All you knit is love!

Die Street-Art des wilden Strickens im Stadtraum hat das alte Handwerk auch hierzulande wieder populär gemacht. Davon profitieren der Laden Wollen Berlin – und Besitzerin Ruta Sluskaite.

Von Ralf Kalscheur 20.12.2016

© privat

„Nur wollen, nix müssen“: So lautet das schöne Motto von Ruta Sluskaite. Im Jahr 2009 kam die heute 30-Jährige mit einem Bachelorabschluss in Jura aus Litauen nach Berlin, um an der hiesigen Universität den Master zu machen. Doch der Plan ging nicht recht auf, denn Sluskaite strickte lieber an ihrem Traum von der Selbstständigkeit im Einzelhandel als an ihrer Juristenkarriere.

„Ich habe schon immer gern gestrickt, so wie eigentlich alle Frauen in meiner Familie“, erzählt die Unternehmerin. Nach der Ankunft in Berlin gründete sie gleich ein kleines Modelabel, um ihre Stricksachen mit traditionellen baltischen Mustern zu verkaufen. Seit das Guerillastricken die althergebrachte Handarbeit wieder ins Blickfeld der Jeunesse dorée gerückt hat, erweist sich die Nachfrage als nachhaltig. So kam eine Masche zur anderen, und 2011 stand für die Litauerin schließlich fest, dass sie ihr Hobby zum Beruf machen sowie das Studium sausen lassen wollte. Gut, dass Sluskaites Familie daheim dem Stricken nicht nur traditionell aufgeschlossen gegenübersteht, sondern ihr das weiche Sortiment auch startfinanzieren konnte. Der Laden mitten im Szenebezirk Friedrichshain ist 80 Quadratmeter groß und bietet alles, was Strickbegeisterte wünschen: Wolle in vielen Farben und Qualitäten natürlich, aber auch Zubehör, Handgemachtes und Strickanleitungen, die Sluskaite und ihre drei Mitarbeiter auf Minijobbasis selbst entwerfen.

Die Fertigung der baltisch inspirierten Kleidung überlässt Sluskaite jedoch ihren Kunden. „Man kann nur eines richtig machen: Modedesign oder Handel“, erklärt die Rechtswissenschaftlerin – und macht in puncto Handel keine halben Sachen.

Immer samstags und zuweilen an zusätzlichen Terminen stellt Ruta Sluskaite ihren Laden für Strickworkshops zur Verfügung. Die Veranstalter bringen ihr neue Kundenkontakte ins Geschäft und sie nutzt die Gelegenheiten, um durch eine gekonnte Öffentlichkeitsarbeit ihr Geschäft darzustellen. Überdies lockt ein offener Stricktreff Interessierte an die Nadeln. Wer einmal an ihnen hängt, will immer wieder zu Wollen Berlin. „Etwas Vergleichbares gibt es in Friedrichshain einfach nicht“, sagt Sluskaite. „Die Menschen kommen in den Laden, um zu fachsimpeln, ein Strickproblem zu lösen oder um neue Ware zu sehen und anzufassen.“ Wer schon weiß, welche Wolle es für das nächste Stück sein soll, kann den Onlineshop der hübsch gestalteten Website nutzen.

Ruta Sluskaite und ihr Team haben einen warmen Sommer mit verkürzten Öffnungszeiten verlebt. „Wolle ist halt ein Saisongeschäft“, seufzt sie, klingt dabei aber keineswegs besorgt. Auf eine ausreichende Anzahl grauer, kalter Monate ist in Berlin Verlass.


Wir suchen Deutschlands Handelshelden

Menschen, die mit Herzblut hinter einem Produkt stehen, sind die besten Promoter ihrer Ware. Genau solche Charaktere sucht das handelsjournal für seine Serie „Die Ware leben“. Wenn Sie das tun, bewerben Sie sich bei uns – wir stellen Sie in unserem Magazin vor. Senden Sie einfach unter dem Betreff „Die Ware leben“ eine E-Mail mit einer kurzen Selbstbeschreibung samt aussagekräftigem Foto an redaktion@handelsjournal.de. Vielleicht kennen Sie auch jemanden, den Sie gern als Handelshelden vorschlagen mögen? Dann her mit Ihrer Empfehlung!

Schlagworte: Die Ware leben, Unternehmen, Wollen Berlin

Kommentare

Ihr Kommentar