Nachhaltigkeit: Licht und Schatten im Ladenbau

Grüne Marketingbotschaften hin oder her: Auch bei umweltschonenden Ladeneinrichtungen zählen die Kosten. Trotzdem entscheidet sich eine wachsende Zahl von Händlern für nachhaltige Konzepte. Aus guten Gründen.

Von Simone Hübener 11.01.2016

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So sparsam LEDs im Gebrauch auch sein mögen, so schwierig ist bei den meisten die Wiederverwertung.

Für regionale, saisonale und ökologische Produkte bezahlen viele Kunden bereits heute bereitwillig einen im Vergleich zu den konventionellen Alternativen höheren Preis – vor allem, wenn es sich um Lebensmittel handelt. Doch sie erwarten beim Einkauf auch ein ansprechendes und hochwertiges Ambiente. Immer mehr Unternehmen wiederum verankern ihrerseits die ganze Bandbreite nachhaltigen Handelns in ihrer Unternehmensphilosophie. Will man den Kunden gegenüber glaubwürdig sein, muss sich diese Haltung sichtbar in Laden und Ausstattung widerspiegeln. Zu guter Letzt trägt auch der technologische Fortschritt dazu bei, Nachhaltigkeit erschwinglich zu machen, man denke nur an die mittlerweile großflächig eingesetzten LEDs. Waren diese Leuchtmittel vor wenigen Jahren gerade für kleine Händler kaum bezahlbar, rechnet sich ihre inzwischen günstigere Anschaffung allein aufgrund der eingesparten Stromkosten.

Studie belegt Bereitschaft

Der neueste Ladenbaumonitor des Kölner EHI Retail Institute, der im Februar 2014 erschienen ist, verdeutlicht diesen Trend. Berücksichtigten im Einzelhandel im Jahr 2010 nur 21,3 Prozent der Befragten bereits bei der Planung einen geringeren Materialeinsatz und die Verwendung naturbelassener oder recyclingfähiger Materialien, waren es drei Jahre später nach vorläufiger Auswertung bereits 37 Prozent. Noch größer ist der Unterschied bei der Frage, ob sich Nachhaltigkeit „im standardisierten Massengeschäft von Filialisten“ lediglich in Ansätzen realisieren lässt. 2010 meinte dies noch fast die Hälfte, 2013 dachten dies nur noch knapp 20 Prozent.

Doch was können Händler konkret tun, um die eigene Ladeneinrichtung nachhaltiger zu gestalten? Der wichtigste Schritt auf diesem Weg: heute schon an morgen denken. Denn auch in Zukunft wird die hohe Taktfrequenz, mit der sich das Interieur von Stores wandelt, nicht sinken. Daher sollten möglichst viele Komponenten wiederverwendet werden können, wenn der Händler ein neues oder verändertes Konzept realisiert. Der Rest sollte recycelbar sein und nicht im (Sonder-)Müll landen. Naturbelassene Materialien verringern den Einsatz von Lacken, Furnieren oder Verkleidungen; die Verwendung regionaler Produkte spart Energie, derer es im anderen Fall für den Transport bedarf.

Beleuchtung ist ein entscheidender Faktor

Eine große Bedeutung kommt auch der Ladenbeleuchtung zu, denn sie verbraucht einen Großteil der gesamten Energie. Rewe wagte sich mit seiner 2009 entwickelten Green-Building-Linie auf Neuland: Durch ein 280 Meter langes, umlaufendes Fensterband und 18 Lichtkuppeln im Dach fällt viel Tageslicht in den Raum, wodurch der Energieverbrauch für die Beleuchtung deutlich sinkt. Wer sich diesen mutigen Schritt nicht traut oder einen innen liegenden Laden auszustatten hat, greift oftmals (zu) schnell zu LEDs als Allheilmittel. Diese können allerdings nicht ohne größere Veränderungen die bisherigen Leuchtmittel ersetzen und müssten ihre Energiebilanz bei Herstellung und Recycling noch deutlich verbessern.


„Das Licht kann auf Tages- oder Jahreszeiten, ja sogar auf die Stimmung der Kunden reagieren.“ Jutta Blocher, Blocher Blocher Partners


Ansorg, ein Hersteller von Leuchten und Lichtsystemen für den Non-Food- und Foodeinzelhandel, zeigt Interessenten auf seiner Website beispielsweise anschaulich einige Unterschiede zwischen Halogenmetalldampflampen und LEDs auf. Erzeugt das Streulicht ersterer Modelle weiche Übergänge und zeigt die Formen des beleuchteten Objekts sehr gut, punkten LEDs aufgrund des geringen Streulichtanteils durch hohe Kontraste, eine sehr gute Farbwiedergabe und eine hohe Lichtausbeute. Außerdem lassen sie sich dimmen und erzeugen so ganz verschiedene Lichtstimmungen. „Das Licht ist nicht mehr statisch, sondern dynamisch. Es kann auf Tages- oder Jahreszeiten, ja sogar auf die Stimmung der Kunden reagieren“, erläutert Jutta Blocher, Head of Interior Design beim Büro Blocher Blocher Partners, die gestalterischen Möglichkeiten beim Einsatz von LEDs. Sie müssen allerdings von Beginn an konzeptionell integriert werden, um ihr Potenzial voll auszuschöpfen.

Dazu Markus Weindl, Geschäftsführer von Ruco Licht, im aktuellen dlv-Ladenbau-Magazin: „Sinnvoll ist es, wenn das Ladenbaukonzept auf die Vorteile von LED abgestimmt wird. Mit LED kann die Ware mit geringerem elektrischen Verbrauch besser in Szene gesetzt werden.“ Davon auszuschließen sind allerdings all jene Schaufenster, in denen es aufgrund direkter Sonneneinstrahlung sehr heiß wird – dadurch würde sich die Lebensdauer von LEDs erheblich verringern.


„Mit LED kann die Ware mit geringerem elektrischen Verbrauch besser in Szene gesetzt werden.“ Markus Weindl, Ruco Licht


LED geht auch „grün“

Apropos Lebensdauer von LEDs: So sparsam diese Leuchtmittel während ihres Gebrauchs auch sein mögen, so schwierig ist bei den meisten aktuell erhältlichen die Wiederverwertung. Sie bestehen aus vielen verschiedenen Bauteilen, die alle miteinander verklebt sind. Auch die Herstellung ist teilweise noch sehr energie- und materialaufwendig. Dass es anders geht, beweist seit September 2014 die Firma Carus, die sich der „materialeffizienten Herstellung von LED-Lampen“ verschrieben und auch deren Lebensende im Blick hat. Carus braucht für seine LEDs nur noch sieben Komponenten, darunter das Elektronikbauteil, zwei Alukörper, die Lichtkuppel und den Metallsockel. Diese werden weder geklebt noch gelötet, sondern über Steckverbindungen zusammengefügt. Die Kühlkörper sind aus Blech und nicht gegossen, wodurch die Hälfte des Materials eingespart wird. So wiegen die Lampen von Carus, die für den Bundespreis Ecodesign 2015 nominiert sind, knapp 60 Prozent weniger.

Diese neuen Leuchtmittel könnten das i-Tüpfelchen des aktuellen Storekonzepts der Outdoormarke Jack Wolfskin werden. Als 2011 die Zeit gekommen war, für alle Läden weltweit ein neues Storedesign zu entwickeln, sollte auch „das verantwortungsvolles Handeln bei umweltrelevanten Themen“ sichtbar werden, so der Hersteller. Als Ausgangspunkt des Konzepts diente dem Dormagener Büro PPM Planung + Projektmanagement das Leben der Nomaden. Deren Behausungen müssen in regelmäßigen Abständen schnell und einfach ab- und an anderem Ort wieder aufgebaut werden, für den restlichen Besitz bedarf es geeigneter Transportbehältnisse.

Jack Wolfskin gestern und heute

So werden heute viele der Wandelemente, an denen die Ware präsentiert wird, einfach angelehnt und mit Tragegurten befestigt, also nicht mehr aufgehängt oder anderweitig fixiert. Auf diese Weise lässt sich die Einrichtung zum Beispiel beim Saisonwechsel schnell verändern, auch der Innenausbau ist einfacher und materialsparender zu gestalten. Die Vorsatzschale entfällt beim neuen Konzept komplett, dadurch werden weniger Holz und Gipskarton benötigt. Auf Verbundstoffe verzichteten die Planer, die bei diesem Projekt mit Brands and Values Sustainability Consultants zusammenarbeiteten, ebenfalls gänzlich, die Elementverbindungen lassen sich schnell und einfach trennen. Der Großteil des verwendeten Stahls wurde aus Recyclingmaterial hergestellt. Für die Warenauslage in der Fläche entwickelten die Planer einfache Boxen, die sich variabel kombinieren lassen.

Der Vergleich zwischen Alt und Neu macht deutlich, dass sich Nachhaltigkeit auch aus wirtschaftlicher Sicht lohnt: Statt 18,4 Tonnen wiegt die Ausstattung eines 160 Quadratmeter großen Ladens nur noch 8,4 Tonnen, es werden 21 Prozent weniger Energie verbraucht und die Transportkilometer für die Materialbeschaffung summieren sich statt auf 6,3 auf 3,8 Erdumrundungen. Wenn zu guter Letzt die bestehenden Leuchtmittel durch LED-Lampen ersetzt würden, sänke der Energieverbrauch für die Beleuchtung noch einmal um 20 bis 25 Prozent.

Schlagworte: Nachhaltigkeit, Beleuchtung, Grüner Ladenbau, LED-Beleuchtungstechnologie

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