Digitaltag 2020

Smart Retail

Was bringt Künstliche Intelligenz dem Handel – und welche Risiken birgt die Technologie? Darüber diskutierte Stephan Tromp, stellvertretender HDE-Hauptgeschäftsführer, anlässlich des Aktionstages zur Gestaltung des digitalen Wandels mit Experten von Rewe Digital und Otto.

Von Jens Gräber 07.08.2020

© Nike

Kuratiertes Angebot: Auf Basis von Appdaten aus der Umgebung bestückt Nike in New York alle zwei Wochen sein Sortiment mithilfe von KI neu.

Passend zu den Vorlieben von in der Umgebung lebenden Nutzern der Nike-App. wird in einem Store des Sportartikelherstellers in New York das Sortiment automatisch alle zwei Wochen neu bestückt. Maschinelles Lernen, also die automatisierte Auswertung von App-, Verkaufs- und Retourendaten, macht es möglich. Der Modeversender Zalando lässt Kunden in seiner App anhand von Bildern nach Produkten suchen. Das funktioniert auf Basis von Computer Vision, also dem maschinellen Erkennen von Mustern in Fotos.

Beide Technologien sind Teildisziplinen der Künstlichen Intelligenz (KI). „Das klingt nach Science-Fiction, ist aber Realität im Handel“, stellt Stephan Tromp, Digitalisierungsexperte des Handelsverbands Deutschland (HDE), anhand der Beispiele klar. Gut so, denn Retailer lebten schließlich davon, Verbraucherwünsche zu erfüllen – und dabei könne die Technologie helfen. „Das ist kein Gimmick, sondern hat einen echten wirtschaftlichen Nutzen.“

Regeln für den Einsatz von KI

Entscheidend allerdings sei, mahnt Tromp, auch den Risiken der Technologie Rechnung zu tragen, etwa beim Schutz von Daten. „Denn nur wenn der Kunde Vertrauen hat, nutzt er unsere Anwendungen auch.“ Corporate Digital Responsibility, also die Übernahme von Verantwortung durch Unternehmen in der digitalen Gesellschaft, hält der stellvertretende HDE-Chef für ein Muss.

Was der Handel in dieser Hinsicht leiste, müsse er in der Diskussion mit politisch Verantwortlichen noch besser kommunizieren. Salah Zayakh, Senior Manager Emerging Markets & Technology bei Rewe Digital, stimmt zu. „Wir übernehmen Verantwortung für die Systeme, die wir entwickeln“, erklärt er. Denn auch denkende Maschinen können sich danebenbenehmen. „Wir sind jederzeit bereit, bei Fehlverhalten einzuschreiten“, so Zayakh. Ein Manifest für den Einsatz Künstlicher Intelligenz, in dem unter anderem diese Grundsätze verankert sind, hat die Rewe Group eigens erarbeitet und stellt es anlässlich des Digitaltags 2020 vor. Das Unternehmen nutzt KI etwa, um Lager- und Logistikabläufe zu automatisieren.

Viele der Herausforderungen im Umgang mit KI seien eigentlich Probleme der Menschen, verdeutlicht Michaela Regneri, Senior Expert AI & Cognitive Computing beim Versandhändler Otto, ihre Sicht der Dinge. Die Klage etwa, die Technologie führe zu einem Verlust an Freiheit und Vielfalt, weil bei Onlinekäufen automatisiert Produkte vorgeschlagen würden, sei falsch adressiert. „Man gelangt ganz leicht mit zwei Klicks aus diesen Vorschlägen raus. Aber der Mensch muss auch gewillt sein, Neues zu entdecken, anstatt es sich bequem zu machen.“

Lässt sich der Verbraucher also bald nur noch von smarten Maschinen bedienen, am liebsten online, weil es so schön einfach ist? Nein, da sind sich alle Diskussionsteilnehmer einig. Regneri erklärt: „Es gibt Kaffee-Vollautomaten, die bereiten den Kaffee sehr gut zu. Trotzdem existieren weiterhin Cafés und Baristas – das sind parallele Stränge.“ Und Tromp prophezeit: „Käufe, die Spaß machen und mit einem Erlebnis verbunden sind, bleiben auch in 100 Jahren ein stationäres Thema.“ ●

 

Mehr Informationen zum Rewe-KI-Manifest: ai-manifesto.rewe-digital.com/de/

Schlagworte: Digitalisierung, KI, Rewe, Otto

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