Denken und Handeln: Kurs auf Zukunft

Die Digitalisierung ist allgegenwärtig. Welche Folgen hat sie für das Werteverständnis und Konsumverhalten des modernen Menschen? Um diese Frage drehte sich die zweite Runde der HDE-Veranstaltungsreihe „Denken und Handeln“ im Soho House Berlin.

Von Mirko Hackmann 02.10.2015

© HDE

Stefan Genth, HDE-Hauptgeschäftsführer (l.) und Sascha Lobo (r.), Blogger, Buchautor und Journalist, bei der Veranstaltungsreihe "Denken und Handeln".

Ein gesetztes Dinner erwartet die rund 100 geladenen Gäste aus Politik, Wirtschaft und Verbandswelt, die der Einladung des HDE ins Soho House gefolgt sind. Als Treffpunkt der internationalen Kreativszene bietet die so nostalgisch wie hip anmutende Lokation den passenden Rahmen, um jenseits des Tagesgeschäfts den Blick von der Gegenwart in die Zukunft zu wagen.

Einer Gegenwart, die von der Digitaltechnologie getrieben, ein bisweilen atemberaubendes Momentum des Wandels offenbart, das die Nadel des gesellschaftlichen Wertekompasses zum Tanzen bringt und zugleich die Retrowellen hochschlagen lässt. In solch stürmischen Zeiten sind auch im Handel Navigatoren gefragt, die nicht nur auf Sicht fahren, sondern mit geschultem Blick, die sich am Horizont abzeichnende Zukunft zu ergründen suchen.


In der Veranstaltungsreihe „Denken und Handeln“ richtet der HDE den Fokus auf aktuelle Entwicklungen in Gesellschaft und Handel. Sie bietet Experten ein Forum, die den Dialog des HDE mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Medien mit eigenen Impulsen bereichern. Im vergangenen Jahr war im Berliner Soho House zum Thema „Neue Städte“ als Keynote Speaker der Stararchitekt Sir David Chipperfield zu Gast.


Seine Sicht auf das Kommende offenbart Keynote Speaker Tom Savigar dem Publikum zwischen Vorspeise und Hauptgang. Der Chief Strategy Officer des Londoner Future Laboratory verortet uns im Zeitalter der Hyperintimität: „Wir werden unseren favorisierten Marken und Geschäften nicht nur unsere persönlichen Daten offenbaren, sondern perspektivisch auch Zugang zu unseren Stimmungen und Gefühlen, ja sogar zu unserer DNA gewähren.“ Für Konsumenten stehe mehr und mehr die individuelle Teilhabe an einem Markenerlebnis im Vordergrund. Die Unterscheidung zwischen realer und virtueller Welt schwinde. „Phygital“ nennt Savigar diese Indifferenz, die es Unternehmen ermögliche, die Beziehung zum Kunden in ihrem Sinne optimal zu managen.

In dieser Zusammenführung von physischer und digitaler Welt sieht HDE-Hauptgeschäftsführer Stefan Genth „eine zentrale Herausforderung für den Handel“. Doch gleich, ob on- oder offline, müssten stets der Service für den Kunden und dessen Erlebnis im Mittelpunkt stehen. Höchst positiv sei zudem der Effekt der Digitalisierung auf die Produkttransparenz: „Konsumenten profitieren davon, wenn sie sich über die Herkunft eines Lebensmittels detailliert informieren können.“

Datensouveränität statt Datensicherheit, proklamiert der Blogger und Buchautor Sascha Lobo, der die Entscheidung, wer wem wie viele Daten preisgeben mag, dem Konsumenten selbst überlassen möchte. Diesen mit monetären Belohnungen zu verlocken, hält er jedoch für falsch. In Anlehnung an Savigars Begriff des „retail theatres“ plädiert er dafür, Möglichkeiten zu bieten, sich selbst mit dem Produkt zu inszenieren. Auf diese Weise schaffe der Handel Kommunikationsräume, die Kunden in dessen Sinne nutzen könnten. Denn gleich, ob digital oder analog, an einem hat sich, wie Lobo betont, seit alters her nichts geändert: „Märkte sind Gespräche.“

Schlagworte: Denken und Handeln, Digitalisierung, HDE

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