Onlinehandel: Augen auf bei der Produktpräsentation

Ein Blickfang ist ein guter Anfang, um die Aufmerksamkeit von Kunden auf Verkaufsplattformen zu gewinnen. Doch das attraktive Foto von der Ware sollte dem Betrachter nicht zu viel versprechen.

Von Dr. Peter Schröder 09.08.2015

Online-Händler nutzen für den Produktvertrieb oft Verkaufsplattformen wie Amazon Marketplace, um einen großen Kundenkreis anzusprechen. Sie müssen aber darauf achten, in welcher Weise die von ihnen angebotenen Produkte – auch ohne ihre direkte Mitwirkung – präsentiert werden.

So hatte ein Händler einen Sonnenschirm mit Schirmständer bei Amazon angeboten. Das Angebot war mit einem Foto illustriert, auf dem neben dem Sonnenschirm auch der Ständer mit Betonplatten zu sehen war. In der Produktbeschreibung machte der Händler darauf aufmerksam, dass die Betonplatten nicht im Lieferumfang enthalten seien. Dies nutzte ihm nichts: Er wurde wegen Irreführung der Verbraucher abgemahnt, verklagt und vom Landgericht Arnsberg (Urteil vom 05.03.2015, Az. 8 O 10/15) zur Unterlassung verurteilt. Sein Problem: Das Angebot umfasste nicht alle auf dem Bild dargestellten Komponenten, das Gericht wertete das Foto als „Blickfang“, sodass eine Täuschungshandlung festgestellt wurde. Nach Auffassung der Richter werden Texte im Internet nur flüchtig gelesen und der Angebotsinhalt lediglich oberflächlich zur Kenntnis genommen. Derart agierende Verbraucher würden nicht erkennen, dass der Händler das Produkt nicht wie auf dem Foto präsentiert anbiete. Auf den „reflektierenden Verbraucher“ kommt es nach Meinung der Richter nicht an. Selbst wenn das Foto nicht vom Händler, sondern von der Plattform eingestellt worden sei, müsse der Verkäufer dies gegen sich wirken lassen. Er habe das Portal beauftragt und damit einen Beitrag zur Rechtsverletzung geleistet.

Das vom Landgericht Arnsberg vertretene Verbraucherbild ist verfehlt. So nötigt die mögliche Geschwindigkeit des Internets niemanden zu einem oberflächlicheren Studium von Produktbeschreibungen. Im Gegenteil haben die Verbraucher am heimischen Bildschirm die Möglichkeit, diese besonders aufmerksam zu lesen und können bei Unklarheiten Nachfragen stellen. Davon wird in der Praxis auch Gebrauch gemacht. Das Gericht wendet sich daher in bedauerlicher Weise vom Leitbild des durchschnittlich informierten Verbrauchers ab und fällt auf das überholte Bild des flüchtigen Verbrauchers zurück. Die Entscheidung ist ein deutlicher Hinweis an alle Händler, Produktpräsentationen in Verkaufsplattformen zu kontrollieren. Sie sollten sich bewusst sein, dass die Verantwortung für fehlerhafte Bilder nicht dem Plattformbetreiber zugewiesen werden kann. Händler müssen damit rechnen, als „mittelbare Störer“ für Fotos in Haftung genommen zu werden, die der Plattformbetreiber zusätzlich zur textlichen Produktbeschreibung einstellt.


Zur Person
Rechtsanwalt Dr. Peter Schröder, Bereichsleiter Recht und Verbraucherpolitik beim HDE
schroeder@hde.de

Schlagworte: E-Commerce, Onlinehandel, Recht

Kommentare

Ihr Kommentar