Handel fordert stärkere Nutzung von Rezyklaten

In Deutschland könnten viel mehr recycelte Kunststoffe für Verpackungen genutzt werden, wenn die gesetzlichen Hürden für die Verwendung hochwertiger Rezyklate nicht so hoch wären. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Klimaschutzoffensive des Handels.

09.04.2019

© Sergey Ryzhov/Stock Adobe

Ein erhöhter Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen leistet einen direkten Beitrag zum Klimaschutz, weil dadurch aus Erdöl hergestelltes Neumaterial eingespart wird.

Die Studie zeigt, dass nur bei zehn Prozent der Plastikverpackungen keine bis geringe Hemmnisse für den Einsatz von Rezyklaten bestehen. Vor allem bei Plastikverpackungen im Lebensmittelbereich – zum Beispiel bei Schalen für Obst und Gemüse oder bei Joghurtbechern – ist ein Einsatz von recycelten Kunststoffen aktuell kaum möglich. Bei anderen Produkten wie Paletten oder Pflanztöpfen dagegen werden heute schon Rezyklate in größeren Mengen eingesetzt.

„Für den Einsatz von recycelten Kunststoffen müssen verbindliche und verlässliche Qualitätsstandards aufgestellt werden, damit diese umfassender genutzt werden können als bisher“, so Stefan Genth, Hauptgeschäftsführer beim Handelsverband Deutschland (HDE). „Gerade bei Lebensmittelverpackungen brauchen wir außerdem ein schnelles, unbürokratisches Zulassungsverfahren für Rezyklate mit Lebensmittelkontakt.“ Immer wieder diskutierte politische Vorgaben für einen Mindest-Rezyklatgehalt in Verpackungen würden zusätzlich die Knappheit des recycelten Materials verschärfen und die Preise in die Höhe treiben.

Die Studie wurde von der Gesellschaft für Verpackungsmarktforschung (GVM) im Auftrag der HDE-Klimaschutzoffensive durchgeführt. Ein erhöhter Rezyklateinsatz in Kunststoffverpackungen leistet einen direkten Beitrag zum Klimaschutz, weil dadurch aus Erdöl hergestelltes Neumaterial eingespart wird. Die Wiederaufbereitung von Kunststoffen zur Gewinnung von Rezyklaten verbraucht zudem weniger Energie und ist deshalb klimafreundlicher als die Produktion von Neuware.

Die Kurzversion der Studie finden Sie hier.

Schlagworte: Einzelhandel, Studie, Nachhaltigkeit, HDE-Klimaschutzoffensive, Klimaschutzoffensive

Kommentare

  • Harald Käb

    Dem HDE Wunsch nach geringeren gesetzlichen Hürden bei der Zulassung von Rezyklaten würden (Lebensmittel-) Chemiker mit den nicht geringen Risiken beim Rezyklateinsatz begegnen. Der Handel und Markenunternehmen sind die ersten, die jedes Risiko einzugehen an dieser Stelle ablehnen würden. Zu Recht. Statt die Möglichkeiten des mechanischen Recyclings zu überdehnen, sei dem Handel eine Drei-Säulen-Strategie geraten, bei der das risikoärmere chemische Recycling und das Kohlenstoffrecycling der Natur - der Gebrauch von erneuerbaren Rohstoffen - d.h. biobasierte Kunststoffe jeweils wichtige Rollen spielen. Dan ist auch das Thema Downcycling vom Tisch. Und man muss nicht viele weitere Jahre warten, bis sich diese jetzt schon auf der Hand liegende Erkenntnisse in den Regalen des Handels wiederfinden. Im Moment steht man auf nur einem, reichlich schwächlichen Bein - da hilft alles Rufen im Wald nicht viel. Polymerchemie und Produktsicherheit geht nur in größter stofflicher Reinheit, das Chemikerwissen 1. Semester.

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    12.04.2019, 11:31 Uhr
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