Zoll: Wenn Urlaubsschnäppchen teuer werden

Böses Erwachen nach dem Urlaub: Vermeintliche Schnäppchenkäufe von Schmuck im Ausland können durch Steuern und Zölle bei der Wiedereinreise richtig teuer werden. Der Schmuggel lohnt sich nicht – er wird nicht als Kavaliersdelikt, sondern als Straftat geahndet.

28.06.2016

© BVJ

Der Bundesverband der Juweliere, Schmuck- und Uhrenfachgeschäfte (BVJ) warnt Reisende anlässlich der bevorstehenden Urlaubssaison: „Der gesunde Menschenverstand gehört auf jeden Fall mit in das Reisegepäck. Einfuhrumsatzsteuer, Zollabgaben und sogar Strafverfahren können auch den schönsten Urlaub im Nachhinein vermiesen“, betont BVJ-Präsident Stephan Lindner. „Die entspannte Urlaubsstimmung endet für manchen Reisenden, wenn der Zoll im Urlaub gekaufte Uhren und Schmuck kontrolliert. Was billig schien, wird dann im Zweifel richtig teuer.“ Der Verband rät den Konsumenten, sich vor Reiseantritt genau über Steuern, Freigrenzen und Einfuhrbestimmungen zu informieren. Denn Käufe von Uhren und Schmuck im Ausland sind in vielen Fällen nur scheinbar günstig.

Schmuggel: Ausreden nützen nichts

Bei der Wiedereinreise aus Drittländern (Nicht-EU-Ländern) werden auf eingeführte Waren Einfuhrumsatzsteuer sowie Zollabgaben fällig. Bei Reisen außerhalb der Europäischen Union kontrolliert der Zoll bei Flug-, Seereisen und sonstigen Transportmitteln die sogenannte Drittlandsware. „Die häufig verwendeten Ausreden wie ‚Das hatte ich schon bei der Ausreise dabei‘ oder ‚Ich dachte, das sei abgabenfrei‘ helfen dem Touristen nicht, wenn die Belege fehlen“, informiert Lindner. „Die Nachweis- und Deklarationspflicht für Urlaubskäufe, Reisemitbringsel und auch Rückwaren liegt immer beim Reisenden.“ Liegt der Kaufpreis oberhalb der Freigrenzen, werden Zollabgaben sowie die Einfuhrumsatzsteuer fällig. Lindner ergänzt: „Was die meisten nicht wissen ist, dass das Verschweigen kein Kavaliersdelikt ist. Bei einem Verstoß gegen die Vorschriften wird immer und grundsätzlich ein Strafverfahren wegen versuchter Steuerhinterziehung eingeleitet.“ In jedem Fall muss der Kauf glaubwürdig belegt und überprüfbar sein – und den erfahrenen Zollbeamten plausibel erscheinen.


Das Wichtigste auf einen Blick:

Wer Waren aus einem Drittland zu nichtkommerziellen Zwecken als Geschenk oder zum persönlichen Gebrauch einführt, kann sich nur auf verhältnismäßig niedrige Freigrenzen berufen: Für Personen ab 15 Jahren liegen diese bei Flug- und Seereisen bei 430 Euro pro Person, ansonsten (beispielsweise bei Auto- oder Bahnreisen) sogar nur bei 300 Euro Gesamtwert der eingekauften Waren. Bei Unter-15-jährigen liegt die Grenze bei 175 Euro pro Person. Die Einfuhrumsatzsteuer bei Uhren und Schmuck beträgt 19 Prozent. Hinzu kommen Zollabgaben bis zu 4 Prozent bei Schmuck und 80 Cent pro Stück bei Uhren.

Waren mit höherem Preis werden automatisch für den gesamten Kaufpreis mit Steuer- und Zollabgaben belegt. Wer mehrere kleinere Mitbringsel einführt, ist bis zu den Freigrenzen abgabebefreit, muss jedoch mit gesteigerter Skepsis des Zolls rechnen. Wird ein gewerbsmäßiger oder anderer kommerzieller Zweck wie Auftragskäufe für Bekannte festgestellt, entfallen die Freigrenzen im Zweifel gänzlich.

Umfassende Informationen bietet die Broschüre „Reisezeit – Ihr Weg durch den Zoll“, kostenlos herunterzuladen unter: www.bundesfinanzministerium.de

Auch der Zoll hält Informationen bereit, unter dem Stichwort „Urlaubszeit ist Reisezeit“ auf www.zoll.de

Schlagworte: Bundesverband der Juweliere Schmuck und Uhrenfachgeschäfte, Einfuhrzölle, Schmuck, Uhren, Abgaben

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