Handelsräume: E-Commerce und Innenstadt

Mit Spitzenvertretern aus Politik und Wirtschaft diskutierte der HDE die großen Fragen, die die Branche bewegen. Der Salon „handelsräume“ passte gut in die Gourmetabteilung.

Von Ralf Kalscheur 03.05.2016

© Markus Theisen/Bildschön Berlin

Im Dialog: HDE-Präsident Josef Sanktjohanser, HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth, Brigitte Zypries (SPD) und Michael Hövelmann (Galeria Kaufhof, v. r.)

Der digitale Wandel ist kein schleichender Prozess. Doch weil das Internet und mobile Technologien schon alle Lebensbereiche durchdrungen haben, droht im selbstversunkenen Umgang mit dem Smartphone sowie im Vertrauen auf die gute Konjunktur zuweilen die Dynamik des Umbruchs aus dem Blick zu geraten. „Der Handel ist ohne Digitalisierung nicht mehr möglich“, sagte HDE-Präsident Josef Sanktjohanser. „Was die digitale Infrastruktur angeht, sind wir im europäischen Vergleich jedoch nicht gerade Vorreiter.“

Wie E-Commerce und Innenstädte angesichts des demografischen Wandels voneinander profitieren können, war das große Thema der „handelsräume“. Die Gäste des vom HDE veranstalteten handelspolitischen Salons verfolgten eine engagierte Debatte in der Gourmetabteilung von Galeria Kaufhof am Berliner Alexanderplatz – wo es nicht nur feine Speisen und Getränke, sondern auch WLAN-Zugang ohne Passwort gibt.

„Bei der Digitalisierung besiegen die Schnellen die Langsamen“, sagte Brigitte Zypries. In diesem Rennen sei Deutschland schon „im Hintertreffen“. Die parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie bedankte sich bei Sanktjohanser für sein Engagement um die Dialogplattform Einzelhandel. Im Austausch könnten Politik und Handel „praxisnahe Lösungen“ entwickeln, mit denen sich Datensicherheit und Verbrauchersouveränität in Einklang bringen ließen, so Zypries: „Das alte Prinzip der Datenvermeidung hilft uns nicht mehr weiter.“

„Ich wünsche mir den Mut, auch mal etwas nicht zu regulieren“, sagte Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft in Köln. „Wenn man das Leitbild des souveränen Verbrauchers aufgibt, dann können wir auch gleich den souveränen Bürger aufgeben.“ Hüther forderte mehr unternehmerische Freiheit, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern.

„Die gute Lage im Moment ist nicht nur hausgemacht, sondern auch eine Folge von Faktoren wie dem Ölpreis und den Zinsen“, warnte Carsten Linnemann. Der Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU räumte ein: „Ich habe das Thema Digitalisierung unterschätzt.“ Im Hinblick auf den Erhalt des Standorts Innenstadt sagte Linnemann an den HDE gewandt: „Es ist sehr wichtig und richtig, dass Sie mit den Kommunen zusammenarbeiten.“

Schlagworte: E-Commerce, HDE, Innenstadt, Multichannel, Onlinehandel

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