HDE: Textilbranche braucht angesichts der verschärften Krise staatliche Hilfe

 

Der Präsident des Handelsverbands Deutschland (HDE), Josef Sanktjohanser, appelliert an die Bundesregierung, Händler mit einem Umsatzausfall von 70 Prozent oder mehr in diesem November in das staatliche Nothilfeprogramm aufzunehmen. Ansonsten seien mit Blick auf die jüngst beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Coronapandemie zahlreiche innerstädtische Geschäfte, besonders aus der Textilbranche, verloren.

 

„Ohne staatliche Nothilfen werden viele mittelständische Innenstadthändler diesen zweiten faktischen Lockdown wirtschaftlich nicht überleben. Das reißt in der Folge ganze Stadtzentren mit in den Abgrund“, so Sanktjohanser. Denn obwohl der Einzelhandel weiterhin öffnen darf, seien die Unternehmen vielerorts in einer schwierigen Lage. Nach Einschätzung des HDE wird das zur Eindämmung der Pandemie notwendige Herunterfahren des öffentlichen Lebens dafür sorgen, dass nur wenige Kunden den Weg in die Stadtzentren zum Einkaufen finden. Ohne Kunden drohe dem innerstädtischen Handel eine einem Lockdown mit Geschäftsschließungen ähnliche Situation: Mietkosten liefen weiter, während die Umsätze fehlten.
 

Verband sieht "unverschuldete Notlage " für viele Händler

„Viele Händler befinden sich durch die Coronakrise in einer unverschuldeten Notlage. Deshalb muss die Bundesregierung auch Handelsunternehmen mit einem Umsatzausfall von 70 Prozent oder mehr in ihr Unterstützungsprogramm aufnehmen“, so Sanktjohanser weiter. Eigene finanzielle Rücklagen und Reserven seien insbesondere im Bekleidungshandel bereits für die Bewältigung des ersten Lockdowns aufgebraucht worden. In den ersten acht Monaten des Jahres verlor der Bekleidungseinzelhandel laut HDE ein Drittel seiner Umsätze.

 

Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte nach dem Corona-Gipfel erklärt, Deutschland müsse wegen der weiter steigenden Corona-Infektionszahlen eine "akute nationale Gesundheitsnotlage" vermeiden. "Wir müssen handeln, und zwar jetzt", so die Kanzlerin. Die beschlossenen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie sollen vom 2. November an bis Ende des Monats gelten. Restaurants und Kneipen sollen wieder schließen, genauso wie Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo- und Fitnessstudios oder Kinos. In der Öffentlichkeit sollen sich nur noch maximal zehn Menschen aus dem eigenen und einem zweiten Hausstand gemeinsam aufhalten dürfen. Veranstaltungen werden gestrichen und Zuschauer in der Bundesliga wieder verboten. Offen bleiben sollen Schulen, Kindergärten, der Groß- und Einzelhandel und Friseurläden.

 

Zur News-Übersicht geht es hier.

Mehr Nachrichten zur Coronakrise

Umfrage

Wo die Deutschen ihre Weihnachtsgeschenke kaufen

In fünf Wochen ist Weihnachten, normalerweise eine Zeit, in der Einkaufsstraßen und Geschäfte stark frequentiert sind. Eine Umfrage des Meinungsforschungs-Unternehmens YouGov zeigt: Aus Angst vor dem Coronavirus wollen die Menschen 2020 mehr online kaufen - viele explizit bei kleinen Anbietern.

HDE-Umfrage

Innenstadthandel in Existenznöten

Mit Blick auf die aktuelle Pandemielage und die Einschränkungen des öffentlichen Lebens sehen sich nach einer aktuellen HDE-Trendumfrage unter mehr als 500 Unternehmen knapp 60 Prozent der befragten Innenstadthändler in Existenznöten.

Interview

„Wir werden Verfassungsbeschwerde einlegen“

Im Interview fordert HDE-Präsident Josef Sanktjohanser staatliche Unterstützung zur Rettung der Innenstädte, ein Belastungsmoratorium für den von der Coronakrise gebeutelten Handel sowie eine bundeseinheitliche Regelung für Sonntagsöffnungen.

Coronapandemie

Teil-Lockdown bremst Shopping-Lust

Seit knapp einer Woche ist die Bundesrepublik im Teil-Lockdown. Museen und Konzerthäuser sind geschlossen, viele Restaurants und Cafés auch. Der Handel sieht in einer ersten Zwischenbilanz seine Befürchtungen bestätigt: Es fehlen vielerorts Kunden, weil die Innenstädte leerer sind als sonst.

HDE-Konsumbarometer

Infektionsgeschehen verunsichert Verbraucher

Das HDE-Konsumbarometer zeigt für den November eine Verschlechterung der Verbraucherstimmung an. Nach dem Erholungsprozess in der Folge des ersten Corona-Lockdowns sinkt der Index damit zum ersten Mal ab.