Hilfe gegen Hacker

Die IT-Sicherheitslage in Deutschland bleibt auf hohem Niveau angespannt. Die Kooperation des HDE mit dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) soll dazu beitragen, die Cybersicherheit gerade auch in mittelständischen Einzelhandelsbetrieben zu erhöhen.

Von Arne Schönbohm, Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) 18.09.2018

© Getty Images / Moment RF

Umsatzausfälle für Onlineshops wegen nicht erreichbarer Webseiten oder gefälschter Rechnungen, unterbrochene Lieferketten, Bußgelder aufgrund von Datenschutzverstößen – die geschäftlichen Risiken für den Handel durch kompromittierte IT-Systeme sind vielfältig. Das belegen nicht zuletzt die regelmäßigen Meldungen über IT-Sicherheitsvorfälle in Presse und Medien.

Die Risiken für Unternehmen durch Cyberbedrohungen nehmen weiter zu. Bekannte Einfallstore für Cyberangriffe, wie Sicherheitslücken in Standardsoftware und Malware, bleiben unverändert kritisch bestehen. So haben wir im letzten Jahr 1.000 IT-Sicherheitsprobleme in den zehn verbreitetsten Softwareprodukten gesehen. Die Zahl der bekannten Schadprogramme ist auf über 600 Millionen gestiegen; pro Tag werden rund 280.000 neue Varianten entdeckt. Durch das rasante Fortschreiten der Digitalisierung und die damit einhergehende zunehmende Vernetzung von Systemen – Stichwort: Internet der Dinge – sehen wir zudem eine ganz neue Qualität der Gefährdung. Es entstehen immer neue, immer komplexere Angriffsszenarien, die von hoch professionell agierenden Angreifern ausgenutzt werden können.

Austausch von Expertenwissen
Die Digitalisierung eröffnet der deutschen Wirtschaft enorme Geschäftschancen. Auch der Einzelhandel muss die digitale Transformation weiter vorantreiben, um wettbewerbsfähig und profitabel zu bleiben. Informationssicherheit ist dabei jedoch von Anfang an mitzudenken, um das Vertrauen der Kunden in die angebotenen Produkte und Dienstleistungen zu gewährleisten und die Widerstandsfähigkeit der Betriebe gegen Cyberangriffe und IT-bedingte Produktivitätsausfälle zu stärken. Cybersicherheit kann Unternehmen einen klaren Wettbewerbsvorteil verschaffen und sollte nicht als bloßer Kostenfaktor abgetan werden.


Zur Person
Arne Schönbohm ist seit Februar 2016 Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik. Der gebürtige Hamburger studierte Internationales Management in Dortmund, London und Taipeh. Vor seinem Amtsantritt war er in leitenden Funktionen bei DaimlerChrysler Aero­space und EADS sowie als Präsi­- dent des 2012 gegründeten Cyber-­Sicherheitsrats Deutschland e. V. tätig.


Als nationale Cybersicherheitsbehörde unterstützt das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik Unternehmen aller Branchen dabei, die Digitalisierung sicher zu gestalten. Da es angesichts der zunehmenden Komplexität der Cyberbedrohungen für einzelne Akteure immer schwieriger wird, wirksame Sicherheitskonzepte zu entwickeln und zu realisieren, setzen wir dabei auf einen kooperativen Ansatz. Im Rahmen der 2012 gegründeten „Allianz für Cyber-Sicherheit“ (ACS) bringen wir Akteure aus Wirtschaft, IT-Branche und IT-Sicherheitsforschung an einen Tisch, um einen aktiven, offenen Austausch von Expertenwissen und Erfahrungen rund um das Thema Cybersicherheit zu ermöglichen. Die Initiative richtet sich vor allem an kleine und mittelständische Unternehmen, die im Rahmen ihrer Teilnahme Zugriff auf eine breite Palette von praxisnahen Hilfestellungen zu allen wichtigen Aspekten der Cybersicherheit erhalten.

Cyberrisiken aufzeigen
Als nationale Cybersicherheitsbehörde haben wir ein Interesse daran, die IT-Sicherheit im Einzelhandel zu verbessern und den digitalen Wandel in dieser wichtigen Branche erfolgreich zu gestalten. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung ist die in diesem Jahr vereinbarte langfristige Kooperation zwischen dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik und dem Handelsverband Deutschland (HDE). Das gemeinsame Ziel: durch die Erhöhung des Schutzniveaus vor Cyberangriffen im deutschen Einzelhandel die Verfügbarkeit von Handelswaren aller Art für die Verbraucherinnen und Verbraucher sicherzustellen. Ein entsprechendes Memorandum of Understanding wurde am 26. Juni 2018 in Berlin unterzeichnet. Im Zuge der Vereinbarung trat der HDE am selben Tag der Allianz für Cyber-Sicherheit bei und wird sich als Multiplikator der ACS in den branchenübergreifenden Dialogprozess zur Cybersicherheit einbringen.

Informationssicherheit erhöhen
Im Rahmen der Zusammenarbeit wird das BSI gemeinsam mit dem HDE den Verbandsmitgliedern vielfältige Angebote zur Verfügung stellen, mit denen die Unternehmen ihr Verständnis für Cyberrisiken verbessern und Maßnahmen zur Steigerung der Widerstandsfähigkeit gegen Cyberangriffe umsetzen können. Geplant sind unter anderem Angebote zur Sensibilisierung von Handelsunternehmen in Form von Fachbeiträgen – in Verbandspublikationen wie dem handelsjournal oder auch online – und Veranstaltungen. Mit dem 22. Cyber-Sicherheits-Tag der Allianz für Cyber-Sicherheit zum Thema „Mit Informationssicherheit und Datenschutz zum digitalen Erfolg: EU-DSGVO, NIS-Richtlinie & Co. in der Praxis“ konnte am 16. Mai 2018 in Düsseldorf bereits eine erste erfolgreiche Kooperationsveranstaltung durchgeführt werden.

Ein weiteres Projekt ist die gemeinsame Entwicklung eines sogenannten IT-Grundschutzprofils für Handelsunternehmen. Die darin formulierten branchenspezifischen Empfehlungen für konkrete Umsetzungsmaßnahmen sollen es insbesondere den kleinen und mittelständischen Handelsunternehmen erleichtern, die Informationssicherheit im Betrieb Schritt für Schritt zu erhöhen. Das BSI und die Allianz für Cyber-Sicherheit freuen sich auf eine erfolgreiche Zusammenarbeit zur Erhöhung der Cybersicherheit im Einzelhandel. Davon profitieren letztlich nicht nur die Einzelhandelsbetriebe, sondern auch die Verbraucher und der Standort Deutschland.


Kostenlose Registrierung bei der „Allianz für Cyber-Sicherheit“ unter:
allianz-fuer-cybersicherheit.de/ACS/Registrierung

Schlagworte: Allianz, BSI, Cybersicherheit, Informationssicherheit, IT-Sicherheit

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