Frühlingsfest: Brüsseler Spitzen

Unter dem Motto „Handelsmarken in voller Blüte“ lud der HDE zum Frühlingsfest nach Brüssel. Der angespannten Sicherheitslage in der belgischen Hauptstadt trotzend, kamen rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbänden in die NRW-Landesvertretung bei der Europäischen Union.

Von Mirko Hackmann 01.07.2016

© Philippe Veldeman Photographer / HDE

Susanne Eichholz-Klein vom Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) stellte ihre Studie dem Auditorium in Brüssel vor.

Die Folgen der Terroranschläge sind noch überall in der Stadt spürbar: Am Flughafen patrouillieren Sicherheitskräfte mit Maschinengewehren, in den U-Bahnen untersuchen Polizisten das Gepäck der Passanten und an vielen Stellen ersetzen transparente Säcke die öffentlichen Müllbehälter. „Ich bin froh, dass wir alle den Mut haben, in diesen Zeiten gemeinsam in Brüssel zu feiern“, betont HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth in seiner Eröffnungsrede. Nicht zuletzt, um zu zeigen, dass das Leben trotz der Terrorakte weitergehe, sei es ein wichtiges Statement, Veranstaltungen wie diese weiterhin in Brüssel abzuhalten.

Das eigentliche Thema des Abends aber sind die Handelsmarken. Wie groß deren Bedeutung und Akzeptanz sind, belegen die Ergebnisse der IFH-Eigenmarkenstudie, die Susanne Eichholz-Klein als Vertreterin des Kölner Instituts für Handelsforschung (IFH) vorstellt. Mit einem Umsatzanteil der Handelsmarken von 37,8 Prozent im Jahr 2014 gehört Deutschland zu den reifen Märkten für diese Produktgruppe. Angeführt wird das Ranking aber vom Vereinigten Königreich (UK) und von Spanien mit jeweils 41 respektive 42 Prozent der Umsatzanteile von Handelsmarken. Der EU-Durchschnitt liegt bei 30,6 Prozent. „Interessant ist, dass Eigenmarken nicht mehr allein als günstige Preisalternative, sondern als mehrwertorientierte Alternative dienen“, erklärt Eichholz-Klein mit Verweis auf Premium- und Bio-Handelsmarken.

Diese Auffächerung führt bei den Konsumenten zu wachsender Beliebtheit: So belegen die Befragungsergebnisse des IFH, dass heute 85 Prozent der Verbraucher aus einem Sortiment von Marken und Handelsmarken auswählen möchten. Die Mehrheit der Verbraucher erwartet Handelsmarken, und sollten keine gelistet werden, geben 43 Prozent der Verbraucher an, dass sie die betreffende Einkaufsstätte weniger häufig aufsuchen würden. „Das sind sieben Prozent mehr als noch 2011“, so Eichholz.


Lesen Sie hier: Am Rande des Brüsseler Frühlingsfests sprach das handelsjournal mit HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth und dem kommissarischen Leiter des HDE-Büros Brüssel, Götz Brandau, über harmonisierte Märkte, fragwürdige Sondersteuern und starke Handelsmarken.


Ebenfalls räumt die Studie mit der in der EU-Kommission verbreiteten Ansicht auf, Eigenmarken wirkten innovationshemmend und drängten Hersteller aus dem Markt. „Häufig bieten Händler Markenherstellern die Möglichkeit zur Expansion in internationale Märkte, zu denen die Produzenten sonst keinen Zugang hätten“, betont Eichholz. Überdies stünden Eigenmarken unter starkem Konkurrenzdruck und fungierten allein deshalb als Innovationstreiber, beispielsweise wenn es um nachhaltige Sortimente oder den Convenience-Handel gehe.

Den offiziellen Teil des Abends beendet Rudolf Strohmeier, frisch gekürter Generaldirektor des Amts für Veröffentlichungen der Europäischen Union, mit einigen kritischen Ausführungen über die nicht berechenbaren Rahmenbedingungen in der EU, die aufseiten der Industrie zu einer mangelnden Bereitschaft führten, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Zudem ermuntert er dazu, angesichts von Digitalisierung und hybridem Kundenverhalten Händler stärker an die Hand zu nehmen und ihnen zu helfen, die neuen Herausforderungen zu meistern. Beim abschließenden Networkingempfang ist für einen Großbildschirm gesorgt, sodass die nach dem Handel zweitwichtigste Sache nicht zu kurz kommt: das Champions-League-Halbfinale Atlético Madrid gegen Bayern Müchen (1:0).

Schlagworte: Brüssel, HDE, Konferenz

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