Payment Spezial: PSD2

Neue Ära im Bankengeschäft

Europäische Onlinehändler sind verpflichtet, durch verbesserte Kundenauthentifizierung für Sicherheit zu sorgen. Über die Einführung der Strong Customer Authentication hinaus eröffnet die Richtlinie PSD2 neue Potenziale für Fintech-Unternehmen, von denen auch der Handel profitieren kann.

Von Mailin Schmelter und Dr. Rufina Fingerhut, IFH Köln 26.04.2020

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Seit September 2019 sind alle europäischen Onlinehändler verpflichtet, durch eine verbesserte Kundenauthentifizierung für mehr Sicherheit beim bargeldlosen Zahlungsverkehr zu sorgen.

Die neue Auflage der ECC-Payment-Studie, einer Initiative des ECC Köln in Zusammenarbeit mit dem Volkswirt Professor Dr. Malte Krüger von der Technischen Hochschule Aschaffenburg, widmet sich daher in einem Schwerpunktthema dem Einfluss der starken Kundenauthentifizierung auf den Händlerumsatz und beleuchtet darüber hinaus die Potenziale von Open Banking für Fintechs.

Datenschutz versus Convenience

Kaum haben Händler die Anpassungen nach der DSGVO vorgenommen, schon erwartet sie eine neue Herausforderung: die PSD2-Richtlinie. Seit September 2019 sind alle europäischen Onlinehändler verpflichtet, durch eine verbesserte Kundenauthentifizierung für mehr Sicherheit beim bargeldlosen Zahlungsverkehr zu sorgen. Der Handel fürchtet Performanceverluste, denn jeder zusätzliche Klick stört die Konversion. Doch noch können Onlinehändler durchatmen: Die Finanzaufsicht hat die PSD2- Übergangsfrist bis Ende 2020 verlängert. Jedoch bestätigen die Ergebnisse der ECC-Payment-Studie, dass die Sorge nicht unberechtigt ist. Onlinehändler bemerken bereits eine erhöhte Komplexität des Zahlungsvorgangs für Kunden (44 Prozent) und mehr Serviceaufkommen (43 Prozent). So ist nicht verwunderlich, dass mehr als drei Viertel der Onlinehändler in der Einführung von PSD2 für sich als Unternehmen überwiegend Nachteile sehen.

Bezahlvorgänge ohne Bank abwickeln

Neben der starken Kundenauthentifizierung bringt die PSD2 eine weitere wichtige Änderung mit sich: Konsumentinnen und Konsumenten können künftig auch Dritt-​anbietern den Zugriff auf ihre Kontoinformationen gewähren, um Bezahlvorgänge direkt auszulösen – ohne den „Umweg“ über ihre Bank gehen zu müssen. Damit leitet PSD2 eine neue Ära im Bankengeschäft ein. Obwohl Banken bei ihnen einen hohen Vertrauensvorschuss gegenüber Fintechs genießen, schließen Konsumenten eine Freigabe für Drittanbieter nicht aus. Rund die Hälfte würde den Zugriff auf Kontoinformationen unter Voraussetzungen erlauben, am ehesten bei einer Auto- oder Immobilienfinanzierung. Damit eröffnet PSD2 insbesondere neue Potenziale für Fintech-Unternehmen.

Banken sollten aufpassen, denn durch die schrittweise Ausweitung der Leistungen von Bezahllösungen über Kredite hin zu weiteren Finanzdienstleistungen sichern sich Fintech-Unternehmen immer größere Marktanteile und streben zunehmend eigene Banklizenzen an. Und die Mehrheit der Konsumenten spricht Fintech-Unternehmen in der Zukunft eine noch größere Relevanz zu. Zudem werden auch große Internetkonzerne (Amazon, Google etc.) als potenzielle Anbieter von Finanzdienstleistungen akzeptiert. Für Anbieter von Finanzdienstleistungen – ob Banken, Fintech-Unternehmen oder auch Onlinehändler und Vergleichsportale mit Wunsch nach mehr – gilt für die Zukunft: Sie müssen die Anforderungen der Konsumenten erfüllen.

Mehr zu der Entwicklung von Banken und neuen Finanzdienstleistern ist in der ECC-Payment-Studie Vol. 24 nachzulesen.

Kostenpflichtiger Download unter: https://www.ifhshop.de/studien/e-commerce/150/ecc-payment-studie

Schlagworte: Payment, Kontaktloses Bezahlen

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