Genth: Der Brexit als Chance

Das Votum der Briten für den EU-Austritt hat unübersehbare Folgen. Das haben auch die Initiatoren des Referendums inzwischen verstanden, manch einer drückt sich nun vor seiner Verantwortung.

Von Stefan Genth 09.08.2016

© Thorsten Futh

Der Hauptgeschäftsführer des HDE, Stefan Genth.

Auf den ersten Blick scheinen die Konsequenzen für den deutschen Einzelhandel eher marginal. Unmittelbar trifft es zunächst die Unternehmen, die in UK mit ihren Filialen und Mitarbeitern präsent sind. Die Rahmenbedingungen für ihre Aktivitäten in Großbritannien werden sich mit großer Sicherheit verschlechtern, zum Beispiel durch die Wiedereinführung von Zöllen oder Wechselkursschwankungen.


Zur Person
Stefan Genth ist Hauptgeschäftsführer des Handelsverband Deutschland (HDE).


Wenn das Geschäft mit den Briten insgesamt einbricht und der bilaterale Handel leidet, wird das an der gesamten deutschen Wirtschaft nicht spurlos vorübergehen. Die drohenden Verwerfungen und der Vertrauensverlust innerhalb des EU-Binnenmarktes sind mit hohen Risiken verbunden, die zu einer Verschlechterung des Wirtschafts- und Konsumklimas führen könnten. Der Binnenmarkt ist ein Schlüssel für Wachstum und Beschäftigung und für die Wettbewerbsfähigkeit der EU.

Bei allem Verständnis für die Stimmen, die jetzt einen raschen und kompromisslosen Ausschluss der Briten aus der EU fordern, ist bei den anstehenden Entscheidungen Augenmaß gefragt. Zu viel steht auf dem Spiel, auch für die verbleibenden 27 Mitgliedsstaaten.


„Nutzen wir die aktuelle Krise der EU als Chance, das Bündnis zu stärken und wettbewerbsfähiger zu machen.“


Nutzen wir die aktuelle Krise der EU als Chance, das Bündnis zu stärken und wettbewerbsfähiger zu machen, und sehen wir sie als Alarmsignal, den Brüsseler Apparat nicht weiter von den EU-Bürgern zu entfremden. So viel Freiheit wie möglich, so viel Staat wie nötig: Diese Maxime sollten sich die EU und ihre Bürokratie auf die Fahnen schreiben!

Schlagworte: Brexit, Fokus, HDE, HDE kompakt

Kommentare

Ihr Kommentar