen und Freiberufler, die seit mindestens fünf Jahren am Markt aktiv sind, bei langfristigen Investitionen und der Finanzierung von Betriebsmitteln (Infos unter www.kfw.de).

Auch für den Lebensmittelhandel dürften die Programme attraktiv sein, wie das Beispiel des Supermarktes Segebrecht in Hannover zeigt, dessen Kühltechnik runderneuert wurde. Außenbereich, Kühltruhen und -schränke werden nun mit LEDs beleuchtet, womit jährlich 48 Prozent Strom gespart werden. Die Innenkühlung wurde modernisiert, was die alte Ölheizung überflüssig machte. Eine neue Kältetechnik speist über Deckenumluftgeräte im Winter ausreichend Abwärme in die Verkaufsräume ein, die dank Zwei-Scheiben-Isolierverglasung nicht entweicht. So spart man jährlich 100 Prozent Brennstoff und 52 Prozent Strom für Kühltechnik.

Schlagworte: Energieeffizienz, Energiekosten, Nachhaltigkeit, KfW, Investition

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