Sprunghafte Kunden

Eine neue Studie zeigt, dass Produktbewertungen zunehmend an Bedeutung gewinnen und das Einkaufsverhalten nachhaltig verändern. Kunden sind weniger von Marketingbotschaften abhängig, und das Kräftegleichgewicht verschiebt sich zu Gunsten der Konsumenten.

12.03.2019

© vegefox / Adobe Stock

71 Prozent der Konsumenten weltweit schätzen Produktbewertungen als wichtig oder sogar sehr wichtig ein (in Deutschland: 66 Prozent). Neben den Produkteigenschaften und dem Preis sind Ratings bereits das drittwichtigste Kriterium für Kaufentscheidungen und damit sogar wichtiger als die Marke. Das ergibt die aktuelle „Trend Radar“-Studie „The Rating Economy 2019“ der Strategieberatung Simon-Kucher & Partners, für die knapp 6.400 Endkonsumenten in 23 Ländern weltweit – darunter knapp 430 Teilnehmer aus Deutschland – zu ihrem Rating-Verhalten befragt wurden.

Fast die Hälfte der Befragten gibt an, regelmäßig vor einem Kauf Bewertungen zu lesen. Ein Drittel bewertet in der Regel nach einem Kauf selbst das Produkt. Insgesamt hat mit 76 Prozent die Mehrheit der Konsumenten bereits schon mindestens einmal eine Produktbewertung abgegeben. Dabei fällt auf: Starke Unzufriedenheit mit dem Kauf gibt nur in nahezu zwei Dritteln der Fälle den Ausschlag, eine Bewertung abzugeben. Besondere Zufriedenheit mit dem Einkauf dagegen motiviert sogar 75 Prozent der Konsumenten zu einer Bewertung.

„Wie unsere Studienergebnisse zeigen, ist ein einfacher Ratingprozess interessanterweise die drittgrößte Antriebsfeder für Konsumenten, eine Bewertung abzugeben“, erklärt Georg Tacke, CEO von Simon-Kucher. „Unternehmen können die Zahl ihrer Ratings steigern, indem sie es ihren Kunden so leicht wie möglich machen, ihren Kauf zu bewerten – ohne kompliziertes Log-In oder zu viele Detailfragen.“

Gefühlt höhere Qualität
51 Prozent der Befragten sind der Meinung, dank Ratings mehr für ihr Geld zu bekommen. „Sie fühlen sich nicht nur besser informiert und tätigen weniger Fehlkäufe. Ihrer Ansicht nach erhalten sie auch qualitativ hochwertigere Produkte”, so Tacke. Die „Rating Economy“ gibt den Verbrauchern mehr Transparenz über die angebotenen Produkte; die Konsumenten erobern sich mehr und mehr Macht. Sie können anhand von Bewertungen direkter beeinflussen, welche Produkte und Unternehmen erfolgreich sind, und sie haben die Möglichkeit, ihre Erfahrungen schnell mit anderen Verbrauchern zu teilen.

Der schnelle, einfache und direkte Vergleich eines Produkts bei verschiedenen Anbietern macht Kunden sprunghafter. Die Loyalität zu Marken und Unternehmen wird durch Ratings aufgeweicht. Ein Drittel der Befragten gibt an, schon einmal aufgrund eines besser bewerteten Produkts die Marke gewechselt zu haben, und vielerorts haben Kundenbewertungen die Marke als Kaufkriterium überholt. „Vor allem die untervierzigjährige, urbane Zielgruppe hat eine weniger enge Bindung zu Marken; sie glaubt stärker an die Empfehlungen anderer Konsumenten als an Marketingversprechen und sucht das jeweils für sie beste Produkt“, sagt Tacke. „Das macht positiv bewertete Produkte für Unternehmen umso wertvoller – und sollte für sie ein Ansporn sein, die Qualität ihrer Produkte stetig zu verbessern.“

Denn auch Unternehmen können von der Rating Economy profitieren: 20 Prozent der Konsumenten geben an, aufgrund von guten Produktbewertungen mehr zu kaufen, 15 Prozent kaufen höherpreisigere Produkte. 19 Prozent der Befragten sind sogar bereit, für ein gut bewertetes Produkt mehr zu bezahlen. Nicht in allen Branchen haben Ratings bereits diese immense Bedeutung. Generell spielen Produktbewertungen die wichtigste Rolle bei Unterhaltungselektronik (60 Prozent der Konsumenten weltweit sehen sich hier vor einer Entscheidung die Bewertungen an; in Deutschland: 58 Prozent) sowie im Bereich Hotel & Tourismus (weltweit: 60 Prozent; Deutschland: 57 Prozent).

Schlagworte: Studie, Rating Economy, Produktbewertungen

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