Der Preis des Geldes

Harte Zeiten für Hartgeld: Mit Verweis auf eine neue EU-Regelung erhöhen viele Banken ihre Gebühren für Münzgeld – zum Nachteil der Händler.

Von Martin Jahrfeld 14.11.2015

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Die Situation kennt nahezu jeder Händler: Die Kunden kommen in Scharen, doch alle haben offenbar nur Scheine im Portemonnaie – ganz so, als führte ihr Weg direkt vom Geldautomaten ins Geschäft. Die Wechselgeldbestände in der Kasse schmelzen unaufhörlich dahin und sind schließlich aufgebracht. Wer in dieser Situation zur Bank läuft, kann inzwischen vielerorts eine böse Überraschung erleben: Die Gebühren für Hartgeld sind in vielen Geldinstituten deutlich gestiegen.

Preise von bis zu einem Euro für die Ausgabe von Hartgeldrollen sind inzwischen keine Seltenheit mehr. Ärgerlich ist das vor allem für jene Händler, die aufgrund von Sortiment und Pricing mit hohen Kleingeldbeständen arbeiten müssen. Denn auch die Einzahlung von Hartgeldbeständen auf das eigene Konto belegen einige Finanzhäuser inzwischen mit üppigen Gebühren. Münzen und Scheine werden mancherorts nur noch in sogenannten Safebags entgegen genommen, für die oft Kosten von fünf bis zehn Euro berechnet werden.

Echtheit muss geprüft werden

Die Gebührenoffensive ist indessen keine konzertierte Aktion zur Eindämmung des Bargeldverkehrs. Hintergrund ist vielmehr eine seit Anfang des Jahres geltende EU-Vorschrift, die den Kreditinstituten vorschreibt, sämtliche Münzgeldbestände auf ihre Echtheit zu überprüfen. Umgesetzt werden kann diese neue Vorschrift nur durch eine besondere Münzzählmaschine mit Sicherheitszertifikat, die von den Bankhäusern erst für teures Geld gekauft werden muss. Die Zählmaschinen kosten rund 200 000 Euro.


„Die Gesamtkosten infolge der neuen EU-Norm können sich für ein einzelnes Geldinstitut auf bis zu 400.000 Euro belaufen.“ Alexander von Schmettow, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes


Hinzu kommen verpflichtende Weiterbildungsschulungen für die Mitarbeiter in Sachen Münzgeldsicherheit. „Die Gesamtkosten in Folge der neuen EU-Norm können sich für ein einzelnes Geldinstitut auf bis zu 400 000 Euro belaufen. Natürlich werden diese Kosten irgendwie umgelegt werden müssen“, betont Alexander von Schmettow, Sprecher des Deutschen Sparkassen- und Giroverbandes. Unstrittig ist dabei, dass die Kostenumlage vor allem Geschäfts- und Handelskunden treffen wird. Privatkunden, die ihr Sparschwein schlachten und den Inhalt zur Bank bringen, können Hartgeld in der Regel weiterhin kostenlos einlösen.

Nur wenige Münzfälschungen

Absurd jedoch: Die kriminelle Energie der Münzfälscher, die durch die schärferen Sicherheitsbestimmungen eingedämmt werden soll, ist schon jetzt zu vernachlässigen. Fälschungen von Münzen sind in Deutschland eine Marginalie. Jährlich werden kaum mehr als 50 000 falsche Münzen entdeckt, der durch diese Fälschungen entstehende Schaden liegt unter 100 000 Euro. Dass der Zahlungsverkehr mit Bargeld dadurch an Attraktivität verliert, steht ohnehin nicht zu erwarten: Anders als einigen europäischen Nachbarn ist den deutschen Verbrauchern ihr Bargeld lieb und teuer. Rund 80 Prozent aller Einkäufe werden hierzulande nach wie vor mit Scheinen und Münzen abgewickelt.

Schlagworte: Bargeld, Münzen, Währung

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